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Sturm "Sabine" in St. Wendel: Brandinspekteur zieht Bilanz

Kostenpflichtiger Inhalt: St. Wendeler Brandinspekteur zieht Bilanz : „Sind mit einem blauen Auge davongekommen“

Umgeknickte Bäume, geschlossene Schulen, beschädigte Dächer — so wütete Sturmtief „Sabine“ im Landkreis St. Wendel.

Was für eine Nacht. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde brauste „Sabine“ von Sonntag auf Montag über die Region hinweg – und hielt die Rettungskräfte in Atem. Auch Kreisbrandinspekteur Dirk Schäfer hat wegen des Sturms kein Auge zugemacht. Von Sonntag 15 Uhr bis Montag 6.30 Uhr verweilte er im Lagezentrum des Landratsamtes. „Von dort haben wir die Einsätze koordiniert und nach ihrer Dringlichkeit sortiert“, berichtet er. Mehr als 50 Mal schrillten die Sirenen im Landkreis St. Wendel. Dennoch ist Schäfer erleichtert: „Wir sind bei dem Durchzug der gefährlichen Kaltfront mit einem blauen Auge davongekommen.“

In den umliegenden Kommunen hätte der Orkan teilweise viel heftiger gewütet. So wurden in Saarbrücken beispielsweise zwei Menschen durch einen umstürzenden Baum schwer verletzt. „Im St. Wendeler Land hingegen ist zum Glück niemand zu Schaden gekommen“, sagt Schäfer. Hier hatten es die Feuerwehren überwiegend mit kleineren Einsätzen zu tun. Umgefallenene Bäume, blockierte Straßen, in Mitleidenschaft gezogene Stromleitungen. Teilweise habe der Wind Dächer leicht abgedeckt und umherfliegende Gegenstände hätten Gebäude beschädigt. In Sötern, Eisen, Kastel und Theley mussten die Einwohner für kurze Zeit ohne Strom auskommen. Und auch auf dem Schaumbergturm gingen laut Schäfer zeitweise die Lichter aus.

Vergleichsweise viel Chaos richtete „Sabine“ in den Gemeinden Marpingen, Tholey, Nonnweiler, Namborn und der Kreisstadt an. „Diese Kommunen haben sich von den anderen abgehoben. Hier mussten die Feuerwehren besonders häufig ausrücken“, hat Schäfer beobachtet. Nicht nur die Orkanböen, sondern auch Starkregen hätte die Retter gefordert. In Tholey beispielsweise war die Metzer Straße überflutet. Zu allem Übel ereigneten sich dann auch noch zwei nicht sturmbedingte Unglücke. In Marpingen kam es zu einem Wasserschaden und in Türkismühle zu einer Ölspur.

Brandinspekteur Schäfer hat festgestellt, dass der Sturm in mehreren Wellen über die Region hinweggefegt ist. Gerade, als die Lagezentren in den einzelnen Kommunen gegen 6.30 Uhr in den Feierabend starten wollten, hätten sich die Einsätze gehäuft. „Erst gegen 10 Uhr beruhigte sich die Lage“, sagt Schäfer. Bis kurz vor 14 Uhr hätten die Retter durchschnaufen können. Danach ging es wieder weiter. So mussten der Löschbezirk Nohfelden in der Straße Vor’m Scheid und der Löschbezirk Dörrenbach auf der B 420 bis in den späten Montagnachmittag Sturmschäden beseitigen.

Während die Feuerwehren mit Aufräumen beschäftigt waren, hatten die Schüler allen Grund zur Freude. Das saarländische Bildungsministerium stellte es Eltern frei, ob sie ihre minderjährigen Kinder zur Schule schickten. Die Schulleitungen durften angesichts der Verhältnisse vor Ort in Abstimmung mit dem jeweiligen Träger entscheiden, ob und in welchem Umfang Unterricht stattfinden konnte. Und so hieß es für etliche Kinder im wahrsten Sinne des Wortes sturmfrei.

Die Bliestalschule in Oberthal und die Änne-Meier-Schule in Baltersweiler blieben beispielsweise komplett geschlossen. „Ansonsten waren zwar alle weiterführenden Schulen im Landkreis St. Wendel geöffnet. Allerdings fand nicht überall Unterricht statt“, berichtet Sprecher Lukas Kowol aus dem Landratsamt. An den Gemeinschaftsschulen in Freisen und Marpingen hätten die Schüler einen entspannten Tag genießen können. Hier gab es zwar ein Betreuungsangebot, jedoch fuhren die Lehrer nicht mit dem Unterrichtsstoff fort.

Ein ähnliches Bild zeichnete sich in den verschiedenen Grundschulen ab. Die Mathe-, Deutsch- und Geschichtsbücher blieben fast überall unbenutzt. Stattdessen überlegten sich die Lehrer ein Alternativprogramm für die Schüler, die nicht zu Hause bleiben durften. Das waren allerdings nur sehr wenige. In der Marpinger Grundschule etwa waren laut eines Verwaltungsspechers lediglich 15 Kinder anwesend. In der Grundschule der Gemeinde Nohfelden war laut Rektor Volker Morbe nur ein Kind zum Unterricht erschienen.

An der Nikolaus-Obertreis-Schule haben 16 Kinder die Betreuung in Anspruch genommen, elf an der Grundschule Bliesen und 35 an der Grundschule in Oberlinxweiler. Kein einziger Schüler war nach Angaben eines Stadt-Sprechers in der Grundschule Niederkirchen erschienen. Sturm „Sabine“ hatte den Unterrichtsplan also kräftig durcheinander gewirbelt. Doch damit ist am Dienstag Schluss. Dann besteht für die Kinder und Jugendlichen wieder wie gewohnt Schulpflicht.

Nicht ganz zum Alltag zurückkehren werden vermutlich die Feuerwehrleute. Brandinspekteur Schäfer rechnet damit, dass der Orkan den Helfern auch in den kommenden Tagen noch einiges an Arbeit bereiten werde. „Allerdings ist eine Flächenlage wie am Sonntag und Montag nicht mehr absehbar“, betont Schäfer. Er freue sich, dass die Zusammenarbeit zwischen den Lagezentren der Kommunen und des Kreises sowie der Leitstelle auf dem Saarbrücker Winterberg reibungslos ablief. Gleiches gelte für das Zusammenspiel mit dem Technischen Hilfswerk, den Baubetriebshöfen und den Verwaltungen. Außerdem lobt der Brandinspekteur die Bürger. „Die Leute haben sich vorbildlich verhalten und die Warnungen erst genommen.“ Lose Gegenstände seien meist ins Haus gestellt und nicht ganz so stabile Dächer gesichert worden. „Das hat uns in die Karten gespielt“, sagt Schäfer.

Obwohl das Schlimmste nun überstanden sei, sollten die Menschen weiterhin wachsam sein. „Achten Sie auf ihr Umfeld, insbesondere in Waldgebieten“, warnt der Brandinspekteur. Bis Mittwoch könnten immer wieder Sturmböen auftreten und bereits geschädigte Bäume jederzeit umstürzen. Bleibt also abzuwarten, ob die kommenden Nächte im Landkreis St. Wendel ruhiger werden – und Brandinspekteur Schäfer dann wieder länger schlafen darf.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sturm „Sabine“ richtet Chaos im Landkreis St. Wendel an