Wanderung auf dem Premiumwanderweg Brunnenpfad

Unterwegs auf dem Brunnenpfad : Hangarder Herbstsymphonie

Der Hangarder Brunnenpfad ist ein Premiumwanderweg mit allem, was das Herz des Naturfreundes höher schlagen lässt.

Der erfahrene Wanderer durchmisst seine Koordinaten: Kondition, Jahreszeit, Schwierigkeitsgrad. So nicht wir. Am Vorabend ein Spontan-Besuch bei Freunden. Der letzte Italien-Urlaub wird besungen und mit Limoncello begossen. Dem Zitronenlikör geschuldet starten wir erst um die Mittagszeit, wohl wissend um den frühen Sonnenuntergang, der neben einem wunderbaren Farbenspiel auch früh Dunkelheit bringt. Den Schwierigkeitsgrad des Premiumwanderwegs schließlich ignorieren wir gleich völlig und nehmen den Hangarder Brunnenpfad unter die Füße.

Seinem Namen folgend beginnt die Tour am Dorfbrunnen in der Jean-Mathieu-Straße. Mathieu, lesen wir, war wohl der erste Siedler in Hangard. Im Dorf herrscht Samstagmittagsstimmung: Generationenübergreifend bosseln drei Männer am Auto, eine Frau putzt Fenster, die Gartenarbeit ruft. Zugleich liegt über allem eine friedliche Stimmung.

Es geht raus aus dem Dorf zum neuen Eintrittsportal des Brunnenpfades. Nicht zu übersehen mit seinen dicken hoch aufragenden Holzbohlen. Das Tor so hoch, der Mensch so klein. Es fühlt sich ein bisschen an, als wäre das hier der Eingang zum Himmel. Aber es wartet keine Prüfung höherer Mächte auf uns, sondern 15 Kilometer Wanderstrecke. Mit den Nachwirkungen des Vorabends können die ganz schön lang werden. Am Fuße des Berges entlang raschelt trockenes Laub unter unseren Füßen. Wohlige Kindheitserinnerungen werden wach. Was für ein Spaß, wie früher mit den Füßen nah am Boden durch die bunten Blätter zu schlurfen. Unsere erste Begegnung mit einem Lebewesen hier im Wald ist die mit einem Pfauenauge. Der Schmetterling hüpft mehr, als dass er fliegt, setzt sich hier und da vor uns auf den Weg. Zur Linken begleiten uns eine Weile die Gärten des Ortsrandes von Hangard. Münchwies und Frankenholz werden wir gleichermaßen streifen.

Brunnen Nummer zwei ist der Kameradschaftsbrunnen. Sein Namensschild ist das schönste, das wir auf der Runde antreffen. Der Begriff Kameradschaft gibt zu Denken. Er wird heute gleichermaßen vereinend wie ausgrenzend benutzt.

Nach Kilometer drei treffen wir zuerst auf die Oster. Und biegen ab zum Schönbach, den Mühlen- und Brunnenpfad für ein idyllisches Stück der Strecke gemeinsam nehmen. Gegen die Strömung mäandern wir im Schatten mit dem Bach. Auf der gegenüberliegenden Uferseite gibt die Herbstsonne im Hang mit Wiesen und Wald ihr Letztes. Auf dem Wasser schimmern die bunten Blätter wie Schuppen. Der Bach hat sein Herbstkleid angezogen. An der Ebertsquelle trennen sich die Wege der Premiumpfade. Vorbei am Teufelsgraben geht es diesmal für uns weiter in Richtung Münchwies.

Ein wunderbar lauschiges Tälchen empfängt uns, die Heiligenwiese. Auf dem Weg den Hügel hinauf durchströmt uns die Sonne. Oben angekommen wartet zur Belohnung eine Bank mit Blick auf die Streuobstwiese und den laubbunten Hang gegenüber. Die Münchwieser, deren Gärten in dieses Tal weisen, sind um die Aussicht und die Landschaft zu beneiden. Anderthalb Stunden haben wir bis hierher gebraucht und es wird klar: Den Luxus des Trödelns können wir uns nicht länger leisten, wollen wir zumindest im letzten Tageslicht wieder am Auto in Hangard ankommen. Viel zu kurz ist deshalb die Zeit des Verweilens, es geht weiter runter zum Saubach und auf der anderen Talseite erneut steil hinauf in den Wald Richtung Frankenholz. Der Wanderweg führt durch ein eingezäuntes Plant-for-Planet-Areal. Bereits 2008 haben Schüler von siebten und achten Neunkircher Schulklassen dort Bäume für den Umweltschutz gepflanzt.

Die Wegführung der Hangarder Brunnenfreunde fordert unsere Kondition zunehmend. Lichter Laubwald wechselt mit dunklem Tannengrund. Ein Baum-Smiley bedeutet uns, nicht den Mut zu verlieren, auch wenn die Beine müde sind. Kaffee und Kuchen an der Steinberghütte, das klingt verlockend, aber der Weg ist noch weit. Auf geradem Pfad wären es noch dreieinhalb Kilometer bis Hangard. Wir bleiben standhaft, folgen weiter den Schildern unseres Premiumweges und verzichten auf die Stärkung. Auch die schön geschwungene Prunkbank der Brunnenfreunde, mit deren Namen verziert, dient nur einem kurzen Verschnaufen.

Auf dem Lichterkopf wird es kühler, die Sonne steht schon etwas tiefer. Die Aussicht ist einfach phantastisch. Das letzte Tal hinab zur Oster führt am Zimmermannsfels vorbei. Dort steht auf einer Tafel zu lesen, der gleichnamige Pfarrer habe den Fels als Kanzel genutzt. Wir unterstellen ihm einen Hang zur Dramatik. An gleichem Platz bezeugt ein alter Versreim die Einzigartigkeit des Waldes. Der Mensch fürchtet nicht erst seit heute um ihn. Noch einmal treffen wir auf die Oster. In der Abenddämmerung ist sie wunderschön und auch ein bisschen unheimlich. Sie spuckt uns in Hangard wieder aus. Erledigt kommen wir ans Auto – dem erfahrenen Wanderer etwas näher.

Der Hangarder Brunnenpfad bietet auf seinen 15 Kilometern viel Abwechslung. Neben Wald und Wasser erlebt der Wanderer auch beeindruckende Aussichten auf Feld und Flur. Foto: Michael Beer
Am Rand von Münchwies schaut der Wanderer auf die Heiligenwiese. Nur eine von vielen tollen Aussichten auf dem Hangarder Brunnenpfad. Foto: Michael Beer
Ein Baum-Smily ermuntert auf der Strecke. Foto: Michael Beer
Eine schön geschwungene Bank der Hangarder Brunnenfreunde, mit den Namen der Mitstreiter verziert. Foto: Michael Beer

Alle fünf Premiumwanderwege im Kreis Neunkirchen sind im Rahmen der Serie im Internet zu finden unter www.saarbruecker-zeitung.de

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