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St. Ingbert hat enorm viele kostenlose Parkplätze

St. Ingbert glänzt mit einer besonderen Strategie : Hier befindet sich das wahre Park-Paradies

In St. Ingbert gibt es im innerstädtischen Bereich rund 2100 Stellplätze. Allerdings hat sich in letzter Zeit der Parkdruck erhöht.

Wer als Nicht-St. Ingberter die Mittelstadt mit dem Auto ansteuert – sei es als einkaufsfreudiger Mensch, als Patient einer Arztpraxis oder auch als jemand, der hier eine Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte – der wird wohl staunen: Denn das Angebot an Parkplätzen ist nahezu sensationell. Und das nicht etwa an der Peripherie, sondern im innerstädtischen Getümmel. Dort, wo man zu Fuß schnell das angepeilte Ziel erreicht. Über die Strategie dahinter erfahren wir mehr im Gespräch mit Thomas Diederichs, Chef der Straßenverkehrsbehörde, und Christoph Scheurer, Leiter des Geschäftsbereichs Bürgerservice und Ordnung.

Zunächst einmal geht es darum, dass St. Ingbert gewissermaßen ein wenig eingekeilt ist: zwischen Homburg, Neunkirchen und Saarbrücken. Und in Anbetracht dieser Tatsache möchte man schon mit Nachdruck dafür sorgen, dass die Kaufkraft nicht ins Umland abfließt. Sondern dass auch Kunden gewonnen werden, die nicht nur einmal hierher kommen. Um begeisterte Stammkunden zu akquirieren, helfen kostenlose oder im Vergleich sehr günstige Parkgelegenheiten schon ein gutes Stück weiter.

Die beiden Gesprächspartner der Saarbrücker Zeitung haben sich der Mühe unterzogen, die zur Verfügung stehenden Parkplätze aufzulisten und aktuell zu bewerten. Insgesamt stehen im innerstädtischen Bereich rund 2100 Abstellmöglichkeiten zur Verfügung, wobei in diese Zahl nicht nur die städtischen, sondern auch die privaten mit einfließen. Und diejenigen, die das uneingeschränkte Parken entlang der Straßen erlauben.

Allerdings, so Thomas Diederichs, habe sich in letzter Zeit der Parkdruck doch spürbar erhöht. So seien rund um das Gelände, auf dem das große P43 genannte Bürogebäude in der Poststraße gerade vor der Einweihung steht, einige kostenlose, zeitlich unbefristete Parkplätze weggefallen: am ehemaligen Zebra-Markt und auf dem Braschenplatz an der Schlachthofstraße, der verkauft worden sei. Der Chef der Straßenverkehrsbehörde ging gestern auch nochmal mit offenen Augen durch die City und stellte erneut fest, dass sich die kostenlosen und unbefristeten Stellplätze unter anderem hinterm Rathaus größter Beliebtheit erfreuen. Nicht ein einziger war mehr frei. Und auf dem Marktplatz vorm Rathaus kann man sein Auto ebenfalls kostenfrei – für zwei Stunden – abstellen.

Hervorzuheben ist im Übrigen in Hinblick aufs Park-Paradies vor allem das am Bahnhof befindliche SAP-Parkhaus. Die beiden unteren Etagen sind in städtischer Hand, der Rest den Mitarbeitern des genannten Unternehmens vorbehalten. Was den Teil der Kommune angeht, so erfährt man im St. Ingberter Rathaus, dass dieser mehr als günstig zu nutzen ist. Wer hier dauerhaft sein Fahrzeug unterbringen will, der zahlt lediglich 15 Euro pro Monat. Und 1,50 Euro am Tag. Da könnte es sich glatt lohnen, mit dem Zug nach Saarbrücken zu fahren, um die dort horrenden Parkgebühren zu sparen.

Beispiel: der Beethovenplatz in der Landeshauptstadt. Der wird zum Ärger vieler von einem Unternehmen namens Q-Park betrieben, das den Autofahrern ordentlich in die Tasche greift. Denn je angefangene 60 Minuten werden hier 2,20 Euro fällig, die Tageshöchstgebühr beträgt 16 Euro. Das sind Preise, die richtig weh tun.

Im Übrigen erfährt die SZ von ihren beiden Gesprächspartnern, dass die Stadt St. Ingbert gerade dabei ist, einen Verkehrsentwicklungsplan zu erstellen. In diesem sei der nicht motorisierte Verkehr stärker berücksichtigt als bisher. Ergo soll der Umstieg auf den Öffentlichen Personennahverkehr oder aufs Fahrrad durch gezielte Maßnahmen attraktiver werden. Aber, auch das wird deutlich hervorgehoben: Es wird keine gravierenden Umwälzungen geben. Der Standort-Vorteil des günstigen beziehungsweise kostenlosen Parkens soll erhalten bleiben, man will die Kundschaft nicht vergraulen. Im Übrigen, so Christoph Scheuer, sei bei Analyse des Ist-Zustandes festzustellen, dass 90 Prozent der Verkehrsteilnehmer vorschriftsmäßig parken. Die restlichen zehn Prozent habe man im Auge. „Ein Schwerpunkt bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs liegt darauf, dass Dauerparker der Kundschaft nicht die Plätze wegnehmen“, erklärt Christoph Scheurer. Im Übrigen sei man natürlich auch darauf bedacht, dass die Lieferzonen der Geschäfte und auch die Behindertenstellplätze nicht von unbefugten Leuten genutzt werden.

Das SAP-Parkhaus am St. Ingberter Bahnhof ist der Knüller: Hier parkt man den ganzen Tag über für schlappe 1,50 Euro. Foto: Cornelia Jung

Dass der Parkdruck in der Innenstadt in Zukunft noch zunehmen wird, darüber sind sich die beiden Fachleute einig. Denn nach Verkauf des Geländes rund ums ehemalige Stadtbad werden dort im Jahr 2020 die öffentlich nutzbaren Parkplätze wegfallen. Es sind dies mehr als 40. Und ebenso ergeht es mittelfristig den kostenfreien mehr als 90 Stellplätzen auf dem WVD-Areal. Wenn die Stadt das Gelände entwickelt und es neu genutzt wird.