Gemeinde Kleinblittersdorf legt Konzept gegen Starkregenereignisse vor

Kostenpflichtiger Inhalt: Lehren aus dem Unwetter : Hochwasserplan für Obere Saar liegt vor

Gemeinde Kleinblittersdorf zog nach Unwetter vom 1. Juni 2018 Experten zu Rate. Jetzt geht die Arbeit erst richtig los.

Die Gemeinde Kleinblittersdorf hat am Mittwoch ein Vorsorgekonzept gegen sogenannte „Starkregenereignisse“ vorgelegt. Sie reagiert damit auf Schäden in zweistelliger Millionenhöhe, die ein Gewittersturm in der Nacht zum 1. Juni 2018 angerichtet hat. Das Konzept sieht zum einen vor, Wassermassen zurückzuhalten, bevor sie Schäden in den Orten anrichten. Zum anderen geht es darum, Wasser abfließen zu lassen, wo es schon die Straßen erreicht hat. Die Verbesserung der Alarm- und Einsatzpläne ist ein weiterer Bestandteil des Konzeptes.

„Es ist aber auch klar, dass zum Beispiel die Wasserrückhaltemaßnahmen bei Starkregenereignissen nicht ausreichen werden, um alle Wassermassen zu stauen. Es geht hier um eine Optimierung“, sagte Professor Robert Jüpner von der Uniwasser GmbH Kaiserslautern, die mit der Firma Geomer GmbH Heidelberg das Vorsorgekonzept im vergangenen Jahr erarbeitet hat.

Es gab Vorort-Begehungen, Datenerhebungen und sieben Bürgerworkshops. Herzstück des gesamten Konzeptes ist nun eine Starkregen-Gefahrenkarte. „Wir haben keine ehemaligen Ereignisse reproduziert, sondern wir haben Modell-Szenarien errechnet mit 60, 90 und 120 Litern Regen pro Stunde und Quadratmeter.“ Aus den Folgen, die solche Wassermassen für die jeweiligen Teile der Gemeinde hätten, resultierte schließlich eine Liste von 49 besonders gefährdeten Objekten und 24 Risikobereichen, sagte Robert Jüpner.

In der Katastrophennacht vom 1. Juni 2018 fielen eine ganze Nacht lang 86 Liter Regen pro Stunde und Quadratmeter auf weite Teile der Gemeinde Kleinblittersdorf.

Diese Fluten waren damals der Anlass für die Gemeinde, sofort zu reagieren und ein solches Vorsorgekonzept erstellen zu lassen. Noch während der Maßnahmenkatalog entstand, habe die Gemeinde erste Teile des Konzeptes in die Tat umgesetzt und Schäden beseitigt, sagte Bürgermeister Stephan Strichertz. Zwei Ordner voll Vorsorgemaßnahmen hat die Gemeinde nun noch abzuarbeiten. Doch das kostet Geld, und die Gemeinde hat noch ein weit über 20 Millionen Euro tiefes Loch in der Kasse. Strichertz sprach von einer Daueraufgabe für die Gemeinde. „Ich stelle mir vor, dass der Gemeinderat einen Prioritätenkatalog auf den Weg bringt. Für 2020 haben wir einen sechsstelligen Betrag für solche Maßnahmen in den Haushalt eingestellt“, sagte der Bürgermeister. Doch selbst wenn die Gemeinde alle vorgeschlagenen Maßnahmen aus den beiden Vorsorge-Katalogen abarbeitet wäre sie gegen ein weiteres Jahrhundert-Unwetter nicht rundum gefeit. „Das ist auch unmöglich. Es geht vielmehr darum, dass die Gemeinde weiß, was passieren kann, wo mögliche Schwachstellen sind und was sich verbessern lässt. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Sensibilisierung der Einwohner und der Gemeindemitarbeiter für dieses Thema“, sagte Professor Jüpner am Mittwoch. 91 000 Euro hat das Konzept gekostet. 70 Prozent davon, 63 700 Euro, hat das saarländische Umweltministerium übernommen. „Die Gemeinde Kleinblittersdorf hat hier die Vorreiterrolle für das Saarland eingenommen. Mittlerweile sind 31 Kommunen dabei, ein solches Konzept auf den Weg zu bringen“, sagte Manuela Gretschel vom Umweltministerium. Nur bekommen die nächsten Kommunen vom Ministerium dafür 90 Prozent erstattet. Und nicht nur 70 wie der Vorreiter Kleinblittersdorf.