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15 Corona-Patienten im Landkreis St. Wendel

Kostenpflichtiger Inhalt: Entwicklung am Wochenende : 15 Corona-Patienten im Landkreis St. Wendel

Über das Wochenende hat sich in Sachen Covid-19 einiges in der Region getan. Die Saarbrücker Zeitung gibt einen Überblick.

Die Nachrichtenlage ändert sich gefühlt stündlich. Seit das Coronavirus das Saarland erreicht hat, überschlagen sich die Ereignisse. Auch im Landkreis St. Wendel kommen täglich neue Infizierte hinzu. Die Krisenstäbe treffen sich regelmäßig sich und aktualisieren ihre Notfallpläne. Behörden geben immer wieder neue Reglungen bekannt, mit denen sie die Ausbreitung von Covid-19 eindämmen möchten. Hier ein Überblick der Entwicklungen vom Wochenende.

Gestiegene Fallzahlen Mittlerweile sind 15 Corona-Fälle im Landkreis St. Wendel bestätigt (Stand: 15. März, 18 Uhr). Davon leben fünf in der Gemeinde Namborn, vier in der Kreisstadt, einer in der Gemeinde Freisen und fünf in der Gemeinde Oberthal. Bei elf der Patienten handelt es sich um Rückkehrer aus dem Skiurlaub in Österreich oder Südtirol. Die restlichen vier Erkrankten haben sich wahrscheinlich bei diesen Rückkehrern angesteckt. „Allen betroffenen Personen wurde umgehend häusliche Quarantäne angeordnet. Das Gesundheitsamt ermittelt ihre Kontakte“, weiß Lukas Kowol, Sprecher des Landkreises St. Wendel. Den Patienten gehe es den Umständen entsprechend gut. Sie würden leichte Symptome zeigen. Die Zahl der Infizierten in der Region hat sich somit innerhalb von fünf Tagen beinahe verdoppelt. Die ersten acht Fälle sind am Mittwoch, 11. März, bekannt geworden.

Infizierte Ärztin Das neuartige Coronavirus ist auch bei einer Mitarbeiterin des Marienkrankenhauses St. Wendel (MKH) nachgewiesen worden. Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung handelt es sich bei der betroffenen Person um eine Ärztin, die gewöhnlich im Bereich der Anästhesiemedizin arbeite. Sie wohnt in Neunkirchen.

In einer gemeinsamen Erklärungen haben Landrat Udo Recktenwald (CDU), Bürgermeister Peter Klär (CDU) und die Verantwortlichen des Marienkrankenhauses St. Wendel sich zu dem Fall geäußert. Darin ist zu lesen, dass die „betroffene Person in einem Gebiet in Urlaub war, das erst nach ihrer Rückkehr als Risikogebiet deklariert wurde“. Sie zeige aktuell keine Symptome und befinde sich in häuslicher Quarantäne. Die Person habe Kontakt mit mehreren Mitarbeitern des Hauses gehabt. Das MKH habe in Absprache mit dem St. Wendeler Gesundheitsamt sowie der Kreisstadt sofort alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um Mitarbeiter und Patienten zu schützen und die medizinische Kapazität zu erhalten. „Damit folgt das MKH einem bereits an anderen Krankenhäusern erfolgreich praktizierten Modell“, heißt es in der Erklärung weiter. Alle Mitarbeiter, die Kontakt mit der Infizierten hatten, würden während ihres Dienstes besonders effektive FFP2-Masken tragen und ein Symptom-Tagebuch führen. „An jedem Arbeitstag erfolgt eine Abstrichuntersuchung auf CoV2. Zusätzlich werden sie engmaschig vom Betriebsarzt überwacht“, ist in der Erklärung zu lesen. Bei geringsten Symptomen seien die Mitarbeiter angewiesen, zu Hause zu bleiben. Auch das Marienkrankenhaus halte sich weiterhin strikt an die offiziellen Vorgaben zur Prävention und zum Umgang mit CoV2-Patienten und Kontaktpersonen.

„Dank des schnellen und konsequenten Handelns direkt nach der Bestätigung des positiven Testergebnisses sind Krankenhaus, Landkreis und Kreisstadt davon überzeugt, das Risiko einer weiteren Verbreitung des Virus durch die betroffene Person minimiert zu haben“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Das Gesundheitsamt verfahre dabei in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium und dem Robert-Koch-Institut.

