International bekannt sind Quilts von Birgit Schüller aus Riegelsberg

Kostenpflichtiger Inhalt: Meisterliche Handwerkskunst : Wie aus Stoffresten Meisterwerke werden

Von den USA bis St. Petersburg: Birgit Schüller aus Riegelsberg zeigt ihre künstlerisch gestalteten Quilts in Ausstellungen weltweit.

Das Haus von Birgit Schüller in Riegelsberg ist eine Handarbeits-Schatztruhe. Egal ob Arbeitszimmer, Wintergarten, Speicher oder Esszimmertisch – überall stapeln sich Stoffe, Stoffstücke, Wolle, Scheren und Garne. „Unser ganzes Haus ist ein Stofflager“, sagt Birgit Schüller dann auch lachend.

Die Wände sind mit wundervollen Quilts geschmückt. Denn Birgit Schüller ist eine erfahrene, erfolgreiche und insbesondere auch international gefragte Quilt-Meisterin. Ihre Mutter war Schneiderin, und schon früh liebte die kleine Birgit Handarbeiten – egal ob Nähen, Stricken oder Häkeln. Im Jahr 1989 kam die gebürtige Düsseldorferin nach Saarbrücken. Sie studierte, wurde Diplom-Übersetzerin. „Und schon in meiner Studentenbude habe ich alles selbst genäht“, erzählt sie.

Als junge Mutter hat sie auch Kleider für ihren Sohn und ihre Tochter angefertigt. „Ich habe zu der Zeit in einem Übersetzungsbüro gearbeitet. Aber dann bekam unser Sohn die Windpocken, und ich musste mit ihm zuhause bleiben“, erinnert sie sich. Aus Langeweile kaufte sie sich eine Handarbeits-Zeitschrift mit einem Quilt. Das war der Anfang. Den ersten Quilt, damals noch ganz traditionell, hat sie vor gut 18 Jahren für ihre Tochter genäht. Und das Quilten hat sie nie mehr losgelassen, wurde ihre große Leidenschaft.

Das Quilten ist eine Form der Stoffverarbeitung, die in den USA oder auch in Russland weitaus stärker Verbreitung gefunden hat als bei uns. Dafür wird zuerst eine Patchworkdecke genäht, also eine Decke, die aus vielen Stoffresten besteht und aus kleinen Quadraten oder Dreiecken eben dieser Stoffreste gestaltet ist. Beim Quilten wird dieses Patchworkdecke mit zwei weiteren Lagen Stoff versehen, nämlich mit einer Stoff-„Rückwand“ und einem Vlies zwischen Rück- und Vorderteil.

Diese drei Stofflagen können fast „unsichtbar“ miteinander vernäht werden, indem man entlang der Nähte der Patchworkseite steppt. Das kann man aber auch mit wunderschönen Mustern gestalten, die filigran, phantasievoll und ornamental sind, und dank derer aus einem Quilt ein Meisterwerk wird.

Genau das macht Birgit Schüller. Und was als Hobby begonnen hatte, wurde zum Beruf: Die Autodidaktin hat 2002 den ersten Quilt-Kurs gegeben. Seit 2003 hat sie private Aufträge angenommen. Sie erhält die fertig genähten Patchworkdecken und arbeitet daraus den Quilt.

Vor 14 Jahren überlegten Birgit Schüller und ihr Mann, ob sie sich eine Longarm-Quiltmaschine zulegen soll – schließlich kostet die so viel wie ein Kleinwagen. „Bei diesen Maschinen wird der Stoff fest eingespannt. Ich arbeite im Stehen, und ich bewege die Nadel frei über den Stoff. Das ist anders als bei einer normalen Nähmaschine, denn da bewegt man den Stoff unter der Nadel. Mit der Longarm-Maschine kann ich als Nähte ganz filigrane Muster gestalten“, berichtet Birgit Schüller. Beim Kauf der „Langarm“-Maschine war daher klar, dass aus dem Hobby ein Beruf wird. Seither arbeitet Birgit Schüller professionell als Quilterin.

Sie hat sich einen Kundenstamm aus ganz Europa aufgebaut, insbesondere aus dem nahen Ramstein, wo viele Amerikanerinnen diesem Hobby nachgehen. Aber neben ihren Auftragsarbeiten hat Birgit Schüller auch immer eigene Quilts entworfen und genäht. Und in ihrem Haus sieht man erst, was man alles quilten kann. Da finden sich neben Decken und Wandbehängen auch Stifteboxen, kleine Bilder und sogar Kleider. Seit 2006 nimmt Birgit Schüller auch an Wettbewerben teil, die sie in den unterschiedlichsten Kategorien schon gewonnen hat. Sie wird weltweit als Expertin und Kursleiterin zu Messen und Quilt-Shows eingeladen, war so schon in Halb-Europa, Australien, Russland, den USA oder Kanada.

Ihr Stil hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Mittlerweile arbeitet sie künstlerischer, freier. Es geht nicht mehr nur um einen Gebrauchsgegenstand, sondern darum, was man mit dieser Technik alles darstellen und ausdrücken kann. So entstehen auch gequiltete Kunstwerke. Gerade erst war sie in Sibirien in Irkutsk, um ihre freien, künstlerischen Arbeiten in einem Museum zu zeigen. „Das war eine tolle Geschichte, Patchwork ist in Russland sehr beliebt und hoch angesehen“, schwärmt sie. 2020 folgen weitere Einzelausstellungen, denn sie wurde nach Moskau, Luxemburg, in die Niederlande und nach St. Petersburg eingeladen, und sie richtet zum zweiten Mal, mit einer Freundin, eine Quilt-Show in der Lüneburger Heide aus – es gibt viel zu tun.

www.creativebits.biz

www.quiltfest.de

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