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A+F Elektro-Technik in Theley: Diese Firma ist mit den Wolken auf Augenhöhe

Kostenpflichtiger Inhalt: Wirtschaft Regional : Diese Firma ist mit den Wolken auf Augenhöhe

Seit Dezember fährt der Ballon des Unternehmens A+F Elektro-Technik immer wieder über das St. Wendeler Land. Der Geschäftsführer möchte so potenzielle Fachkräfte auf das Unternehmen aufmerksam machen.

Einmal vom Boden abheben. Dem Alltag entschweben. Dem Himmel ein Stückchen näher sein. Für Stefan Bettinger gibt es kaum etwas Schöneres. Wenn er mit dem Heißluftballon in die Höhe steigt, genießt er die Freiheit, die Natur und vor allem die Ruhe. „Dort oben gibt es fast keine Geräusche“, schwärmt er. Man höre keinen Motor, keinen Wind – nur die Stimmen der Passagiere. „Das ist einfach schön“, findet der Projektleiter aus Rappweiler.

Vor drei Jahren hat er seine Leidenschaft für die Luftfahrt entdeckt. Damals schenkte er seinem Schwiegervater zum Geburtstag eine Reise mit dem Ballon. „Ich war vorwitzig und habe die Tour vom Boden aus mitverfolgt“, erinnert sich Bettinger. Die ganze Prozedur – von der Planung, über den Aufbau bis hin zur Technik – habe ihn fasziniert. So sehr, dass er selbst den Pilotenschein in Angriff nahm. Er absolvierte 22 Fahrstunden rund um Schweich, durchlief eine zweiwöchige Theorieschulung in Gladbeck und meisterte schließlich die Abschlussprüfung. Im August 2019 durfte Bettinger zum ersten Mal ohne Lehrer abheben. Zur Vollendung des Glücks fehlte jetzt nur noch ein eigener Heißluftballon. Doch der ist nicht gerade günstig. Ein komplettes System koste rund 80 000 Euro. „Hinzukommen jährlich Ausgaben in Höhe von mehreren 1000 Euro für Wartung, Versicherung und Gas“, zählt Bettinger auf. Er suchte daher nach einem Sponsoren. Seine erste Anlaufstelle: das Büro des Chefs. Und der musste nicht lange überlegen.

„Ich fand die Idee, einen Ballon anzuschaffen, um die Präsenz des Unternehmens in der Öffentlichkeit zu steigern, toll“, sagt Marko Türk, Geschäftsführer der Firma A+F Elektro-Technik in Theley. Er hofft, dass durch das Gefährt vor allem potenzielle Fachkräfte auf den Betrieb aufmerksam werden. Es sei heutzutage schwierig, gutes Personal zu finden. Insbesondere talentierte Auszubildende seien rar gesät. „Viele junge Menschen streben einen akademischen Beruf an und wollen studieren. Da gerät das Handwerkliche so ein bisschen in Vergessenheit“, bedauert Türk. Dabei seien die Aufstiegschancen in dem Bereich hoch und Fachpersonal so gefragt wie nie.

Insgesamt 55 Personen arbeiten aktuell für die Firma A+F Elektro-Technik, die nach Angaben des Geschäftsführers zu den größten Elektrobetrieben im Saarland gehört. Sie ist auf die Energieversorgung von Gebäuden in Gewerbe, Industrie und Krankenhäusern spezialisiert. Die Mitarbeiter installieren unter anderem Beleuchtungs- und Netzwerktechnik, aber auch Gefahrenmeldeanlagen. „Das ist ein anspruchsvoller Beruf“, betont die Kaufmännische Leiterin Tanja Pfeiffer. Ihre Erfahrung habe gezeigt, dass gerade Auszubildende mit Hauptschubschluss den Anforderungen in der Berufsschule oft nicht gewachsen seien. „Wir brauchen Leute, die praktisch und theoretisch fit sind“, sagt sie. Pfeiffer hofft, dass der Ballon in Zukunft die Blicke von begabten Schülern auf das Unternehmen lenkt. „Vielleicht kann er ja den ein oder anderen dazu bewegen, sich unser Firmenprofil anzusehen und eine Bewerbung einzureichen“, ist sie zuversichtlich.

Doch das schwarz-gelbe Luftfahrzeug soll nicht nur zu Werbezwecken dienen. Der Geschäftsführer möchte es auch nutzen, um soziale Projekte zu fördern. „Auf unserer Weihnachtsfeier haben wir eine Tombola für die Mitarbeiter veranstaltet. Sie konnten Lose kaufen und unter anderem Fahrten mit dem Ballon gewinnen“, erzählt Türk. Die Firma habe den Erlös verdoppelt und gespendet. Insgesamt 2000 Euro kamen so zusammen. „Wir übergeben das Geld an die Stiftung Kind und Jugend in der Gemeinde Tholey sowie an eine Hilfsorganisation für Obdachlose in Rheinland-Pfalz“, berichtet der Diplom-Betriebswirt stolz.

Marko Türk, Geschäftsführer der Firma A+F Elektro-Technik. Foto: Heike Linnenbach. Foto: Heike Linnenbach
Tanja Pfeiffer, Kaufmännische Leitung der Firma A+F Elektro-Technik. Foto: Heike Linnenbach

Er selbst hat den Heißluftballon übrigens auch schon getestet. Bei der Jungfernfahrt am 30. Dezember ist Türk zum ersten Mal in seinem Leben mit solch einem Gefährt abgehoben. „Die Region, in der man lebt und arbeitet, von oben zu sehen, war klasse“, erzählt er von dem Erlebnis. Die Tour führte von Hüttersdorf bis nach Scheuern – und wie es der Zufall will genau über das Firmengebäude im Theleyer Gewerbepark. „Man kann eine Route zwar mithilfe des Wetterberichtes planen. Aber das angestrebte Ziel auch wirklich zu erreichen, ist wie einen Jackpot zu knacken“, freut sich Bettinger über die gelungene Premiere. Schon bald will er wieder abheben, um die Welt aus der Vogelperspektive zu erkunden und dem Himmel ein Stückchen näher zu sein.