Unser Dorf hat Zukunft: Immer weniger Ortschaften im Saarland machen mit

Kostenpflichtiger Inhalt: Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ : Mehr Motivation für kampfesmüde Dörfer

Immer weniger Ortschaften machen beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mit. Umweltminister Reinhold Jost will das ändern.

Die Zahlen waren wohl alarmierend: Immer weniger Ortschaften im Saarland wollen an dem bundesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mitmachen. Statt der 46 Bewerbungen im Vorjahr seien diesmal nur 36 Anmeldungen eingegangen, erklärte der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD) am Dienstag bei der Landespressekonferenz (LPK) in Saarbrücken. „Der Wettbewerb hat in den vergangenen Jahrzehnten für einen enormen Zuwachs an Lebensqualität im ländlichen Raum gesorgt“, sagte der Minister. Deshalb wolle sein Haus künftig mit höheren Preisgeldern und besseren Förderangeboten wieder um mehr Teilnehmer werben. „Unser Dorf hat Zukunft“ findet alle drei Jahre statt, Ausrichter ist das Bundeslandwirtschaftsministerium.

Künftig erhält auf Landesebene nicht nur der Erstplatzierte einen höheren Gewinn (4000 anstelle von 2500 Euro). Auch die Plätze zwei und drei, die bisher leer ausgingen, können sich nun auf einen Geldsegen einstellen (1500 beziehungsweise 500 Euro). Darüber hinaus soll es wie bereits in der vorigen Runde den Sonderpreis zum Thema „Nachhaltige Dorfentwicklung“ geben. Dieser läuft unabhängig von der Gesamtbewertung und bezieht sich auf Einzelprojekte.

Schon bisher konnten alle teilnehmenden Dörfer Fördermittel für die Ausgaben beantragen, die im Rahmen des Wettbewerbs entstehen. Neu sei, dass diese Fördersätze um zehn Prozentpunkte erhöht werden, teilte Minister Jost mit. Dies gelte bereits für Vorhaben aus den beiden vorhergehenden Jahren. Viele Dörfer haben laut Jost das Interesse an dem Wettbewerb verloren, weil sie den Eindruck hätten, keine Siegchance zu haben. Durch die aufgestockte Förderung hoffe er, mehr Ortschaften überzeugen zu können, dass die Teilnahme in jedem Fall lohne.

Das Umweltministerium will jedoch nicht nur mit mehr Geld locken. Jost will zudem Landräte, Bürgermeister, Ortsvorsteher und andere Verantwortliche zu sechs Regionalkonferenzen einladen, um sie von der Teilnahme zu überzeugen. Dort gehe es etwa darum, gute Beispiele aus den vergangenen Jahren vorzustellen: „Wir möchten den Dörfern Mut und Motivation mit auf den Weg geben.“ Ziel der Maßnahmen sei es, mindestens 50 Ortschaften zur Beteiligung zu bewegen und somit zwei anstelle von nur einem Teilnehmer bundesweit ins Rennen zu schicken. Der Landessieger der vorigen Runde, Oberesch, wird am Freitag in Berlin offiziell mit der Silbermedaille im Bundeswettbewerb ausgezeichnet.

Im Vorfeld der LPK war bekannt geworden, dass das Saarland im vergangenen Jahr 550 000 Euro an möglichen Mitteln des Bundes für die das „Sonderförderprogramm Ländliche Entwicklung“ (SoLE) nicht ausgeschöpft hat. Laut Jost sind teilweise die Förderbedingungen nicht klar gewesen. Zum anderen habe man sich erst zu spät um die Gelder bemüht, was mit den Kommunalwahlen im vergangenen Mai zusammenhänge. Viele Förderanträge seien aus diesem Grund erst im November und Dezember gestellt worden. Das Problem: Die Mittel werden nach dem so genannten Jährlichkeitsprinzip vergeben: „Alles Geld, das ich am Ende des Jahres nicht abgerechnet habe, muss ich an den Bund zurückgeben. Das ist sehr ärgerlich.“ Gemeinsam mit Amtskollegen anderer Bundesländer setze er sich in seiner Rolle als Vorsitzender der Agrarministerkonferenz dafür ein, dieses Jährlichkeitsprinzip abzuschaffen.

Auch um zu verhindern, dass in Zukunft erneut Bundesmittel durch die Lappen gehen, habe es innerhalb seines Ministeriums einige Änderungen geben, erklärte Jost. So gehöre der Agentur ländlicher Raum seit Ende vergangenen Jahres ein weiteres Referat an. Während sich das eine um klassische Förderung kümmere, berate und begleite der neue Arbeitsbereich das ehrenamtliche Engagement vor Ort sowie Projekte zu den Themen Kultur und Identität. Ziel sei zudem „eine stärkere Ausrichtung auf die soziale Dorfentwicklung“, sagte Jost. Als Beispiele nannte der Jost Initiativen mit Jugendbeteiligung, Mundartprojekte und Dorfpatenschaften. Zudem hofft der saarländische Umweltminister für die kommende sieben Jahre dauernde Förderperiode neues Personal in Form von Architekten oder Bauingenieuren finanzieren zu können. Konkret seien bis zu vier neue Stellen angedacht.