In Neunkirchen fand die erste Silent Disco statt

Kostenpflichtiger Inhalt: Silent Disco in Neunkirchen : Lauthals mitsingen bei völliger Stille

Centermanagement und Stadtmarketing Neunkirchen luden zur Premiere der Silent Disco beim Late Night Shopping

Mist, der heiße Draht klingt schon wieder auf. Das war’s für die Kandidatin, die von Center-Managerin Nicole Keller mit einem Trostpreis verabschiedet wird. Kurz vor 22 Uhr ist die Bühne im Erdgeschoss des Saarpark-Centers dicht umlagert. Oben am Geländer werden die Plätze rar, jeder will sehen, wer sich da beim Geschicklichkeitsspiel mal geschmeidig, mal schusselig anstellt. Die Spannung steigt. Immerhin wird hier gleich unter Konfetti-Regen ein Auto als Hauptgewinn anlässlich des 30. Center-Geburtstages seinen Besitzer wechseln. Draußen zeigt sich der noch junge November derweil zwar von seiner milden, aber dafür umso feuchteren Seite. Wer nicht unbedingt muss, geht nicht raus. Himmlisch ruhig ist es in der Innenstadt - trotz Disco und gleich drei DJs am Mischpult im bunt angestrahlten Event-Zelt mitten auf dem Stummplatz.

Paradox? Unbedingt, wenn man das Prinzip „Silent Disco“ nicht kennt. Dabei tragen alle Discobesucher beleuchtete Kopfhörer. Mittels Schalter können sie selbst einstellen, welche Musikrichtung und damit welchen DJ sie hören wollen – ersichtlich an der roten, grünen oder blauen Beleuchtung. Am Start waren am Samstagabend DJ Gary Woodapple, DJ Marc Noll und die DJs Wonderboys, deren Sound sich zwischen Rock und House Musik bewegte.

„Es war etwas befremdlich am Anfang“, gesteht Jonas Schmitt (21), „wenn man die Kopfhörer abnimmt und die Leute so abgehen sieht“, ohne zu hören auf was. Aber dann war’s s einfach „cool“. Wobei ab und zu schon was zu hören ist. Stichwort: Mitsingen. Gerade bekennt die halbe Belegschaft „Ich bin dumm, aber glücklich“, synchron zum lautlosen Song der Band Sondaschule. Bei der kurzen Trinkpause draußen meint Robin Caspar (21) es sei „klasse“, dass es sich um ein kostenloses Angebot handelt. „Ich hab noch nie gehört, dass es so was im Saarland gibt“, lobt Meike Friedrich (20) zudem den Mut der Veranstalter Center und Kreisstadt. „Richtig innovativ“, findet die Saarlouiser Studentin das Konzept. Her gekommen ist sie mit Freunden und den Eltern, die sich gleichfalls begeistert zeigten.

Petra und Thomas Friedrich waren extra aus Überherrn her gepilgert. „Die Grundidee ist toll“, schwärmt das Paar. „Wir kannten das von einem Kreuzfahrtschiff.“ Was sie allerdings vermissen, sei ein Schlager-Kanal für mehr Stimmung. Es sei schwierig gewesen, einen DJ in der Party/Schlager-Richtung zu finden, informiert Citymanagerin Jessica Schmidt. Fürs nächste Mal wolle man da aber noch aktiver suchen. Denn das Konzept schreit nach einer Wiederholung. „Eine Option“ sei etwa auch, Silent-Partys im Sommer auf den Bliesterrassen anzubieten.

Besonders effektvoll bei Dunkelheit: Bodypainting mit UV-Schminke, schön in Szene gesetzt von Marion Rüpel, einer Meisterin ihres Fachs. Foto: Anja Kernig

Bereits diesmal als Gewinn erwies sich Marion Rüpel. Die amtierende Nordholländische Meisterin im Amateur-Bodypainting bemalte auf Wunsch Gesichter und Gliedmaßen mit UV-Farben. Im Schwarzlicht leuchteten die Motive dann in allen Neonfarben. Für Marion Rüpel war es die erste Kopfhörer-Disco. „Es ist amüsant zu zugucken, wie jeder nach seinem Rhythmus tanzt. Total witzig.“ Dass man hier mitten in der City Party machen könne, ohne dass die Anwohner belästigt werden, hält sie für eine „super Idee“. Zehn Euro Pfand für die Ausleihe könnte allerdings mancher nicht aufbringen. „Besser wäre, man würde sich stattdessen einen Ausweis geben lassen.“ Auch diese Anregung will das Team um Jessica Schmidt bei einer Neuauflage beherzigen. Alles in allem war der Abend ein Erfolg. Wie erhofft, konnte man eine breite Zielgruppe – vom Teenager bis zu 50/60-Jährigen – erreichen. „Ich bin ganz happy, es hat Spaß gemacht“, strahlte nicht nur die Organisatorin.

Mehr von Saarbrücker Zeitung