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Reiseunternehmen Bur und Götten leiden unter Corona-Krise

Kostenpflichtiger Inhalt: Schwere Zeiten für Reisebranche : Busse im Regionalverband stehen still und das Geschäft auch

Die Corona-Krise macht den Reiseunternehmen Bur aus Kleinblittersdorf und Götten aus Saarbrücken arg zu schaffen.

Die roten Busse stehen in Reih und Glied auf dem Firmengelände am Ortseingang. Das sieht schön aus, dem Unternehmer blutet bei diesem Anblick allerdings das Herz, denn die Busse der Firma Bur wären normalerweise jetzt alle unterwegs. Zum Frühling in den Bergen, zum Blumenkorso an der Riviera, zur Apfelblüte in Südtirol, zur Tulpenblüte in Holland oder zum Brüsseler Frühlingsfest. Nichts davon findet statt. Die Busse stehen auf dem Hof, in Kürze werden sogar noch ganz neue Reisebusse geliefert, lange vor der Krise bestellt und jetzt zum Dauerparken verurteilt.

Unternehmerin Maria Lang und ihr Bruder Josef Bur mussten alles absagen. 20 Busse stehen still, 100 Ziele können nicht angefahren werden, 800 bis 1000 Touren sind bis Jahresende schon abgesagt oder höchst unsicher, wobei die Unsicherheit überwiegt: „Man lebt im Moment von Tag zu Tag. Wir warten täglich darauf, neue Anordnungen zu bekommen. Derzeit wissen wir noch nicht, wie es mit den Reisen weitergeht“, erzählt Geschäftsführerin Maria Lang. Wann öffnen die Hotels in den anderen Ländern wieder? Wann enden die Ausgangsbeschränkungen und Reiseverbote? Wann kann die Gastronomie wieder öffnen? Alles sei ungewiss.

Viele Kunden hätten ihr Geld bereits zurückverlangt, allerdings noch lange nicht die Mehrheit. Viele warten ab, und das ist auch der Rat von Bur und Lang. Es sei ja noch nicht ausgeschlossen, dass eventuell schon ab Mai oder Juni erste Ziele wieder angesteuert werden könnten. Die Kunden sollten noch abwarten. Um das angezahlte Geld müssten sie sich keine Sorgen machen, selbst im Falle einer Insolvenz, mit der man bei Bur nicht rechne, seien diese Zahlungen abgesichert. „Alle Kunden bekommen ihr Geld zurück, wenn die Reisen ausfallen. Das ist garantiert“, verspricht Maria Lang. Ihr Unternehmen meistere die Krise momentan durch Kurzarbeit und habe Staatshilfe für den Mittelstand beantragt. Die Geschäftsstelle in Kleinblittersdorf sei geschlossen, die telefonische Erreichbarkeit aber sichergestellt. Eine Mitarbeiterin telefoniert mit den Kunden, beruhigt und bittet um Geduld: „Warten Sie doch noch etwas ab, wenn die Reise ganz abgesagt wird, müssen sie keine Gebühren zahlen und bekommen ihr Geld zurück.“ Die Anruferin ist zufrieden. Glücklicherweise würden die meisten Kunden abwarten und manche hätten trotz Absage einen Gutschein für das nächste Jahr akzeptiert, berichtet Lang: „Das hilft uns sehr, durch die Krise zu kommen. Unsere Stammkunden lassen uns ein wenig Liquidität und wissen, dass wir weitermachen.“ Buchungen von Reisen für die zweite Jahreshälfte seien weiterhin möglich, die Nachfrage sei aber abgerissen. Momentan gebe es keine Neuaufträge, was keine Überraschung sei. Auch die Kunden würden abwarten.

Im Unternehmen beginne im Mai allerdings wieder der Schulbusverkehr, das sichere einen Mindestumsatz. Die Linienbusse würden noch umgerüstet. Die Fahrer bekämen eine Art Kabine, die die Hygienebestimmungen einhalte und trotzdem einen Einstieg beim Fahrer möglich mache: „Die Busse können dann die Fahrpläne besser einhalten, wenn die Gäste vorn ein- und hinten aussteigen“, erklärt Bur. Bis zur Aufnahme des Linienverkehrs soll das abgeschlossen sein. Fürs Unternehmen bedeutet das Mehraufwendungen, die es selbst stemmen muss.

Bei Anton Götten Reisen in Saarbrücken hatten wir ebenfalls nach einer aktuellen Einschätzung gefragt: „Von der aktuellen Krise sind alle gleich betroffen, jeder ist gleichermaßen davon überrascht worden“, sagt Geschäftsführer Thomas Götten. „Wir sind in ein super Jahr gestartet mit hohen Buchungszahlen, die uns innerhalb kurzer Zeit weggebrochen sind.“ Jeder Busreiseveranstalter sei kalt erwischt worden. „Zunächst haben wir uns in einer Art Schockstarre befunden. Doch mittlerweile ist in der Krise etwas Routine eingekehrt.“

Man rufe Kunden an, um sie über abgesagte Reisen zu informieren, das Unternehmen habe Kurzarbeit für seine Mitarbeiter angemeldet und Busse abgemeldet, um die laufenden Kosten zu reduzieren. Am Anfang habe bei der Kundschaft eine Panik geherrscht, viele Reisen wurden sofort storniert. „Wir raten mittlerweile dazu, einfach abzuwarten. Bis sechs Wochen vor Beginn der Reise kann man kostenlos stornieren. Wenn die Reise abgesagt wird, erhalten die Kunden ohnehin ihr komplettes Geld zurück.“

Darauf lege das Unternehmen wert. Denn bei den Reisen gehe es oft um hohe Beträge von mehreren tausend Euro. „Wir sind aber natürlich froh, wenn Kunden zumindest ihre Anzahlungen in Gutscheinen zurückbekommen. Denn Reisen werden lange Zeit im Voraus geplant und durch den Veranstalter vorfinanziert. Mit den verbleibenden Anzahlungen können wir wenigstens einen Teil der vorgelegten Kosten abdecken“, betont Thomas Götten. Das Unternehmen habe eine hohe Quote an Kunden, die sich auf die Rückerstattung der Anzahlung per Gutschein einlassen.