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Saarlouis eröffnet auf Ford-Parkplatz Corona-Drive-In-Teststrecke

Kostenpflichtiger Inhalt: Drive-In-Teststrecke : „Fahr rein“ in Saarlouis zum Test auf die Corona-Infektion

Die sogenannte Drive-In-Teststation auf dem Ford-Parkplatz in Saarlouis ist am Dienstagmorgen in Betrieb gegangen.

An die 80 Autos stehen am frühen Dienstagmorgen noch vor Öffnung des Corona-Drive-In in Wartestellung. „Die ersten kamen schon um viertel vor neun“, sagt Joachim Breunig vom Landratsamt Saarlouis auf dem Parkplatz vor Tor 1 des Fordwerkes. An der Einfahrt zum Drive-In steht eine Frau. Kaum zu erkennen im blauen Schutzanzug, die Augen hinter einer rundum verschlossenen Kunststoffbrille, darunter ein weißer professioneller Mundschutz. „Das ist jetzt nicht so schlimm“, sagt sie locker. „Ich bin bei der Bundeswehr. Nur die Brille drückt ein bisschen, und manchmal beschlägt sie wegen des Mundschutzes.“

Sie prüft die ankommenden Insassen auf ärztliche Überweisungen. Ohne die kein Test. Insgesamt vier Personen werden deshalb am Dienstag abgewiesen. Im Einsatz sind weitere Soldaten der Bundeswehr in Tarnuniform, Polizei in dunkelblauen Uniformen, Rot-Kreuz-Helfer in leuchtend roten Signalwesten, Security in Schwarz und Mitarbeiter des Landkreises in Zivil. Sie regeln den reibungslosen Ablauf am ersten Tag der Saarlouiser Drive-In-Station. Im Laufe des Vormittags passen sie unter anderem Absperrgitter an das hohe Fahrzeugaufkommen an, ersetzen einen ausgefallenen Drucker und ordern weitere Teststäbchen.

Um zehn Uhr geht es mit den Abstrichen los. Die Wagen fahren im Schritttempo vor, zwei Soldatinnen regeln die Einfahrt zur eigentlichen Teststation im Innern des Zeltes. Auf den Nummernschildern sind alle Landkreise des Saarlandes vertreten. Auffallend viele aus Saarbrücken und Merzig. Für die Abstriche vom Rachenraum steht an der ersten Station Dr. Helga Lachiheb von der Kassenärztlichen Vereinigung des Saarlandes (KV) bereit. In blauem Schutzanzug, mit Gummihandschuhen, Mundschutz und Schutzbrille. Ebenso ihr Helfer. „Pro Test wird das etwa ein bis zwei Minuten dauern“, schätzt sie zu Beginn. „Bei den ersten geht es etwas langsamer, da müssen wir uns noch einspielen.“

Dann läuft alles wie ein Uhrwerk ab. In kurzen Abständen fahren die Patienten vor, die Abstriche werden gemacht und einzeln verpackt, dann kommen schon die nächsten. Trotzdem stauen sich gegen elf Uhr die Fahrzeuge auf der Zufahrtsstraße über einige hundert Meter hinweg. Die zweite von insgesamt drei Teststationen wird geöffnet. Dort arbeiten nun ebenfalls ein Arzt und ein Helfer. Nach und nach baut sich der Rückstau ab.

Dr. Helga Lachiheb nimmt einen Abstrich für den Corona-Test. Foto: az

In den Autos sitzen überwiegend nur die Fahrer, in einigen Fällen auch Paare und drei- bis vierköpfige Familien. Nicht alle Insassen werden getestet. Mal ist es nur die Person auf dem Beifahrer- oder Rücksitz, mal sind es nur die Fahrer, mal Fahrer und Beifahrerin. Einer fragt, ob eine Verwechslung der Tests auszuschließen ist.

Dr. Lachiheb erklärt ihm den Ablauf. Die Tests kommen in Röhrchen und werden mit dem Datenblatt eingetütet. Durch Aufkleber mit Barcodes lässt sich alles eindeutig zuordnen. Später kommt Dr. Joachim Meiser vom Vorstand der KV vorbei und bringt weitere Testsets mit. „Das sind bis jetzt rund 200 Abstriche“, schätzt er für die beiden Stationen im Zelt. „In den Boxen sind noch jeweils etwa 50. Das könnten heute an die 300 Tests werden.“

Die Station Saarlouis ist seiner Information nach die am stärksten genutzte von drei saarländischen Drive-In-Stationen am Dienstag. „Morgen kommen weitere drei hinzu. Dann wird sich das wohl entzerren“, vermutet er angesichts der Kennzeichen-Vielfalt am Saarlouiser Standort. „Wir könnten innerhalb zwei bis drei Tagen die Tests auf um die 9000 pro Tag erhöhen“, sagt Meiser. Aber das wäre weit über den gegenwärtigen Labor-Kapazitäten des Saarlandes. Was da künftig noch zu tun sei, das dürften die nächsten Tage zeigen.

Vier Wochen sind schon mal geplant

„Wir machen noch mindestens vier Wochen weiter“, sagt später Landrat Patrik Lauer. „So lange haben wir den Parkplatz.“ Danach plane Ford wieder die Produktion aufzunehmen. Es gehe darum, „möglichst viele Tests zu machen, das fordert auch die Weltgesundheitsorganisation“. Und „der Bedarf ist da“. Hintergrund ist auch, dass die Fachleute hoffen, mit möglichst vielen Ergebnissen die reale Situation und Entwicklung besser einschätzen zu können. Als Grundlage für politische Entscheidungen.

Gegen 14 Uhr rollt am Dienstag das letzte Fahrzeug zur Teststation. Am Ende der vierstündigen Probenahmen stehen 257 Abstriche auf der Liste, bei zwei geöffneten Stationen. In der Planung sind die für insgesamt bis zu 400 Tests ausgelegt, bei drei Stationen wären es rund 600.

Wie geht es danach für getestete Personen weiter? Die Auswertung der Abstriche kann 24 bis 48 Stunden dauern. Laut Pressestelle des Landratsamtes Saarlouis werden positiv getestete Menschen direkt über das Gesundheitsamt informiert. Dem werden wegen der Meldepflicht nur die positiven Ergebnisse übermittelt. Die Hausärzte hingegen erhalten sowohl positive als auch negative Ergebnisse. Wenn also getestete Personen nicht innerhalb von zwei bis drei Tagen durch das Gesundheitsamt kontaktiert werden, teilt das Landratsamt mit, sollen sie sich wegen des Ergebnisses an ihren Hausarzt wenden.