Festungstage in Saarlouis zur Geschichte der Stadt

Kostenpflichtiger Inhalt: Festungstage : Saarlouis entwickelte Fürsorge für Bewohner

Bei den Saarlouiser Festungstagen zeichnet Benedikt Loew die Entwicklungsphasen der Festungsstadt hin zur sozialen Kreisstadt nach.

Eine Festungsstadt funktioniert nicht nur rein militärisch. Ab 1680 entwickelte sich in Saarlouis auch eine vielfältige Fürsorge für seine Bewohner. Über wesentliche Einrichtungen sprach Benedikt Loew am Samstag im Theater am Ring bei den 7. Saarlouiser Festungstagen. Loew, Leiter des Städtischen Museums und Begründer der Festungstage, wagte mit dem Thema den großen Überblick von der Stadtgründung 1680 bis zur Entfestigung ab 1890.

Schon die Planer Vauban und de Choisy berücksichtigten wesentliche Elemente, wie Kirche und Militärkrankenhaus, sagte Loew. Vieles, was Saarlouis erst noch aufbauen musste, war in der Vorgängerstadt Wallerfangen über Jahrhunderte gewachsen. Wie Zünfte, ein ziviles Krankenhaus und Hilfe für Arme. Dies wurde in Teilen übernommen, nachdem die alte lothringische Verwaltungsstadt 1687/88 niedergelegt und Baumaterial sowie Einwohner nach Saarlouis geschafft wurden. Dazu gehörte beispielsweise auch die Verlegung von Klöstern der Augustiner und Kapuziner. Die betrieben neben Seelsorge auch Krankenpflege und Schulunterricht.

Vor der Französischen Revolution waren innerhalb der Festung ständig etwa 20 Geistliche tätig. Mit der Französischen Revolution verschwanden diese aus Saarlouis. Von Beginn an kümmerte sich die Garnison um Kranke und Verwundete und um die Pflege von Friedhöfen. Dafür gab es ab dem Jahr 1683 in der deutsch sprechenden Zivilgemeinde französisch sprechende Franziskaner-Pater. Dies „hat sicher auch politische Gründe“, mutmaßte Benedikt Loew. Erst mit den Preußen kamen ab 1815 Protestanten in die Stadt. Sie machten im 19. Jahrhundert weniger als zehn Prozent der Zivilbevölkerung aus. Doch in der Garnison bildeten sie die Mehrheit. 1822 entstand mit dem Neubau der Garnisonskirche ein protestantisches Gotteshaus. Die jüdischen Einwohner hatten ab 1828 eine Synagoge in der Stadt.

Was die Stadtverwaltung als Zivilgemeinde leistete, war vor allem Kinderbetreuung, Schule und Bildung, Armenfürsorge, Krankenversorgung und Friedhofswesen. Außerdem stellte sie Gebäude zur Verfügung. Beispielsweise ein Pfarrhaus hinter der Ludwigskirche und das erste städtische Hospital in der Bierstraße. Das übernahmen 1810 die Borromäerinnen. Die sorgten auch für schulische Ausbildung vor allem für Mädchen sowie Kinder armer Familien. Mit den Preußen kam dann die Schulpflicht nach Saarlouis. Neben privaten Schulen gab es nun drei öffentliche Elementarschulen. Sie waren Vorläufer der späteren Volksschule und getrennt für Mädchen, Knaben und arme Kinder. Dazu kam ein dreiklassiges Progymnasium. Diese Schulen waren katholisch. Protestantische Kinder bekamen 1817 eine Garnisons- und Zivilschule im Pavillon der Kaserne 1. Jüdische Kinder gingen ab 1828 in eine eigene Elementarschule.

Das alte städtische Hospital in Saarlouis von 1841. Foto: Johannes A. Bodwing

Von 1841 an befand sich das städtische Hospital an der Ecke Stiftstraße-Augustiner Straße auf dem Gelände der ehemaligen Augustinerkirche. Ein Militärhospital hingegen war bereits zwischen 1685 und 1690 entstanden. Das stand außerhalb der Mauern im Bereich des heutigen Stadtgartengymnasiums, um die Ausbreitung ansteckender Krankheiten zu verhindern. Ein Bericht von 1777 gibt 223 Betten mit Matratzen an. Die Nutzung als Militärhospital dauerte mit kurzer Unterbrechung bis 1927.

Fürsorge galt auch den Toten, erklärte Loew. Für die gab es in der Festung Saarlouis insgesamt neun Bestattungsplätze. Ein erster Friedhof wurde 1685 angelegt, grob gesehen im Bereich der heutigen Stadtwerke Saarlouis. Im selben Jahr fanden erste Bestattungen in der Ludwigskirche statt. Ein Garnisonsfriedhof entstand ab 1773 etwa 300 Meter vor dem Französischen Tor, heute als Alter Friedhof bekannt. Ab 1859 ging er in städtischen Besitz über. Anfangs war er ein rein katholischer Friedhof. Protestanten wurden seit 1816 auf dem provisorischen „Gräberglacis“ beigesetzt, grob etwa im Bereich der städtischen Klinik. Ab 1825 auch auf dem Garnisonsfriedhof. Aber eine Mauer trennte zeitweise beide Konfessionen.

Die Fürsorge in Saarlouis wurde getragen von Kirche, Staat und Privatleuten, fasste Benedikt Loew zusammen. Ihre Tätigkeiten überschnitten sich vielfach. Davon profitierten sowohl Soldaten als auch zivile Einwohner.

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