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Geschäfte für Hochzeitskleider verkaufen kaum Brautmoden in der Corona-Zeit

Kostenpflichtiger Inhalt: Brautkleider werden derzeit kaum gekauft : Der Traum in Weiß muss erstmal warten

Von der Corona-Krise besonders betroffen sind die Geschäfte für Brautmoden. Paare, die sich jetzt noch trauen, verzichten meist auf besondere Festkleidung, weil die Pandemie keine große Feier zulässt.

„Ich habe Bräute unter meinen Kundinnen, die ihre Hochzeit mittlerweile zum wiederholten Mal verschoben haben“, fasst Kerstin Walter Kraus vom Fachgeschäft Himmelreich in Schwalbach ihre Erfahrungen zusammen. „Sie freuen sich auf ein paar schöne Stunden und entwickeln viele kreative Ideen, trotz der Pandemie Familie und Freunde daran teilhaben zu lassen“, gibt sie die Gefühle und Gedanken ihrer Kundinnen wieder und gibt zu bedenken: „Oft hängt die ganze Lebensplanung an dem Hochzeitstermin. Paare haben vor zu bauen oder planen Nachwuchs. Deshalb wollen sie nicht mehr verschieben.“

Anders als die Standesämter (wir berichteten) leiden die Brautmoden spürbar unter der Pandemie. Die Geschäfte laufen nun schon seit einem Jahr verhalten: Seit April 2020 hat Kerstin Walter Kraus ihren Laden deswegen auch unter der Woche nur noch nachmittags geöffnet, samstags nur vormittags, und mittwochs ist komplett geschlossen. Da das Geschäft über zwei Etagen geht, können pro Termin zwei Kundinnen beraten werden. Die Pflicht eines negativen Tests sei kein Hindernis, bislang habe noch keine Kundin deswegen ihren Termin abgesagt. Noch vor zwei Wochen seien die Termine komplett ausgebucht gewesen, aber seit vergangener Woche sei es merklich ruhiger.

Die Paare seien auch durch die sich ständig ändernden Verordnungen und Bestimmungen verunsichert, wobei vor allem die Gastronomie eine wichtige Rolle spiele. Eine Hochzeit komplett im Freien zu planen, berge ein hohes Risiko, auch wenn das aktuell mit negativ getesteten Gästen möglich sei. Eine andere Kundin hatte ihr berichtet, dass ihr für die kirchliche Trauung 60 Gäste während der Zeremonie in der Kirche genehmigt worden seien.

 Die Geschäfte für Hochzeitsmoden machen seit einem Jahr harte Zeiten durch. 
  Foto: Oliver Morguet
Die Geschäfte für Hochzeitsmoden machen seit einem Jahr harte Zeiten durch. Foto: Oliver Morguet Foto: Oliver Morguet

„Einige meiner Kundinnen hatten ihre Hochzeit für Mai oder Juni geplant, aber den Termin verschoben, weil ihnen die aktuelle Corona-Lage zu heikel war“, berichtet Sabine Deller-Goffing. Sie betreibt im Nalbacher Ortsteil Bilsdorf ihr Geschäft Bines Brautlädchen, das seit vergangener Woche wieder, nach vorheriger Terminvergabe, besucht werden kann. „Dass dafür jetzt wegen der Corona-Ampel auf Gelb auch noch ein negativer Test erforderlich ist, ist bislang kein Hemmschuh“, fasst sie ihre Erfahrungen zusammen. Manch eine Kundin, die jetzt wegen der Pandemie nur standesamtlich heiratet, verzichte auf eine festliche Robe und hebe sich das aufwändige Brautkleid für die kirchliche Trauung und die große Feier mit der Familie, Freunden und Bekannten auf.

Ähnlich sieht das auch Holger Becker, der in der Dillinger Hüttenwerkstraße mit Curvytraum by Brauthaus ein Fachgeschäft für Brautmoden in großen Größen führt: „Es wird zwar nach wie vor standesamtlich geheiratet, aber meist nur in einem ganz kleinen Kreis. Dafür kaufen sich die meisten Bräute kein besonders festliches Kleid.“ Das Problem seien aktuell die Kontaktbeschränkungen und die fehlende Gastronomie. Anders als Sabine Deller-Goffing sieht er in dem negativen Test sehr wohl eine zusätzliche Hemmschwelle. Er hoffe nun vor allem auf eine schnelle Durchimpfung der Bevölkerung und eine baldige Rückkehr zur Normalität.

Axel Peifer, der mit seinem Geschäft Exclusiv-Brautmoden Anfang April von Schmelz nach Merzig umgezogen war, geht davon aus, bei der aktuellen Entwicklung der Pandemie mit stark steigenden Infektionszahlen schon bald wieder schließen zu müssen. Corona habe schon das vergangene Jahr sehr negativ beeinflusst, und leider sei auch in diesem Jahr keine Besserung in Sicht. Die ständigen Änderungen der Corona-Verordnungen stellten ihn nahezu täglich vor neue Herausforderungen. Aktuell bewährt habe sich, nur für Einzeltermine zu öffnen. Und auch die Kunden seien extrem verunsichert: „Manche rufen an, ob sie einen negativen Test bräuchten oder bereits geimpft sein müssten.“