Langsam bewegt sich was in Sachen Elektroauto

Kostenpflichtiger Inhalt: E-Mobilität : Langsam bewegt sich was in Sachen Elektroauto

Nur vereinzelt sind bislang Elektroautos in der Region unterwegs. Dabei geht der Netzausbau an Stromtankstellen voran.

Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf Deutschlands Straßen rollen – das ist zumindest das ehrgeizige Ziel, das der Nationale Entwicklungsplan E-Mobilität vorgibt. „Weg vom Öl“, also von klassischen Verbrennungsmotoren wie Diesel und Benziner, hin zu emissionsfreien Technologien wie eben dem Elektroauto – das idealerweise mit „grünem“ Strom aus erneuerbaren Energien betrieben wird.

In Großstädten wie Berlin sieht man häufiger Elektroautos auf der Straße, in unserer Region ist das noch eher die Ausnahme. Zu groß ist wohl die Angst vieler Autofahrer, ohne Strom irgendwo in der Pampa liegen zu bleiben. Dabei wird das Netz an Stromtankstellen kräftig ausgebaut, wie zum Beispiel ein Blick auf die Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur zeigt; auch in unserer Region, zumindest in und um Homburg.

Auch der Energieversorger Creos hat vor kurzem zwei Ladesäulen auf dem Firmengelände Am Zunderbaum in Homburg eingerichtet, wie Pressesprecher Stefan Oberhauser mitteilt. „Unsere Mitarbeiter können hier kostenlos ihre Autos laden.“ Einer davon ist Christian Gluting vom Einkauf und Facility Management der Creos. Er fährt seit Anfang des Jahres „elektrisch“ und hat durchaus gute Erfahrungen gemacht. Dass das Elektroauto leise ist und keinen röhrenden Sound hat, macht ihm nichts aus. „Es macht einfach Spaß zu fahren; wenn man aufs Gaspedal tritt, ist die volle Leistung da“, sagt er. Bislang werden laut Oberhauser die beiden Säulen gut angenommen.

Gleiches gilt auch für die Ladesäule Am Homburger Forum zum Beispiel. Die wird – ebenso wie die Ladesäule in der Uhlandstraße, am Haupteingang des Uniklinikums und am Bahnhof – betreut von den Mitarbeitern der Stadtwerke Homburg. „Wir kontrollieren die Säulen regelmäßig“, berichtet Vadim Allert vom Fachbereich Elektrodienstleistungen der Stadtwerke, vor allem an den Säulen am Klinikum und Am Forum werde am meisten „getankt“, wie die Verbrauchsmessungen zeigten. Allert fährt selbst seit Anfang des Jahres im Dienst eines der Stadtwerke-eigenen E-Autos. „Hier in der Stadt oder auch mal zur Schulung nach Saarbrücken“, sagt er, da habe es bisher nie Probleme in punkto Reichweite gegeben. Bei kalten Temperaturen verbrauche das Auto mehr Strom als im Sommer. „Insgesamt funktioniert das im Arbeitsalltag super“, so sein Fazit.

Auch bei den Stadtwerken in Bexbach gibt es eine „Stromtankstelle“ auf dem Gelände, vornehmlich für die E-Autos im Fuhrpark; zwei weitere Ladesäulen seien für 2020 geplant, sagt Geschäftsführer Guido Schick. Die E-Ladesäule am Bahnhof werde ebenfalls ganz gut frequentiert, so Schick, im Jahr 2018 habe man, abgeleitet vom Verbrauch, rund 130 Ladevorgänge dort verzeichnet.

