Annette Weyand aus Körprich sammelt Brillen für Arfika

Kostenpflichtiger Inhalt: Partnerschaft mit Afrika : Ein großes Herz für Afrika

Aus der privaten Hilfsaktion der Nalbacherin Annette Weyand wurde eine nachhaltige Partnerschaft.

. Annette Weyand hat ein großes Herz für Afrika. Seit Jahren sammelt die 56-jährige selbstständige Maßschneiderin gebrauchte Brillen für bedürftige Menschen an der Elfenbeinküste. Aus der anfänglich privaten Hilfsaktion „Meine Brille für Afrika“ entwickelt sich nun eine nachhaltige Partnerschaft zwischen der Gemeinde Nalbach und der ivorischen Kommune Assié-Koumassi.

Kurz vor ihrer Abreise überreichte eine Abordnung der Kirchengemeinde von Azaguié Annette Weyand ein traditionelles Kleid mit Tasche als Abschiedsgeschenk. Foto: Annette Weyand

Jedes Jahr fliegt die Körpricherin im Spätsommer auf eigene Kosten in das westafrikanische Land und verschenkt die gesammelten Brillen persönlich vor Ort. „Ich bin immer gerührt, wie dankbar die Menschen dort sind und auch von dem Glanz in ihren Augen, wenn sie sich mit der geschenkten Brille von mir verabschieden“, erzählt Weyand. An der Elfenbeinküste leben 25 Millionen Menschen. Fast die Hälfte davon verfügt nur über ein Jahreseinkommen von weniger als 250 Euro und gilt als arm. „Vor allem auf dem Land lebt die Bevölkerung sehr bescheiden ohne Komfort und muss hart arbeiten, um den Alltag zu bewältigen“, sagt Weyand.

Annette Weyand war gerührt vom praktischen Abschiedsgeschenk der Kirchengemeinde Azaguié, einem traditionellen afrikanischen Kleid. Foto: Annette Weyand. Foto: Annette Weyand

150 Brillen, alle vom Nalbacher Optiker Matthias Dörr vermessen und beschriftet, hatte die Körpricherin während ihres letzten Aufenthaltes im August wieder im Gepäck. „Neue Brillen sind in dem Land sehr teuer, weshalb die Menschen häufig ein Gestell mit nur einem Glas kaufen können“, erzählt Weyand. Umso dankbarer seien die Beschenkten über die gebrauchten Brillen aus Deutschland.

Bürgermeister Peter Lehnert freut sich über ein Geschenk aus Afrika: Annette Weyand überreichte ihm traditionelle Kleider im Auftrag  des Sous-Präfekten von Assié-Koumassi. Foto: Dieter Lorig

Während ihres Aufenthaltes an der Elfenbeinküste war die Körpricherin Gast im Haushalt von Olivier Kouadio in Azaguié, etwa 40 Kilometer nördlich von Abdidjan. Der Lehrer war 2016 auf Einladung von Christine Sinnwell-Backes, der Leiterin der Lese-Schreibwerkstatt, erstmals zu Besuch in Nalbach. Damals warb er für eigene Hilfsprojekte zugunsten seiner Heimatregion und suchte nach Möglichkeiten einer Kooperation. „Daraus hat sich nun mit Annette Weyand als engagierter Koordinatorin eine richtige Freundschaft entwickelt“, erzählt Sinnwell-Backes.

Das private Engagement der beiden Frauen kommt auch der Gemeinde Nalbach sehr gelegen. „Im Rahmen unseres Projektes „Nalbach nachhaltig“ haben wir uns dazu verpflichtet, eine Nord-Süd-Partnerschaft einzugehen“, sagt Bürgermeister Peter Lehnert. So sei es ein Glücksfall, dass Weyand durch ihre Hilfsaktion bereits vielfältige Erfahrungen an der Elfenbeinküste gesammelt habe. „Darauf bauen wir auf und wollen die Partnerschaft ausbauen“, sagt Lehnert.

So hat Weyand nach ihrem letzten Besuch bereits viele Vorschläge gemacht, wie den Menschen in dem westafrikanischen Land geholfen werden könne: „Es geht um die Verbesserung der Wasserversorgung, der hygienischen Zustände in einem Krankenhaus, um die Bildung von Kindern, aber auch um die Verarbeitung und Vermarktung von Maniok. Zudem werde Know-how gebraucht für den Aufbau einer kleinen lokalen Radiostation. „Um Details für die weitere Zusammenarbeit zu klären, werden wir im Frühjahr 2020 ein fünfköpfiges Komitee von der Elfenbeinküste zu uns einladen“, bestätigt Bürgermeister Lehnert.

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