Studie sieht weiter hohes Armutsrisiko bei Kindern

Gütersloh. Trotz bundesweit leicht zurückgehender Kinderarmut bleibt das Armutsrisiko von Kindern unter drei Jahren hoch. 2010 lebte in Deutschland jedes fünfte Kind in armen Verhältnissen (19,8 Prozent), wie die Bertelsmann Stiftung bei der Vorstellung einer bundesweiten Studie gestern in Gütersloh erklärte

Gütersloh. Trotz bundesweit leicht zurückgehender Kinderarmut bleibt das Armutsrisiko von Kindern unter drei Jahren hoch. 2010 lebte in Deutschland jedes fünfte Kind in armen Verhältnissen (19,8 Prozent), wie die Bertelsmann Stiftung bei der Vorstellung einer bundesweiten Studie gestern in Gütersloh erklärte. Am stärksten betroffen ist demnach Berlin mit einer Armutsquote von 36 Prozent in dieser Altersgruppe. In Bayern hingegen waren es lediglich zehn Prozent der Unterdreijährigen in Familien, die Hartz IV beziehen. Insgesamt ging die Quote jedoch zurück, 2008 lag sie noch bei 21,2 Prozent.Die Autoren stellten erhebliche Unterschiede sowohl zwischen Bundesländern als auch innerhalb von Städten und Kommunen fest. Die höchste Armutsquote bei kleinen Kindern in den westdeutschen Bundesländern hat Nordrhein-Westfalen mit 22,7 Prozent. Auch im Saarland liegt die Kinderarmut der Studie zufolge prozentual deutlich über dem Bundesdurchschnitt. 22,4 Prozent der saarländischen Kinder unter drei Jahren lebten 2010 in Armut. Nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung ist die Armutsquote im Vorjahresvergleich in fast allen Bundesländern zurückgegangen, im Saarland aber blieb sie konstant.

Die Bertelsmann-Stiftung plädiert angesichts der Zahlen für eine andere Verteilung der staatlichen Gelder. "Armut darf nicht in Chancenlosigkeit münden", erklärte Vorstandsmitglied Jörg Dräger. Wo die Probleme größer sind, müsse auch mehr Geld für gute Kitas und gezielte Förderung in Brennpunkten investiert werden.

Als arm stuft die Stiftung Kinder ein, die in Familien mit Bezug sozialstaatlicher Grundsicherungsleistungen aufwachsen. In einem neu entwickelten Sozialraum-Atlas veröffentlicht die Stiftung nach eigenen Angaben relevante Daten zur Lebenswelt von Kindern. Auch die Bundesagentur für Arbeit hatte in der vergangenen Woche Zahlen veröffentlicht. Danach ging die Zahl der von Hartz-IV-Leistungen lebenden Kinder unter 15 Jahren leicht zurück. epd/dpa

"Armut darf nicht in Chancen-

losigkeit münden."

Jörg Dräger, Bertelsmann-Stiftung