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Japan hortet für Erdbeben oder Sturmflut

Tokio. Kaum ein Land ist so von Katastrophen bedroht wie Japan. Daher ist es dort völlig normal, dass jeder Haushalt Vorräte für mindestens drei Tage in einer Tasche am Ausgang lagert. fmk

Einen Katastrophenrucksack? "Nee, habe ich nie angelegt, hatte ich aber immer mal vor", sagt Taketani Yuya, 27 Jahre alt. Mit seiner Nachlässigkeit unterläuft der Tokioter Angestellte die Anstrengungen der japanischen Regierung, das Land möglichst katastrophenfest zu machen. Mindestens für drei Tage sollen die Vorräte an Wasser und Nahrung jedes Haushalts reichen, lautet die Empfehlung der Regierung. Dazu kommen Helme für alle Familienmitglieder, Verbandskasten, Taschenlampen und Hygieneartikel.


Japan hat besonders viel Erfahrung mit Katastrophen. Nirgendwo sonst bebt die Erde so häufig - etwa 200 Mal im Jahr, und regelmäßig richtig heftig. Die Erschütterungen lösen immer wieder auch Tsunamis aus. Vor fünf Jahren hat in Fukushima eine Flutwelle fast 20 000 Menschen in den Tod gerissen und ein Atomkraftwerk zur Kernschmelze gebracht. Dazu kommen jährlich mehrere Taifune, die Überschwemmungen und Sturmfluten bringen.

Die Vorbereitungen helfen dabei immer wieder, Schlimmeres zu verhindern. Die Drei-Tage-Regel leitet sich aus den Vorgaben für Armee, Feuerwehr und Katastrophenschutz ab: Nach einem schweren Erdbeben sollen die Hilfskräfte binnen 72 Stunden auch schwer verwüstete Gebiete erreichen.



Japans Kaufhäuser bieten für den, der sich optimal vorbereiten möchte, einen ganzen Kosmos von Katastrophenzubehör an. Das fängt mit Plastiktüten an, die auf die Form einer Kloschüssel zugeschnitten sind - damit man richtig im Sitzen sein Geschäft verrichten kann, auch wenn kein Leitungswasser mehr fließt. Zahlreiche gefriergetrocknete Gerichte sollen derweil für Abwechslung zu den üblichen Notfall-Keksen in Blechdosen sorgen. Es gibt beispielsweise Hühnercurry im Plastikbeutel oder "Alpha-Reis", der sich sogar mit kaltem Wasser aufgießen lässt. Dazu kommen Solarladegeräte fürs Handy, Kurbelradios oder Geigerzähler fürs iPhone.