„Ladezone“ für E-Autos . Foto: Jennifer Klein

Die Stadtwerke Bexbach bieten ein Förderprogramm für E-Autos an: bei Abschluss eines Stromliefervertrages gibt es 300 Euro Förderung beim Kauf eines E-Autos, 50 Euro beim Kauf eines E-Bikes. 2018 wurden zehn E-Bikes gefördert, keine Autos; im Jahr 2019 seien es 34 E-Bikes gewesen und neun Autos, so Schick. „Es bewegt sich schon etwas.“ Gerade bei den E-Bikes gehe es ja vielen darum, wieder mehr mobil zu sein, längere Touren absolvieren zu können, bei weniger Anstrengung und mehr Fahrspaß. Was die E-Autos angeht, da geht es ja um einen Ersatz des Bestehenden, ein Umdenken, „das ist ein wesentlich langwieriger Prozess. Im Moment sehe ich da noch nicht so die Dynamik“, aber E-Mobilität sei für die Stadtwerke als Energieversorger natürlich ein Zukunftsthema, das man im Blick habe, so Schick. Einerseits um den Klimaschutz vor Ort zu unterstützen, andererseits „ist das für uns natürlich auch ein Markt“. Ladeinfrastruktur und Elektromobilität hätten Potenzial, sich zu wichtigen Geschäftsfeldern für die Stadtwerke zu entwickeln. Zumal wenn mehr Fahrzeugmodelle auf den Markt kämen und das E-Auto für mehr Menschen interessant werde.

Würden alle von Benziner und Diesel auf E-Auto umsteigen, wäre das wohl auch ein Problem für die Stromnetze. Derzeit eine theoretische Frage. Denn die Zulassungszahlen für E-Autos steigen zwar, ebenso wird die Modellpalette breiter, dennoch ist der Markt überschaubar: Die meistverkauften E-Auto-Modelle waren von Renault (Zoe), Tesla (Model 3), BMWi3, VW E-Golf, und Smart (ForTwo Electric).

Das meistgekaufte E-Auto ist seit Jahren der 2013 aufgelegte Renault Zoe. Renault sei damit einer der Pioniere in Sachen E-Mobilität gewesen, erklärt Volker Geimer, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Homburg. Aber noch ist der Kundenkreis klein. In der Hauptsache seien es Firmen und Kommunen, die E-Autos kauften. Privatleute seien zwar durchaus interessiert, sagten letzten Endes aber oft „das ist mir zu teuer“ - so ist auch die Erfahrung von Verkaufsleiter Elias Illy. Für den Erwerb eines Elektroautos entschieden sich oft umweltbewusste „Überzeugungstäter“, die – offen gesprochen – auch so gut situiert sind, dass sie sich den Anschaffungspreis leisten können (Basisversion um 22 000 Euro, je nach Ausstattung leicht bei 30 000 Euro). Das liege zum Teil auch daran, dass im Saarland der Kauf eines E-Autos kaum gefördert werde, sagt Geimer. In Baden-Württemberg zum Beispiel gebe es eine ganze Reihe von Förderprogrammen, ebenso in Nordrhein-Westfalen. „Wenn E-Mobilität politisch gewollt ist, müsste die Politik auch mehr dafür tun“, sagt auch Volker Geimer.

Ladesäule für Elektroautos Am Forum in Homburg Foto: Jennifer Klein. Foto: Jennifer Klein

Die Reichweite der Elektroautos, die zu Beginn viele Autofahrer geschreckt hat, hat sich verbessert: Rund 400 Kilometer, im Winter rund 250 (wegen der Heizung), schafft der Renault Zoe mit einer Ladung– der Begriff Tankfüllung ist ja nicht mehr wirklich passend. „Man muss umdenken beim Elektroauto“, erklärt Geimer, „das Handy steckt man ja auch alle zwei Tage an den Strom, oder wenn man eher vorsichtig ist, zwischendurch immer wieder mal“. Ähnlich sei es auch mit dem Auto. Er selbst fährt einen Zoe. Und findet, ähnlich wie Ilias Illy, „das Fahrgefühl ist gut, das macht natürlich Spaß“ – natürlich erwartet man von beiden von Berufs wegen Begeisterung fürs Produkt aus dem eigenen Haus. Das sei jedoch auch die Rückmeldung der Kunden, die Zufriedenheit bei E-Auto-Fahrern sei hoch. „Langsam kommt das Thema in den Köpfen der Leute an“, ist Geimers Eindruck.

Laut einer Studie vom September 2019 des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, können sich fast „25 Prozent der Befragten vorstellen, innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Elektroauto zu kaufen. Für über zehn Prozent sei das schon in den nächsten ein bis zwei Jahren eine Option.“ Da die Entscheidung im Einzelfall davon ab, wie alltagstauglich das Ganze ist.

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