Mobiles Test-Team Der mobile Ärztedienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist im Saarland wegen der gestiegenen Fallzahlen an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Ab Dienstag wird er daher durch drei neue Entnahmestellen ersetzt. In Dillingen, Saarbrücken und Neunkirchen können sich die Menschen dann auf den Coronavirus testen lassen (wir berichteten). Auch die Hausärzte im Landkreis St. Wendel werden ihre Patienten künftig an diese Stationen verweisen. „Aber wir haben zusätzlich noch unser eigenes System“, berichtet Kreisbrandinspekteur Dirk Schäfer.

Parallel zum mobilen Ärztedienst der KV hat der Landkreis St. Wendel – laut Schäfer als einziger im Saarland – ein eigenes mobiles Test-Team ins Leben gerufen. „Wir haben festgestellt, dass der Ärztedienst mit den Proben kaum noch nachkommt. Daher haben wir uns selbst eine Möglichkeit geschaffen, das Test-Tempo zu beschleunigen“, erläutert er. Man habe ein Team aus Freiwilligen zusammengestellt, die verschiedenen Hilfsorganisationen angehören. Diese müssten mindestens eine Sanitäter-Ausbildung abgeschlossen haben. „Zusätzlich haben Mitarbeiter des Gesundheitsamtes die Helfer noch geschult“, sagt Schäfer. Das mobile Team des Landkreises St. Wendel bekommt täglich eine Liste mit Personen, die getestet werden müssen. „Es ist mit einem Auto unterwegs, arbeitet diese Liste ab und bringt die Proben danach in die Virologie des Uni-Klinikums in Homburg“, erklärt der Kreisbrandinspekteur den Ablauf.

Das mobile Team ist seit dem 11. März im St. Wendeler Land unterwegs. Angefangen habe man mit einer dreiköpfigen Mannschaft. Allerdings würden sich immer mehr Ehrenamtliche melden, die das Team unterstützen wollen. Es arbeite in erster Linie die möglichen Fälle ab, die über das St. Wendeler Gesundheitsamt eingehen. Hausärzte würden ihre Patienten an die Entnahmezentren verweisen. „Wenn allerdings eine ältere Person, die selbst nicht mehr Auto fahren kann, Symptome zeigt. Dann kann sich der Hausarzt auch an uns wenden und wir werden unser Team zu dieser Person rausschicken“, sagt Schäfer.

Landkreis rüstet auf Der operativ-taktische Stab des Landkreises St. Wendel hat seine Arbeit aufgenommen und ist am Freitagabend erstmals zusammengekommen. Er setze sich aus Mitgliedern verschiedener Hilfsorganisationen, der Polizei und der Bundeswehr zusammen. Sie seien speziell für den Umgang mit Notlagen und Krisensituationen geschult. Wie Kreisbrandinspekteur Schäfer erläutert, kümmere sich der Stab um die praktische Umsetzung von dem, was die Verwaltung beschließt. In der ersten Sitzung hätten die Mitglieder eine Lage-Einweisung erhalten. Außerdem seien die Sachgebiete Personal und Versorgung bereits aktiviert und mit den entsprechenden Fachberatern besetzt worden.

Der operativ-taktische Stab ist die Ergänzung zum „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ (SAE). Den hatte Landrat Udo Recktenwald (CDU) bereits vor etwa zwei Wochen einberufen (wir berichteten), um auf Coronavirus-Fälle im Landkreis St. Wendel bestmöglich vorbereitet zu sein. Der SAE setzt sich unter anderem aus Vertretern der Verwaltung, Fachberatern, der Polizei und des Marienkrankenhauses St. Wendel zusammen. Er legt in enger Abstimmung mit den Kommunen, weiteren Einrichtungen wie dem saarländischen Gesundheits- und Bildungsministerium und der Uni-Klinik Homburg regelmäßig Ablaufszenarien sowie Handlungspläne fest.

Gruppe aus Österreich 70 Skifahrer sind am späten Sonntagnachmittag aus dem Urlaub in Montafon (Österreich) zurückgekehrt. Ihr Weg führte sie direkt zum Gesundheitsamt in St. Wendel. Wer Symptome zeigte, wurde dort auf Covid-19 getestet. Die Helfer entnahmen die Proben in einem Zelt, das die Feuerwehr am Donnerstag neben dem Gebäude aufgebaut hatte (wir berichteten). Wie viele Personen Proben abgegeben haben, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. Die ersten Ergebnisse werden am heutigen Montag erwartet. „Wir haben den Getesteten empfohlen, bis dahin zu Hause zu bleiben“, sagt Landrat Recktenwald.

Wie die Menschen im Landkreis St. Wendel das erste Wochenende im Zeichen von Corona verbracht haben, zeigen die Fotos auf Seite C2.