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Schüler vom Johannes Kepler Gymnasium Lebach müssen nach Klassenfahrt in Südtirol wegen Coronavirus in Quarantäne

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach Klassenfahrt in Südtirol : 70 Schüler aus Lebach sollen wegen Coronavirus in Quarantäne

Die zehnte Klassenstufe des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Lebach war am 5. März zu einer Klassenfahrt nach Südtirol aufgebrochen. Von dort sollen sie jetzt schnellstmöglich zurückgeholt werden.

Wie Lara Clanget, die Pressesprecherin vom Landkreis Saarlouis, der für das Kreisgesundheitsamt zuständig ist, bestätigte, sollen die Jugendlichen statt wie geplant am Freitag, jetzt schnellstmöglich nach Hause geholt werden. Begonnen hatte die Klassenfahrt am 5. März. Noch am selben Abend erklärte das Robert Koch Institut Südtirol zum Risikogebiet. Das Auswärtige Amt aktualisierte seine Reise- und Sicherheitshinweise am Folgetag und riet davon ab, Reisen nach Südtirol zu unternehmen. Die italienische Region meldete bis dahin vier infizierte Personen. In Italien gibt es mittlerweile über 9000 Infizierte, das gesamte Land gilt als Risikogebiet.

Nach der Rückkehr sollen alle Schüler und Lehrer in der Keplerhalle des Gymnasiums untersucht und getestet werden. Dabei soll auch ein Abstrich zum Test auf das Coronavirus gemacht werden. „Als Schulträger wollen wir die Kinder schützen und hinsichtlich möglicher Infektionen auf Nummer sicher gehen. Unser Gesundheitsamt wird die Reiserückkehrer deshalb in eine freiwillige Quarantäne schicken, das heißt die betroffenen Personen sollen nach Möglichkeit 14 Tage zu Hause bleiben, soziale Kontakte nach Möglichkeit auf ein Mindestmaß reduzieren, die Hygienehinweise beachten und die Husten- und Niesetikette einhalten“, teilt die Pressestelle mit. Die Testergebnisse sollen dann ein bis zwei Tage später vorliegen. Zu Personen mit Vorerkrankungen oder älteren Personen im gleichen Haushalt sollen die Schüler genügend Abstand halten und sich an alle vorgegebenen Hygeniemaßnahmen halten. Über mögliche weitere Quarantänemaßnahmen soll vor Ort entschieden werden, wenn das Gesundheitsamt die Schüler und Lehrer untersucht.

Wie die Mutter einer mitgereisten Schülerin der SZ mitteilt, haben anscheinend einige der Jugendlichen leichte Grippesymptome. In WhatsApp-Nachrichten, die der SZ vorliegen, ist die Rede von „Husten“ und „Kratzen im Hals“. Die Eltern der Kinder sollen über die weitere Vorgehensweise noch informiert werden. Aktuell sind bereits Busse unterwegs, um die Klassenstufe abzuholen. Das teilte Clanget am Dienstagnachmittag mit. Am Mittwoch (11. März) sollen die Jugendlichen samt Lehrer dann Richtung Deutschland starten können. Wann sie genau ankommen werden, ist allerdings noch unklar. Österreich hat am heutigen Dienstag die Einreise für Menschen aus Italien extrem erschwert, für die Schüler könnte also ein Umweg anstehen.

70 Schüler und acht Lehrer traten die Klassenfahrt laut dem Schulleiter des Johannes-Kepler-Gymnasiums (JKG), Hans Herrmann, an. Am 28. Februar hatten die Eltern der Jugendlichen des JKGs einen Brief von der Schule erhalten, in dem die Eltern darauf hingewiesen wurden, dass die Fahrt wie geplant stattfinden wird (Brief liegt der SZ vor). Darin heißt es, dass die Fahrt nur bei einem Einreiseverbot nach Italien, einer Quarantäne des besuchten Ortes oder einer Warnung des Auswärtigen Amtes abgesagt werden würde. Eine Absage oder Nichtteilnahme führe zum Verlust der Reisekosten. Da das Ziel abseits der Touristenhochburgen liege und die Schüler die einzige Gästegruppe in der Unterkunft seien, sei die Gefahr mit Corona-Infizierten „in Kontakt zu geraten, ausgesprochen gering“.

Einige Eltern waren dennoch besorgt. Laut der Aussage einer Mutter wendeten sich deswegen mehrere Eltern an das Ministerium und das Gesundheitsamt, telefonisch und schriftlich, und baten darum, die Klassenfahrt zu untersagen. Von offizieller Seite hätten sie allerdings keine Antwort bekommen.

Laut Clanget haben die zuständigen Behörden in Saarlouis von der Klassenfahrt erst erfahren, als die Schüler schon vor Ort in Südtirol waren. Die Entscheidung, die Fahrt abzusagen, hätte zu dem Zeitpunkt bei der Schule gelegen. Auch Regierungssprecher Alexander Zeyer äußerte sich in der Landespressekonferenz zu Klassenfahrten in Risikogebiete: „Schülerinnen und Schüler, die sich derzeit auf Klassenfahrt befinden und sich derzeit in einem Krisengebiet befinden, werden so schnell wie möglich nach Hause geholt. Die dann zu veranlassenden Quarantänemaßnahmen, werden durch das Gesundheitsamt vor Ort, der betroffenen Schulen und das Gesundheitsministerium geprüft und dementsprechend veranlasst.“