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Experten sind die Parkplätze in Saarbrücken zu billig

Kostenpflichtiger Inhalt: Podiumsdiskussion zu Verkehr und Mobilität : Experte: Parken in Saarbrücken zu billig

Experten stritten um die „Zukunft der Mobilität“ in der Stadt. Mehr Fahrrad­straßen, weniger Platz für Autos: Damit sind nicht alle einverstanden.

Die Parkgebühren in Saarbrücken sind zu niedrig – und der Sprit an der nächsten Tankstelle müsste in Zeiten von Klimaschutz und nachhaltiger Mobilität eigentlich spürbar teurer sein. Mit dieser provokanten These sorgte der renommierte Verkehrswissenschaftler Wilko Manz von der Technischen Universität Kaiserslautern am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion im Saarbrücker IHK-Gebäude zur „Zukunft der Mobilität in der Landeshauptstadt“ für reichlich Zündstoff und teils heftigen Widerspruch. Weitgehend einig waren sich dagegen die Fachleute in der von SZ-Redaktionsleiterin Ilka Desgranges moderierten Diskussion in der aktuellen Bestandsaufnahme der Verkehrsmisere: Saarbrücken hat zu viele die Straßen verstopfende und teils in zweiter Reihe abgestellte Autos, deutlich zu wenig sichere Radwege und einen zu unübersichtlichen und zu teuren öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

„Nirgendwo in Deutschland gibt es so viel Kraftfahrzeug- und so wenig Radverkehr wie im Saarland mit der Metropole Saarbrücken“, befand der Kaiserslauterer Mobilitätsexperte. So würden in der Saar-Landeshauptstadt gut 60 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt, obwohl bei Entfernungen zwischen vier und acht Kilometern das Fahrrad etwa genauso schnell sei. Und für Verkehrswissenschaftler Manz steht fest: „Heute muss ein Arbeitnehmer im Schnitt vier Minuten für einen Liter Benzin arbeiten – so günstig kann Verkehr nicht bleiben.“

Mit im Schnitt 16 Euro Parkgebühren für einen Tag liege Saarbrücken zudem weit unter Lebensqualität-Städten wie Amsterdam (55 Euro) oder Zürich, die Autos so mehr aus den Citys verbannten. Während Saarbrücken nur vier Prozent Radverkehrsanteil aufweise, kämen Städte wie Freiburg, Heidelberg oder Münster auf bis zu 34 Prozent Radverkehrsanteil und steigerten so ihre Attraktivität. „Und das Saarland ist ein gutes Beispiel dafür, wie ÖPNV-Tarife nicht sein sollten“, meinte Manz – und bekam dafür spontanen Applaus.

Der Leiter des Saarbrücker Amtes für Wirtschaftsförderung und frühere Europa-Galerie-Chef, Sebastian Kurth, sagte, ein Standort wie Saarbrücken lebe nicht allein von der CO2-Reduktion. Saarbrücken wolle jedenfalls nicht die Parkgebühren erhöhen, den Radfahranteil im Verkehr in den nächsten Jahren dennoch von vier auf zehn Prozent erhöhen und den Verkehrsentwicklungsplan von 2016 für die Jahre bis 2030 aktualisieren.

Michael Genth (Leder Spahn) vom Saarbrücker Verein für Handel und Gewerbe warb dafür, angesichts von täglich 70 000 Einpendlern nach Saarbrücken den Fokus mehr auf einen besseren ÖPNV mit Jobtickets und der Förderung von Fahrgemeinschaften oder Car-Sharing zu legen. Angeregt wurde ein besserer Verkehrsverbund in Richtung Lothringen und Luxemburg, da fast jeder dritte Geschäftskunde in Saarbrücken aus dem benachbarten Frankreich oder dem Großherzogtum komme.

Uni-Vizepräsident Roland Rolles kritisierte angesichts des geplanten „Saar-Valley“ mit CISPA und Helmholtz-Institut die noch unzureichende Verkehrsanbindung Richtung Universität. Eine teure Seilbahn- und Saarbahn-Anbindung seien derzeit allerdings außerhalb der Finanzplanung, meinte er.

Geschäftsführer Carsten Meier von der IHK Saarland sagte zur Begrüßung, Saarbrücken brauche eine städtebauliche Aufwertung mit größerer Eventhalle und neuem Messezentrum. Die Stadt müsse aber auch besser erreichbar sein und „angemessene Parkgebühren“ sowie „intelligente Mobilitätslösungen“ für Betriebe und Hochschulen bieten.

Professor Wilko Manz. Foto: TU Kaiserslautern. Foto: TU Kaiserslautern

Der frühere Staatskanzlei-Chef, Ex-Saartoto-Direktor und SPD-Kulturpolitiker Kurt Bohr mahnte mehr praktische Erprobung von neuen Radwegen wie beispielsweise über die Alte Brücke an.