Polizei hat mehr Bewerber: Lob und Kritik von Gewerkschaften

Kostenpflichtiger Inhalt: Polizei-Gewerkschaften : Freude über viele Bewerber für Polizeidienst – Kritik an Auswahlverfahren und Besoldung

Deutlich mehr Menschen wollen Polizist werden. Allerdings hapert es nach Gewerkschaftsangaben an Einkommen. Langwierige Prüfungen zur Auswahl der Bewerber erschwerten den Dienstantritt ebenso.

Mit einer zielgerichteten Werbeoffensive hat Saar-Innenminister Klaus Bouillon (CDU) erreicht, dass die Bewerberzahlen für den Polizeidienst binnen eines Jahres um 50 Prozent zulegten. Mehr als 900 Menschen hätten sich gemeldet, berichtet der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Saarland, David Maaß. Gleichzeitig lobt er diesen Werbefeldzug für den Vollzugsdienst.

Allerdings müssten jetzt auch die Rahmenbedingungen verbessert werden, fordert er. Ein attraktiver Beruf hänge unter anderem von einer „gesunden Arbeitsbelastung, einer überdurchschnittlichen Besoldung und lukrativen Karrieremöglichkeiten“ ab, teilt Maaß schriftlich mit. Und genau hier liege das Saarland hinter anderen Bundesländern zurück. Insbesondere im Vergleich zur Bundespolizei klaffe die Schere weit auseinander. Maaß: „Es ist dann nur verständlich, dass junge Menschen von der Besoldung und den Beförderungschancen anderer Polizeien angezogen werden. Demnach verdienten Bundespolizisten bis zu 644 Euro mehr im Monat als die saarländischen Kollegen. Hier habe das Saarland Nachholbedarf.

DPolG-Chef Sascha Alles (links) und GdP-Vorsitzender David Maaß. Foto: DPolG/GdP (Montage: Matthias Zimmermann/hgn)

Kritisch beäugt Maaß’ Kollege Sascha Alles das Auswahlverfahren. Der Saarchef der konkurrierenden Deutschen Polizei-Gewerkschaft (DPolG) schlägt Änderungen vor. So habe das Saarland „bundesweit das längste Auswahlverfahren aller Länder bei der geringsten Gesamteinstellungszahl im Ländervergleich“. So fordert Alles statt Prüfungen auf Papier Online-Fragen, wie es beispielsweise an Universitäten längst gang und gäbe sei. „Sonst verlieren wir potenziell gute Bewerber, weil wir zu langsam sind“, wird Alles in einer Pressemitteilung seiner Gewerkschaft zitiert.

Und wie Maaß von der GdP fordert er eine bessere Besoldung der Polizei. Hier hatte zuletzt der GdP-Vorsitzende Maaß verlangtdie während der Dienstzeit gewährte Polizeizulage auch im Ruhestand anzurechnen. Das ist seit Jahren im Saarland nicht mehr der Fall.

Bei den konkurrierenden Gewerkschaften sind nach eigenen Angaben rund 2700 Mitglieder bei der GdP, 400 bei der DPolG organisiert.

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