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Erstes Treffen sein zwei Jahren
Nord- und Südkorea wollen Deeskalation

Eine symbolische Geste: Südkoreas Vereinigungsminister und Delegationsleiter Cho Myoung Gyon (rechts) und sein nordkoreanischer Amtskollege Ri Son Gwon geben sich zu Beginn der Gespräche die Hand und demonstrieren so den Willen zur Kooperation.
Eine symbolische Geste: Südkoreas Vereinigungsminister und Delegationsleiter Cho Myoung Gyon (rechts) und sein nordkoreanischer Amtskollege Ri Son Gwon geben sich zu Beginn der Gespräche die Hand und demonstrieren so den Willen zur Kooperation. FOTO: - / dpa
Seoul/Panmunjom. Die ersten Gespräche seit langem zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten nähren die Hoffnung auf Entspannung.

Signale der Entspannung aus Korea: Beim ersten Treffen von Regierungsvertretern aus Nord- und Südkorea seit mehr als zwei Jahren haben sich die verfeindeten Nachbarstaaten gestern auf Schritte zur militärischen Deeskalation verständigt. Die Vertreter aus Pjöngjang und Seoul vereinbarten „Militärgespräche zum Abbau der militärischen Spannungen“ auf der koreanischen Halb­insel. Außerdem kündigte Nordkorea seine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Südkorea an. Die Unterredung der ranghohen Regierungsvertreter fand in Panmunjom in der entmilitarisierten Zone zwischen den seit sieben Jahrzehnten verfeindeten Ländern statt.


Südkoreas fünfköpfige Delegation wurde von Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon angeführt. Die Delegation aus Pjöngjang leitete dessen Beauftragter für die interkoreanischen Angelegenheiten, Ri Son Gwon. Mit einem Händedruck demonstrierten die Delegationsleiter schon zu Beginn ihre Bereitschaft zur Annäherung. Ri sagte: „Lassen Sie uns den Menschen ein kostbares Neujahrsgeschenk machen.“ Die Atmosphäre war freundlicher als bei vorangegangenen Treffen.

Tatsächlich dürften die gestrigen Gespräche nach einem äußerst angespannten Jahr die Hoffnung auf eine Deeskalation des Konflikts auf der koreanischen Halbinsel wecken: Nord- und Südkorea kündigten an, sie wollten die „aktuellen militärischen Spannungen entschärfen“ und dazu Militärgespräche führen. Sie vereinbarten auch die Wiedereinrichtung einer direkten militärischen Telefonverbindung. Weiter hieß es, Nordkorea werde an den Olympischen Winterspielen teilnehmen. Pjöngjang werde neben Athleten auch Fans, Künstler sowie Zuschauer und Journalisten entsenden. Südkorea verpflichtete sich, der Delegation die nötige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Die Olympischen Sommerspiele 1988 in Seoul hatte der Norden boykottiert.

Vor Beginn der Gespräche hatte Cho die Hoffnung geäußert, dass die vom 9. bis 25. Februar im südkoreanischen Pyeongchang stattfindenden Olympischen Winterspiele „Friedensspiele“ mit „sehr kostbaren Gästen aus dem Norden“ werden würden. Er hob zudem hervor, dass sich die Menschen nach „Frieden und Aussöhnung“ sehnten.

Südkorea bemühte sich bei dem Treffen um eine Wiederaufnahme der Familienzusammenführungen zwischen dem Norden und dem Süden, wie die südkoreanische Agentur Yonhap berichtete. Seoul schlug Familientreffen während der Olympischen Spiele vor.



Die Trennung von Familien als Folge des Koreakrieges (1950 bis 1953) ist eines der emotionalsten Themen zwischen den beiden Staaten. Etwa 60 000 zunehmend ältere Südkoreaner hoffen nach wie vor, ihre Verwandten aus dem Norden wiederzusehen. Die letzten Begegnungen fanden im Jahr 2015 statt.

Die Annäherung beider Seiten folgt auf Monate, in denen sich der Konflikt auf der geteilten Halbinsel gefährlich zugespitzt hatte. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un versetzte die internationale Gemeinschaft mit Raketentests und dem bislang gewaltigsten Atomtest in Aufregung. Er verstieß damit gegen Resolutionen der Vereinten Nationen. Zudem lieferte sich Kim einen verbalen Schlagabtausch mit US-Präsident Donald Trump, der wiederum Nordkorea mit der völligen Zerstörung drohte. All dies löste international die Sorge vor einem Atomkrieg aus.

Der Schwenk kam mit Kims Neujahrsansprache. Darin drohte er zwar erneut mit Atomwaffen, erwog aber gleichzeitig eine Entsendung von Athleten zu den Olympischen Winterspielen. Seoul antwortete mit einem Gesprächsangebot.

Die USA und Südkorea verständigten sich darauf, jährlich stattfindende gemeinsame Militärübungen auf die Zeit nach den Winterspielen zu verschieben. Weil der Koreakrieg 1953 mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag endete, befinden sich die beiden Staaten formal noch im Kriegszustand.

(dpa)