Streit wegen Streik: Schiedsrichter feuern Kollegen

Kostenpflichtiger Inhalt: Rote Karte im Saar-Fußball : Schiedsrichter schassen Waderner Kollegen nach Aufruf zum wilden Streik

Oliver Thome erhält per E-Mail Absage für bereits geplanten Spieleinsatz. Jetzt droht ihm der komplette Rauswurf. Der Betroffene selbst verurteilt: „Ich werde mundtot gemacht.“

Seine Aufforderung an Kollegen, in einen ungeplanten Ausstand zu treten, bringt Schiedsrichter Oliver Thome höchstwahrscheinlich um sein Ehrenamt. Denn direkt im Anschluss des in der SZ veröffentlichten Aufrufs ist dessen Einsatz als Unparteiischer zurückgezogen worden. Konkret geht es um die Fußballpartie in der B-Junioren-Verbandsliga, JFG Saarschleife I gegen 1. FC Saarbrücken II, am Sonntag, 22. September in Mettlach. Die Entscheidung soll der Schiedsrichterkreisverband Westsaar getroffen haben. Der 49-Jährige bekam die Absage per E-Mail zugestellt. Und diese soll nicht die letzte bleiben, wenn es nach dem Willen der Verantwortlichen geht. Er soll gefeuert werden.

Der geschasste Schiedsrichter Oliver Thome aus Wadern. Foto: Oliver Thome/privat

Obmann: Im Ton vergriffen

Denn wie der zuständige Schiedsrichter-Obmann Alfons Fries auf SZ-Anfrage bestätigt, reagiere die Organisation damit auf Thomes Aufruf zu einem ungezügelten Streik. Dies widerspreche den satzungsgemäßen Aufgaben der Schiedsrichter, einen regelten Spielablauf zu gewährleisten.

Schiedsrichter-Obmann Alfons Fries aus Losheim. Foto: Erich Brücker

Außerdem habe er sich in Interviews gegenüber der Verbandsspitze ziemlich im Ton vergriffen. So kritisierte der 67-jährige Losheimer Obmann folgendes: Thome hatte die mit dem Saarländischen Fußballverband (SFV) für dieses Wochenende vereinbarte Spielabsage in allen Amateurligen in der SZ als „simplen PR-Gag“ abgetan.

Solidarität mit Schiedsrichter-Opfern

Nach Darstellung des SFV aber wollten sich damit alle saarländischen Fußballtreibenden solidarisch mit den Referees zeigen, die in jüngster Zeit Ziel von teils schweren Übergriffen geworden waren. Obmann Fries verurteilte die Äußerungen von Thome: „Das kann er denken, aber nicht sagen.“

Thome war einer der Initiatoren, der wegen einer brutalen Attacke auf einen Schiri auf öffentlichkeitswirksame Aktionen drängte, um für fairen, sportlichen Umgang im Sport zu werben. Auslöser dafür: Am 24. August war ein Weiskircher Schiedsrichter in Merzig-Brotdorf nach einem C-Juniorenspiel krankenhausreif geschlagen worden.

Obmann Fries sehe durchaus eine Berechtigung in Thomes Initiative. Allerdings habe auch der Waderner die Hierarchien im Verband zu achten. „Er muss zuerst einmal mit den Verantwortlichen sprechen, statt andere Kollegen willkürlich aufzuwiegeln.“ Mit solchen Aktionen sei niemandem geholfen. Schlimmer noch, befürchtet Fries: Bei einem spontanen Ausstand würden die Unparteiischen den Rückhalt der Vereine einbüßen.

Endgültiger Ausschluss droht

Fries will es bei dem jetzigen Rückzieher der zuvor Thome zugeordneten Fußballbegegnung nicht belassen. Der Obmann kündigte an, dass sich der Kreisschiedsrichterausschuss am 17. Oktober mit dem Fall Oliver Thome befassen werde. Dann gehe es darum, ob Thome überhaupt noch im Dienst des Saar-Fußballs pfeift. Vieles deutet indes darauf hin, dass ihn der Ausschuss endgültig feuert. Fries in einer ersten Stellungnahme: „Ich habe ihm direkt nach seinem ersten Aufruf gesagt, er soll den Ball flach halten.“ Das habe Thome offensichtlich ignoriert. Nun stehe für den Obmann fest: „Er ist kein Schiedsrichter mehr.“

Landesspitze sieht darin vorbeugende Aktion

Unterstützung für diese angekündigte harte Gangart erhält der Kreisschiedsrichterausschuss Westsaar vom Schiedsrichter-Landeschef Volkmar Fischer. Zwar handle es sich um eine autonome Entscheidung des Kreisschiedsrichterausschusses. Eine Einmischung von Landesebene habe es nicht gegeben. Auch werde er „einen Teufel tun, die Meinungsfreiheit eines Schiedsrichters einzuschränken“. So dürfe Thome durchaus mitteilen, was er gesagt hat. Thome die Spiele indes zu entziehen, halte er für eine vorsorgliche Entscheidung, damit keine Spiele wegen eines spontanen Ausstandes ausfallen. „Ich kann das nachvollziehen.“

Betroffener: ungerechtfertigte Suspendierung

Indes spricht der Betroffene von ungerechtfertigter Suspendierung. Thome beruft sich ebenfalls auf die Meinungsfreiheit und wirft den Verantwortlichen im Verband vor, ihn „mundtot“ machen zu wollen. Er habe mit seiner Kritik an der Verbandsspitze darauf hinweisen wollen, dass sich strukturell mehr zum Schutz der Schiedsrichter ändern müsse. Das betreffe unter anderem die sportgerichtlichen Verfahren. Hier sieht er erhebliche Defizite bei der rechtlichen Unterstützung der Referees durch den SFV.

Nach SZ-Informationen drohe Thome nun selbst ein Verfahren vor der SFV-Spruchkammer wegen seiner öffentlichen Auftritte.

Wie groß ist sein Unterstützerkreis?

Der geschasste Schiedsrichter geht davon aus, dass er landesweit Unterstützer hat, die die Entscheidung, ihn nicht mehr einzusetzen, nicht mittragen werden. In einschlägigen Internetforen der Unparteiischen heißt es unterdessen in einem Beitrag zu dem saarländischen Vorfall: „Keine Widerrede erwünscht: Schiedsrichter entsorgt.“ Wie groß die Unterstützung für Thome tatsächlich ist, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

An diesem Wochenende (13. bis 15. September) sind alle Spiele der Amateurligen im Saar-Fußball mit Schiedsrichter-Einsatz abgesagt. Nachholtermine stehen bereits fest.

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