Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt: Landkreis St. Wendel bleibt der sicherste im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Polizeiliche Kriminalstatistik : Das St. Wendeler Land ein Hort der Sicherheit?

Ein Blick in die Kriminalstatistik offenbart eine erfreuliche Entwicklung: Die Zahl der Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken. Allerdings liegt die Aufklärungsquote im Landkreis St. Wendel unter dem Landesdurchschnitt.

Viele Deutsche haben das Gefühl, in gefährlichen Zeiten zu leben. In ihrer Vorstellung gibt es immer mehr Gewalt, mehr Übergriffe, mehr Kriminalität. „Ist ja kein Wunder, bei all den Ausländern“, würden Wutbürger und AfD-Wähler dazu wahrscheinlich sagen. Doch die müssen jetzt ganz tapfer sein. Die Polizeiliche Kriminalstatistik beweist, dass sie – zumindest hierzulande – ihr Gefühl trügt. Denn der Landkreis St. Wendel wird immer sicherer. Die registrierten Straftaten sind im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Insgesamt 3330 Delikte erfasst die Statistik, im Jahr 2017 waren es noch 3349. „Auch bei Betrachtung des Zehn-Jahres-Vergleichs besteht kein Anlass zur Besorgnis“, betont St. Wendels Polizeichef Jörg Valeske. Im Jahr 2018 habe man 222 Fälle unter dem Mittelwert von 3552 Straftaten gelegen. Allerdings weist der Erste Kriminalhauptkommissar auch darauf hin, dass die Statistik nicht exakt die Realität abbilde. „Sie erfasst nur die Straftaten, die polizeilich bekannt wurden“, erklärt er.

Insgesamt hat die Polizei im Saarland im vergangenen Jahr 70 873 Straftaten registriert. Lediglich knapp fünf Prozent davon entfallen auf den Landkreis St. Wendel. Der bleibt damit der sicherste im kleinsten Flächen-Bundesland. Auf Platz zwei landet Merzig-Wadern (sieben Prozent), gefolgt vom Saarpfalz Kreis (zehn Prozent). Trauriger Spitzenreiter in Sachen Kriminalität ist der Regionalverband Saarbrücken. Dort ereigneten sich 45 Prozent aller Straftaten. „Wir schneiden in dem Vergleich gut ab“, resümiert Valeske. Und noch eine gute Nachricht gibt es zu verkünden: Oberthal hat wieder Position 52 von 52 Kommunen belegt, was die Anzahl der Straftaten pro Kopf angeht – und somit seinen Titel als sicherste Gemeinde im Saarland verteidigen können. Es folgen Marpingen (Position 51) und Namborn (50). Im unteren Drittel sind auch Tholey (44), Freisen (41) und Nonnweiler (39) zu finden. Lediglich St. Wendel (13) und Nohfelden (26) schneiden nicht ganz so gut ab. Die Dienststelle in St. Wendel sei personell gut aufgestellt, was auch an der hier stationierten Operativen Einheit liege. „Wir haben daher die Möglichkeit, auch außerhalb der Kreisstadt Präsenz zu zeigen“, erläutert der Polizeichef.

Weniger erfreut ist er hingegen beim Blick auf die Aufklärungsquote. Denn die liegt mit 50,7 Prozent unter dem Landesdurchschnitt von 56,1 Prozent. „Wir hatten im Übergang des Jahres 2018 zum Jahr 2019 eine Einbruch-Serie in Schulen und das Finanzamt“, erinnert sich Rüdiger Ames, Chef des Kriminaldienstes St. Wendel. Viele dieser Einbrüche seien in der Statistik von 2018 registriert. Die Aufklärung schlage sich allerdings erst in der Statistik von 2019 nieder. Der Rückgang in der Aufklärungsquote habe daher nichts mit der Qualität der Ermittlungen zu tun, sondern erkläre sich dadurch, dass die Kriminalstatistik eine Jahresausgangsstatistik sei. Verfahren mit langer Ermittlungsdauer könnten die Aktualität des Zahlenwerks beeinflussen. „Eine Steigerung der Aufklärungsquote ist daher zu erwarten. Die Klärung von Taten ist die Motivation eines jeden Ermittlers“, kündigt Valeske an.

