1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Corona-Krise Warum auch selbstgenähte Masken helfen

Kostenpflichtiger Inhalt: Uniklinikum in Homburg klärt auf : Warum auch selbstgenähte Masken helfen

Das erklären Experten des Uniklinikums in Homburg. Zusammen mit der Pfarrei Heilig Kreuz hat man eine Nähanleitung und Hinweise zur Handhabung erarbeitet. Alleine die Pfarrei hat schon 1000 Exemplare gebastelt.

Gerade hat auch Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD) Ehrenamtliche im Rahmen der Aktion „Flinke Finger“ darum gebeten, Masken für Beschäftigte in Gesundheitseinrichtungen zu basteln. Das Seelsorgeteam und die Ehrenamtlichen der Pfarrei Heilig Kreuz in Homburg haben damit schon vergangene Woche angefangen. Um Mund-Nasen-Masken habe das Uniklinikum Homburg vorvergangenen Freitag ersucht, berichtet Gemeindereferent Frank Klaproth. Es würden Masken für den nichtmedizinischen Dienst benötigt, betont er, also für Bereiche am UKS, in denen die Beschäftigten keinen direkten Kontakt zu Patienten haben.

Schnell hätten sich in der Pfarrei nebst einem Organisationsteam ungefähr 250 Helfer gefunden,  die mit dem Masken-nähen begonnen hätten. „Der Aufruf hat eine Lawine losgetreten“, sagt Klaproth erfreut. Zu den Helfern zähle man nicht nur Homburger, sondern auch Menschen beispielsweise aus St. Ingbert, dem Bliesgau und jenseits der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz, etwa nahe Hütschenhausen. Auch einige vom Team des Kinder-Erlebnis-Gottesdienstes „Abenteuerland“  beteiligten sich, ebenso die Pfadfinder. Sie würden den Draht für die Masken zurecht biegen, das beschleunige deren Fertigstellung. Die Freiwilligen holen das Material im Pfarrbüro ab, werkeln zu Hause und bringen die fertigen Bastelprodukte dann zurück. Auch seien Fahrer im Einsatz, die das Material auch vorbeibrächten. An diesem Wochenende wurde die Schallmauer von 1000 Masken durchbrochen, wie Klaproth berichtete.  Wer die Pfarrei Heilig Kreuz unterstützen möchte, kann sich direkt bei Hubertus Heinz melden, E-Mail Hubertus.Heinz@gmx.de.

Gebastelt wird nach einem Muster, das die Pfarrei auf der Homepage veröffentlicht hat. Es wurde von Experten des Uniklinikums erarbeitet. „Wir von der Krankenhaus-Hygiene am UKS haben uns von wissenschaftlicher Seite der privaten Stoffmasken-Produktion angenähert“, beschreibt Dr. Sophie Schneitler aus der Mikrobiologie/Krankenhaus-Hygiene am UKS aktuelle Überlegungen. Viele Köpfe hätten sich nach Literaturrecherche Gedanken gemacht, wie man mit einfachen Mitteln eine gut sitzende Behelfsmaske produzieren könne. In Gemeinschaftsleistung habe man ein Schnittmuster mit Stoffempfehlungen erarbeitet, mit dem man Schritt für Schritt eine textile Behelfsmaske mit optimaler Passform erstellen könne. Der Tragekomfort der Stoffmaske werde durch einen eingenähten biegsamen Nasenbügel optimiert.

„Wir bedanken uns sehr herzlich für die ehrenamtlich erstellten Stoffmasken, die wir gerne in unseren Ambulanzen je nach Bedarf an Patienten und an unser Personal weitergeben“, sagt Professor Wolfgang Reith, Ärztlicher Direktor des UKS. „Wir sind dankbar für jede Initiative, die dazu beitragen kann, das Infektionsrisiko in der Bevölkerung zu minimieren“. Außer der Pfarrei hätten etwa Beschäftigte der UKS-Näherei, Patienten der Tagespflege, die Nähgruppe Nadelspielkinder und Einzelpersonen selbstgenähte Stoffmasken eingereicht.

Generell, so unterstreicht das Uniklinikum in einer Pressemitteilung weiter, seien selbstgenähte Behelfsmasken für Mund und Nase zwar kein Medizinprodukt und sollten deswegen nicht in sensiblen Bereichen im Krankenhaus eingesetzt werden. Doch einen Nutzen hätten diese handgemachten Produkte durchaus. „Wissenschaftlich kann dazu ausgeführt werden, dass eine selbstgenähte Behelfsmaske bei geeigneter Stoffwahl und Nähtechnik sowie korrekter Handhabung durchaus das Potenzial hat, das Ansteckungsrisiko zu reduzieren – eine Studie um wieviel Prozent genau, gibt es bislang nicht“, beschreibt Dr. Sophie Schneitler die Situation. „Es ist aber von vorherigen Studien anzunehmen, dass dieser einfache textile Schutz des Mundes und der Nase besser ist als keiner.“

Dabei geht es bei diesen Behelfsmasken nicht nur um den Eigenschutz, sondern auch um den Schutz der anderen. Wer infiziert ist, also Viren etwa beim Sprechen oder Husten abgebe, aber noch keine Symptome hat, könne so schwerer andere anstecken. Auch das Robert-Koch-Institut habe aktuell hierzu eine positive Einschätzung geliefert. Ein Maskenträger hingegen, der selbst noch nicht infiziert ist, fasse sich womöglich seltener ins Gesicht und minimiere dadurch sein Risiko, Viren auf die Schleimhaut aufzutragen. Klar sei aber: Auch wer eine Maske trage, müsse Abstand halten und sich regelmäßig die Hände waschen.

In der aktuellen Pandemie sei der medizinisch normierte Mund-Nasen-Schutz (MNS) ein rares Gut und werde deshalb wohl überlegt in jenen medizinischen Bereichen eingesetzt, wo dies notwendig ist. Daneben gebe es jedoch viele Situationen – sei es in klinischen Rand- oder Außenbereichen sowie im Alltag zuhause, beim Einkaufen etwa – in denen man sich wünschen würde, das Ansteckungsrisiko minimieren zu können.

Das erprobte Schnittmuster sowie Hinweise zu Materialien und weiterer Handhabung findet man auf der Website des UKS, www.uniklinikum-saarland.de, unter „Aktuelles“.