1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Lebach

Aus für das Krankenhaus Lebach: Ein schwarzer Freitag für viele

Kostenpflichtiger Inhalt: Krankenhaus Lebach : Der Tag, an dem die Zukunft endet

Das bevorstehende Aus des Lebacher Krankenhauses erschüttert Mitarbeiter, Patienten und Angehörige.

Ein Tag, der wie jeder andere begann und doch ganz anders wurde. Dunkle schwere Wolken verhängen an diesem Freitag den Himmel über Lebach. Kalter Nieselregen fällt auf den Klinikbau des Krankenhauses. Als Cornelia Endres an diesem Freitag, wie all die Jahre zuvor, das Krankenhaus betritt, ahnt sie nicht, dass ihr Weg zur Arbeit demnächst ein anderer sein könnte. Seit 29 Jahren ist sie Krankenschwester. „Ich habe schon viele Tiefen und Höhen in den Jahren erlebt“, sagt sie.

Doch das Tief dieses Tages wird das tiefste berufliche Tief. 29 Jahre Engagement und Hilfeleistung als Krankenschwester sollen ein jähes Ende finden. Gegen Mittag schlägt die Nachricht von der drohenden Schließung der Klinik wie ein Blitz ein. „Ich bin geschockt, überrumpelt“, sagt Endres und Tränen treten in ihre Augen. „Die Basis hat immer wieder versucht das Haus am Leben zu halten“, erklärt sie. Letztlich könnte alles Hilfeleisten für den Patienten Lebacher Krankenhaus aber nicht gewirkt haben. „Missmanagement“, sagt Endres und ergänzt: „Ohne Zusage der Krankenkassen wurden Millionen investiert, etwa in die Gefäßchirurgie, und Chefärzte mit hohen Gehältern angestellt.“ Trotzdem, auch nach dem Schock bleibt die Krankenschwester zuversichtlich: „Ich habe keine Angst vor der Zukunft.“

Ganz anders eine 55-Jährige, die anonym bleiben will und seit 25 Jahren an der Klinik arbeitet: „Es gibt hier viele im Alter zwischen 50 und 60 Jahren. Ich weiß nicht, ob es so einfach wird, mit 55 noch eine Stelle zu finden.“ Die Frau zittert, scheint sich an ihre glimmende Zigarette zu klammern. „Ich habe Angst vor meiner Zukunft.“

Dass es um die Zukunft der Lebacher Klinik nicht gut bestellt ist, ahnten viele bereits. „Wir dachten, dass es irgendwann passiert. Aber nicht so schnell“, meint eine Krankenschwester, die seit 26 Jahren hier arbeitet. Auch sie ist sichtlich von der Nachricht der drohenden Schließung überrumpelt, hat gerötete Augen. „Wir alle sind traurig, wir alle haben uns hier wohlgefühlt. Mehr kann ich dazu jetzt nicht sagen.“

Fast jeder Angesprochene hat sich gewünscht, dass jemand von der Geschäftsleitung etwas sagt. Sie über die drohende Schließung informiert. Doch nicht nur die Mitarbeiter werden an diesem Freitag zunächst im Regen stehen gelassen. Auch und gerade für die Patienten bricht eine Welt zusammen. „Eine Katastrophe“, sagt Manuela Hoffmann, die eine Familienangehörige mit Leukämie an diesem schwarzen Freitag in der Klinik besucht. „Im Umkreis haben wir sonst nichts mehr. Es geht immer nur ums Geld.“

Sollte die Klinik tatsächlich geschlossen werden, muss Hoffmann ihre Angehörige von nun an drei bis vier Mal in der Woche zur nächstgelegenen Klinik nach Saarlouis fahren. Spritzen zur Behandlung von Leukämie dulden keinen Aufschub, geschweige denn zu lange Fahrtwege. „Das Krankenhaus ist ja kein Schuhgeschäft. Wir sind darauf angewiesen“, sagt Hoffmann und schüttelt ihren Kopf.

„Ein Verlust für die Region“, konstatiert eine Dame, die ihren Mann in der Onkologie des Krankenhauses besucht, auf einen Rollator gestützt. Ihren Namen möchte sie nicht nennen, zur drohenden Schließung bezieht sie aber klar Stellung: „Es war so kurzfristig und überraschend. Und all die Mitarbeiter. Schlimm. Einfach schlimm.“

Trauer und Fassungslosigkeit gemischt mit Wut und Angst scheinen sich an diesem grauen Freitag wie ein Schleier um die einst so stolze Klinik gelegt zu haben. Viele Gänge des Krankenhauses sind leer. Die Gesichter der Mitarbeiter sprechen dafür Bände. Für viele von ihnen ist dieser Freitag der Tag, an dem ihre Zukunft endet.