St. Ingbert erhält ab März 2020 ein Stadtmodell für blinde Menschen

Kostenpflichtiger Inhalt: Rotary-Club St. Ingbert spendiert integratives Stadtmodell : Die Innenstadt von St. Ingbert zum Anfassen

Ab März 2020 soll ein Tastmodell von Egbert Broerken auch blinden Menschen einen Überblick über die Mittelstadt geben.

Bald können Besucher und Einwohner die Innenstadt von St. Ingbert nicht nur sehen, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes „fühlen“. Im kommenden Jahr soll die Mittelstadt nach Plänen des Rotary-Club St. Ingbert um eine Attraktion reicher sein – ein maßstabgetreues Tastmodell, welches die Innenstadt zeigen soll.

Der Verein und sein Präsident Rainer Stein-Bastuck wollen St. Ingbert dadurch wortwörtlich begreifbar machen. „Das Tastmodell soll ein Anziehungspunkt für sehende, sehbehinderte oder blinde Bewohner und Besucher von St. Ingbert werden“, konkretisiert Stein-Bastuck das Vorhaben. Auf Fingerkuppen sollen die Betrachter durch die Straßen spazieren, die Anordnung der Plätze und Gassen ertasten, oder die Größenunterschiede zwischen Häusern und Kirchen erkennen können. Wichtige Straßen, Gebäude und Plätze werden neben Normalschrift zusätzlich auch in Braille, die Schrift für Blinde und Sehbehinderte, bezeichnet werden. So sollen für jeden Betrachter ganz neue Perspektiven auf die Stadt eröffnet werden. Zudem könne das Modell „auch ein idealer Ausgangspunkt für Stadtführungen“ sein, wie Stein-Bastuck betont.

Mit der Anfertigung des Modells im Maßstab 1:750 habe man laut dem Präsidenten des Rotary-Clubs St. Ingbert den renommierten Bildhauer Egbert Broerken aus Westfalen beauftragt. Dieser sei „die Institution“, wenn es um die Erstellung von Blinden-Stadtmodelle gehe, erklärt Stein-Bastuck, der durch einen Bericht im Rotary Magazin auf den Künstler aufmerksam wurde. Zusammen mit seinem Sohn hat dieser bereits über 150 der sogenannten Blinden-Stadtmodelle erschaffen. Darunter befinden sich bekannte Städte wie Aachen, Trier, Strasbourg oder München, aber auch mehrere Einzelobjekte wie ein Modell des Mainzer Doms oder der Berliner Museumsinsel gehören zu den Werken von Broerken. Das Tastmodell von St. Ingbert wäre sein erstes Werk im Saarland. Als Grundlage für seine Arbeit dienen Broerken nicht nur Liegenschaftskarte und Höhenplan, sondern auch Luftbilder und Fotos sämtlicher darzustellender Bereiche der St. Ingberter Innenstadt.

Die Idee eines Tastmodells für St. Ingbert ging ursprünglich auf Konrad Weisgerber, der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins St. Ingbert, zurück. Dieser konnte Stein-Bastuck dafür sofort begeistern, der wiederum das Projekt im St. Ingberter Rotary-Club, im Ortsrat und dem Ausschuss für Kultur, Bildung und Soziales im Mai dieses Jahres vorstellte. Sowohl bei den Rotariern, als auch bei der Verwaltung und den Gremien der Stadt fand die Idee ungeteilte Zustimmung, wie Stein-Bastuck auf SZ-Nachfrage erklärt. Zudem habe man die Denkmalpflege von vornherein mit ins Boot geholt.

Im kommenden Jahr soll das Tastmodell der Stadt St. Ingbert in die Sandsteinmauer in der Fußgängerzone integriert werden. Foto: Tom Peterson

Die Errichtung des in Bronze gegossenen Modells mit einer Länge von etwa 1,5 Metern und einer Breite von knapp einem Meter soll voraussichtlich im März 2020 vor dem Anwesen in der Kaiserstraße 59 erfolgen und in die dortige Sandsteinmauer integriert werden. Für die Stelle sprechen laut Stein-Bastuck gleich mehrere Faktoren: der Ort werde gut von Fußgängern frequentiert, liege zentral und gut im Licht und sei auch für Rollstuhlfahrer gut zu erreichen. Durch die Integration in der Sandsteinmauer würden auch Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit Behinderung das Tastmodell bequem erreichen können. Zudem bräuchte man keinen eigenen Sockel bauen, der wieder zusätzliches Geld kosten würde. Das fertige Modell will man dann der Stadt St. Ingbert als Geschenk überreichen.

Die Kosten für die Erstellung und Anbringung des Tastmodells – alles zusammen rund 32 000 Euro – übernimmt laut Stein-Bastuck zum größten Teil der Rotary-Club St. Ingbert. Darüber hinaus unterstützen neben mehreren Einzelpersonen auch regionale Firmen, wie die Holzer Group und der Innovationspark Beckerturm das Projekt finanziell.