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Labor in St. Ingbert: Wie der Corona-Test im Saarland abläuft

Kostenpflichtiger Inhalt: Zahlen aus dem Labor : Mehr Corona-Tests im Saarland als anderswo?

Wenn im Saarland jemand einen Corona-Test machen lässt, kommt das Ergebnis meist aus einem Labor in St. Ingbert. Dort treffen an einzelnen Tagen über 1000 Teströhrchen ein. Werden mehr Abstriche registriert als anderswo?

Wer nach Bildern für die Corona-Krise sucht, stößt schnell auf das Teströhrchen. Einen schmalen Zylinder aus Plastik, in dem Abstriche von möglichen Erkrankten im Labor ankommen. Eines dieser Labore, das größte im Saarland, befindet sich in St. Ingbert. Beim MVZ Labor Saar landen die meisten Röhrchen aus der Region. Noch vor einem Monat waren es kaum mehr als 50, nun treffen an manchen Tagen über 1000 Proben zum Coronavirus ein. Sie kommen von den sechs Teststationen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Land, aber auch Ärzte und Krankenhäuser schicken Abstriche aus dem Rachen von Patienten. Mittlerweile läuft der Laborbetrieb an sieben Tagen in der Woche, rund um die Uhr, in drei Schichten.

Blick in die Corona-Teststation der Kassenärztlichen Vereinigung auf dem Messegelände in Saarbrücken. Foto: BeckerBredel

Im Saarland stiegen die gemeldeten Corona-Fallzahlen in der vergangenen Woche rasanter an als in den übrigen Bundesländern. Das zeigten Datenanalysen unserer Zeitung und überregionaler Medien. Gegenwärtig verlangsamt sich der tägliche Anstieg zwar. Doch woran lag das gesteigerte Tempo in der Region? Wird hier mehr getestet als anderswo, gibt es mehr Infizierte? Oder haben die Labore nur den „leichten Rückstau“ an Teströhrchen aufgelöst, von dem die KV kürzlich sprach?

Dass der Anstieg auf die „abgearbeiteten Ergebnisse aus dem Labor“ zurückgehen könnte, vermutet KV-Chef Gunter Hauptmann. „Die Testhäufigkeit scheint mir im Bundesschnitt zu liegen.“ Zuletzt registrierte die KV an ihren Teststationen unter der Woche mit 350 bis 450 Abstrichen täglich eine gleichbleibende Nachfrage. Die Positivrate im Saarland beziffert Hauptmann auf acht Prozent. „Also unverändert.“

Hendrik Borucki ist Sprecher von Bioscientia, einem Zusammenschluss von 19 Laboren bundesweit, zu dem auch das MVZ in St. Ingbert gehört. Das größte Privatlabor im Saarland zählt im Verbund zu den mittelgroßen Einrichtungen. Mehr als 4100 Teströhrchen gingen dort in der vorigen Woche ein. Bioscientia analysierte mit seinen Laboren in diesem Zeitraum insgesamt 25 600 Corona-Proben. Zum Vergleich: Bundesweit lag die Testzahl nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei rund 393 000 Tests, von denen neun Prozent positiv ausfielen.

„Es gibt mehr Tests und mehr positive Ergebnisse“, sagt Borucki. Damit lässt sich jedoch nicht erklären, weshalb das Saarland im Ländervergleich die höchsten Zuwachsraten hatte. Denn der Trend gilt für die gesamte Republik. Überall sind die Testzahlen gestiegen. „Ich glaube nicht, dass im Saarland in den Laboren mehr getestet wird als in anderen Regionen“, sagt Borucki. Seriös könne er das aber nicht beantworten. Die Positivrate des Labors in St. Ingbert lag in der vergangenen Woche bei 11,4 Prozent – also leicht über dem Durchschnitt im Bund.

Seit dem 5. März kann das Labor im Saarland selbst Abstriche auf das neuartige Coronavirus untersuchen, im Verfahren der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion. Das Erbgut des Erregers, seine RNA, wird in DNA übersetzt und dann so vervielfältigt, dass sich das Virus Sars-Cov-2 nachweisen lässt. Dazu nutzen die Mitarbeiter eine Maschine, die täglich 600 Testergebnisse liefert. Kommen mehr Röhrchen an, bringen Kuriere den Überschuss über Nacht nach Ingelheim oder Berlin. Bis ein Ergebnis vorliegt, vergehen laut Borucki maximal 48 Stunden. „Das können wir sicherstellen“, sagt der Bioscientia-Sprecher.

Eine Mitarbeiterin des Labors in St. Ingbert, in dem die meisten Proben zum neuartigen Coronavirus untersucht werden, mit den Teströhrchen. Foto: BeckerBredel

Das war nicht immer so. In der zweiten Märzhälfte gingen den Laboren wegen der steigenden Nachfrage auf dem Weltmarkt die Reagenzien aus, die Chemikalien also, die sie für das Testverfahren benötigen. „Überall in Deutschland hatten wir Schwierigkeiten, an die Reagenzien für diese spezielle Laboruntersuchung zu kommen“, erklärt Borucki. Am 21. März, einem Samstag, traten im Saarland die Ausgangsbeschränkungen in Kraft. In der folgenden Woche meldeten laut Robert-Koch-Institut gut drei Viertel der Testlabore in Deutschland einen Engpass bei den Reagenzien. Auch in St. Ingbert stauten sich wegen fehlender Chemikalien die Proben, kurzfristig hätten die Kollegen des Universitätsklinikums mit Corona-Testkits ausgeholfen, berichtet Borucki. Doch das reichte nicht aus, nun begann man damit, die Röhrchen aus dem Saarland von anderen Laboren aus dem eigenen Verbund abarbeiten zu lassen. „Seitdem herrscht Ruhe“, sagt Borucki.

Obwohl es sich nicht um ein lokales Phänomen handelte, könnte der aufgelöste Rückstau zum raschen Anstieg der Fallzahlen im Saarland beigetragen haben. Zugleich kam das Virus in Altenheimen an. Auch das steigerte die gemeldeten Neuinfektionen. In St. Ingbert soll demnächst eine neue Testmaschine die tägliche Kapazität auf 1600 Untersuchungen erhöhen. „Das Labor steht unter großem Druck“, sagt Borucki.

Eines soll nicht möglich sein: Die vom Gesundheitsministerium gewünschte und auch von der Kassenärztlichen Vereinigung bei ihren Ärzten angestoßene „Priorisierung der Abstriche“. Was bedeutet, dass Teströhrchen in Kategorien eingeteilt und gestaffelt untersucht werden sollen. „Wir können das in der Routine nicht machen, das ist ein frommer Wunsch“, sagt Borucki. „Sowas ist nicht praktikabel.“ Jedoch werden manche der schmalen Zylinder schon länger schneller geöffnet als andere. Borucki erklärt: „Wenn wir derzeit etwas bevorzugen, dann die Krankenhauspatienten, weil das dann auch die Kranken sind.“