Schiedsrichter im Saarland drohen mit spontanem Streik

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach geplantem Ausstand : Schiedsrichter im Saar-Fußball drohen jetzt mit wildem Streik

Die Wut bei vielen Schiedsrichtern nach Übergriffen auf Kollegen ist groß. Droht jetzt eine Revolte?

Nach der geordneten Ankündigung eines Streiks der Schiedsrichter fürs kommende Wochenende (13. bis 15. September) droht weiteres Ungemach im Saar-Fußball. Denn einige Unparteiische wollen darüber hinaus als weitergehende Aktion unangekündigt Spiele boykottieren und so Begegnungen platzen lassen. Insbesondere aus dem nördlichen Saarland kommen ernsthafte Erwägungen, so auf Gewalt gegen Referees auf dem Spielfeld und nach Abpfiff zu reagieren.

Schiedsrichter Oliver Thome aus Wadern. Foto: Oliver Thome/privat

Dabei kritisieren einige Betroffene scharf den vom Verbandsschiedsrichterausschuss und dem Saarländischen Fußballverband (SFV) gemeinsam ausgerufenen Streiktag. Diesen nennt Oliver Thome wenig schmeichelhaft einen „simplen PR-Gag“. Der Schiedsrichter aus Wadern war Initiator eines E-Mail-Rundschreibens, der darin als erster zu einem Ausstand aufgerufen hatte. Auslöser dafür war der Übergriff auf einen Weiskircher Kollegen. Bei der C-Junioren-Partie am 24. August in Merzig-Brotdorf war der Unparteiische mutmaßlich vom Vater eines Spielers krankenhausreif geschlagen worden. Nur wenige Tage danach regte Thome an, sich solidarisch mit dem Verletzten zu zeigen und bereits am Wochenende nach dem folgenschweren Zwischenfall Spiele der Amateurligen zu boykottieren. Adressaten dieser Mail waren Kollegen des Schiedsrichterkreises Westsaar (Merzig, Dillingen, Saarlouis).

Trotz der Skepsis von Schiedsrichter-Obmann Alfons Fries aus Losheim, dass eine solche Soloaktion etwas bewirken könne, hält Thome an seiner Idee fest. Dabei habe er bereits sehr viel Zuspruch von Kollegen erhalten. Thome verteidigt seine Kritik an dem gemeinschaftlich von Schiedsrichterausschuss und SFV getragenen saarlandweiten Streik: „Das ist nur ein Trick, um Ruhe zu bewahren.“ Zumal Nachholtermine für die jetzt abgesagten Spiele bereits feststehen. „Der Streik hat so überhaupt keine Auswirkung“, sagt er. So würden es viele sehen.

Zusätzliche Brisanz erhält die Androhung eines weiteren Ausstands durch die neuerliche Attacke auf einen Schiedsrichter am vergangenen Sonntag. Dabei verbarrikadierte er sich nach verbalen und körperlichen Attacken im Anschluss einer Kreisliga-Begegnung in Sulzbach in seiner Kabine, bis ihn die alarmierte Polizei schützend zu dessen Wagen geleitete.

Unterstützung erhält der Waderner Referee von einem der Redaktion namentlich bekannten Schiedsrichter. Er pflichtet Thome bei, was einen möglichen Aufstand betrifft: „Die Stimmen an der Basis werden lauter. Die Schiedsrichter sind kaum zu beruhigen.“

Unterdessen wandte sich der SFV im Vorfeld des geplanten Streiks am kommenden Spieltag mit einem offenen Brief an seine Mitgliedsvereine. Darin wirbt die Verbandsspitze um Verständnis. „Nutzen wir gemeinsam das Streikwochenende als Zeichen gegen Gewalt und Diskriminierung auf unseren Sportplätzen“, fordert sie darin auf. Die damit verbundenen Spielverlegungen sollten anregen, darüber nachzudenken, „wie wir alle, Schiedsrichter, Spieler, Fans, Trainer und Betreuer, in Zukunft miteinander umgehen wollen“. Auslöser für das Schreiben war der Ruf von betroffenen Mannschaften nach Schadenersatz und Ausfallentgelt. Unterzeichner der Solidaritätsbekundung sind die beiden SFV-Vizepräsidenten Adrian Zöhler und Bernhard Bauer.

Mit diesem Schreiben wendet sich Saar-Sportminister Klaus Bouillon (CDU) an die Schiedsrichter. Foto: Matthias Zimmermann

Ungeachtet dessen hatte der SFV bereits zuvor sportgerichtliche Konsequenzen bei den jüngsten Übergriffen angekündigt. Und Saar-Sportminister Klaus Bouillon (CDU) hat für diesen Sonntagabend die saarländischen Schiedsrichter nach St. Wendel zum Grillfest auf das Gelände der Sportfreunde Winterbach eingeladen. Währenddessen will er mit den Schiris über deren Lage diskutieren. In seinem Brief dazu sagt er seine Unterstützung auch für den geplanten Streik zu und schreibt des Weiteren: „Bei allem Verständnis für Emotionen, die den Fußballsport ausmachen, hat Gewalt auf keinem Sportplatz etwas zu suchen.“

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