Im Alltag haben es die Polizisten meist mit Diebstahldelikten zu tun. Die machen 33 Prozent aller Straftaten im St. Wendeler Land aus, 1094 Diebstähle sind in dem Zahlenwerk erfasst. Außerdem beschäftigten sich die Ermittler beispielsweise mit Körperverletzung (378 Fälle), Nötigung (56) und Bedrohung (53). Es gab im vergangenen Jahr zudem 39 Straftaten gegen die sexuelle Bestimmung und 607 Vermögens- und Fälschungsdelikte. In Sachen Mord und Totschlag mussten die Beamten der St. Wendeler Inspektion nicht tätig werden. Allerdings fünf Mal wegen Raubes.

Ein Dauerthema für die Polizisten sind Wohnungseinbrüche. Davon gab es im vergangenen Jahr 70. Im Vergleich: 2014 waren es 102 und 2015 gar 104 erfasste Einbrüche. „Das war die Hochzeit. Nicht nur im Kreis St. Wendel, sondern landesweit“, weiß Ames. Bei den Tätern habe es sich damals um bundesweit organisierte Banden gehandelt. Die Einbruchswelle sei auch Anlass gewesen, die Kriminalitätsbekämpfung für diesen Deliktsbereich neu zu organisieren. In drei Dienststellen (Neunkirchen, Saarbrücken und Saarlouis) sind seither spezialisierte Sachbearbeiter für die Bearbeitung von Wohnungseinbrüchen zuständig. Und ihre Arbeit trägt Früchte, wie ein Blick auf die Entwicklung in den vergangenen vier Jahren zeigt.

Immer wieder werden Polizisten auch selbst Opfer von Gewalt. Zwölf Mal wurden sie im Jahr 2018 angriffen. „Das ist ein gravierendes Problem“, betont Ames. Das Verhalten gegenüber den Beamten werde immer aggressiver und respektloser. Um dem entgegenzuwirken, setzt die St. Wendeler Polizei bereits Bodycams ein. „Die Kameras schrecken ab und machen die Situation für uns nachvollziehbarer“, erläutert Valeske. Drei Dienststellen im Saarland würden zurzeit außerdem Distanzelektroimpulsgeräte, sogenannte Taser, testen.

Delikte_im_Landkreis_St._Wendel. Foto: SZ/Steffen, Michael
Jörg Valeske, Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter der Polizeiinspektion St. Wendel. Foto: Valeske/Polizei

Die meisten Straftaten im Landkreis St. Wendel gingen im Jahr 2018 übrigens auf die Kappe von Erwachsenen (1064 Tatverdächtige). Zudem wurden 47 Kinder, 138 Jugendliche und 135 Heranwachsende bei Verbrechen und Vergehen erwischt. 1384 Tatverdächtige sind demnach insgesamt in der Statistik registriert. Die unterscheidet auch zwischen deutschen und nichtdeutschen Kriminellen. Eine Zahl, die in Zeiten eines erstarkenden Rechtspopulismus besonders interessant sein dürfte. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger – sprich Personen ausländischer oder mit ungeklärter Staatsangehörigkeit sowie Staatenlose – beträgt im Landkreis St. Wendel 14,9 Prozent (206 Tatverdächtige). „Das ist ein Wert, der uns nicht kritisch stimmt“, stellt Valeske klar. Vor allem, weil das St. Wendeler Land in diesem Punkt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Deutschlandweit wurden im vergangenen Jahr 2 051 266 Tatverdächtige registriert, davon 708 380 nichtdeutsche (34,5 Prozent).

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