Korso: Polizei stoppt Hochzeitsgesellschaft auf A 6 bei St. Ingbert

Kostenpflichtiger Inhalt: Neuer Trend auch im Saarland : Mittlerweile der vierte Fall – Hochzeitskorso blockiert Autobahn jetzt bei St. Ingbert

Polizei muss einschreiten. Bräutigam rastet bei Kontrolle aus.

Eine neue, wenn auch gefährliche Mode hat nun offensichtlich auch das Saarland erreicht. Binnen weniger Wochen musste die Polizei immer wieder einschreiten, um Hochzeitsgesellschaften davon abzubringen, mit ihren Wagen Autobahnen und andere Straßen zu blockieren. Zuletzt waren die Ermittler nach Angaben eines Behördensprechers nun bei St. Ingbert alarmiert worden. Dort bremste ein Festkorso den Verkehr auf der A 6 zwischen Rohrbach und Saarbrücken aus. An die 20 Fahrzeuge sollen über beide Spuren gekrochen sein und so Unbeteiligte an einer zügigen Weiterfahrt gezwungenermaßen gehindert haben. Die Autos hatte die Gesellschaft festlich mit Fahnen und Luftballons herausgeputzt, meldeten Beobachter bei ihrem Anruf.

Und tatsächlich: An der Baustelle entdeckten Ermittler aus St. Ingbert zumindest zwei Wagen, die zu dem vormaligen Tross gehört haben mussten. Denn einer war den Beschreibungen entsprechend dekoriert. Beide Fahrer hatten die Warnblinkanlage an. Die Beamten signalisierten ihnen, auf einen nahen Autobahnparkplatz einzubiegen. Dort stand die Kontrolle an, die für die Polizei allerdings anders verlief als erhofft.

Jeweils fünf Angehörige der Hochzeitsgesellschaft – darunter auch das getraute Paar – saßen in den Autos. Zuerst schien die Kontrolle ganz routiniert. Doch dann wurde der Bräutigam sauer, richtig aufbrausend. Wegen seiner Aggressionen schalteten Ermittler ihre Überwachungskameras an ihren Uniformen (Bodycams) an, um bei etwaigen Übergriffen Beweise in der Tasche zu haben. Doch als der frisch Vermählte dies mitbekam, soll er sich wieder im Griff gehabt haben.

Unterdessen kümmerten sich Kollegen der Neunkircher Polizei um drei weitere Autos, die ebenfalls zum Hochzeitskorso gehört haben sollen. Allesamt eskortierten die Beamten dann die Festgesellschaft bis zur Abfahrt Saarbrücken-Malstatt. Später wurde in Burbach gefeiert. Nun haben die Fahrer Ermittlungsverfahren am Hals. Der Vorwurf: Nötigung im Straßenverkehr.

Drei ähnliche Vorfälle hatte es bereits in den Wochen zuvor gegeben. Zum ersten Mal mussten Ermittler am 24. August bei Saarlouis auf der A 8 einschreiten, als ein Korso die Autobahn lahmlegte. Im Anschluss rief die Polizei Verstärkung, weil die Hochzeitsgesellschaft ihren Unmut an den Beamten ausließ. Sie beleidigte die Ermittler.

Auf der A 620 bei Völklingen kam es am 17. September zu einem erneuten Zwischenfall. Dabei feuerte ein Beteiligter aus der Feiertruppe eine Glasflasche auf den Wagen eines Unbeteiligten.

Zuletzt blockierten an die 50 Wagen in Völklingen am 29. September Straßen, weil sie so zur Hochzeitsfeier tuckern wollten. Bei allen Korsos wurde niemand verletzt.

Im aktuellen Fall bei St. Ingbert setzt die Polizei auf Zeugen, um den Fall aufzuklären. Dabei geht es ihr insbesondere um Aussagen Leidtragender, die ausgebremst wurden.

Kontakt zur St. Ingberter Polizei: Tel. (0 68 94) 10 90.

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