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Nach den Mid-Terms
Trump setzt Justizminister an die Luft

Jeff Sessions ist Trump schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt muss er seinen Posten räumen.
Jeff Sessions ist Trump schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt muss er seinen Posten räumen. FOTO: dpa / Pablo Martinez Monsivais
Washington. Jeff Sessions erzwungener Rücktritt könnte das Aus für die lästigen Russland-Ermittlungen bedeuten. Von Frank Herrmann

Wie Donald Trump über Jeff Sessions denkt, hat Bob Woodward in seinem Enthüllungsbuch „Fear“ prägnant beschrieben. Demnach verspottet der Präsident den Politikveteranen aus Alabama bisweilen als hinterwäldlerischen Südstaatler, dessen Intelligenzquotient zu wünschen übrig lasse. Der Mann, gab er einmal zum Besten, tauge nicht mal zum Provinzanwalt einer Ein-Mann-Kanzlei in Alabama.


Dass die Entlassung des Justizministers Sessions nur eine Frage der Zeit sein würde, darin waren sich so ziemlich alle Beobachter in Washington einig. Zu oft hatte sich Trump in zornigen Tweets über den Ex-Senator beschwert, ihn einen Schwächling genannt, weil er ihn nicht vor den Russland-Ermittlungen schütze. Dass er nun seinen Rücktritt erzwang, war alles andere als eine Überraschung. Überraschend war höchstens, mit welcher Eile er Sessions den Dienst quittieren ließ, am Tag nach den Kongresswahlen, als nicht einmal alle Ergebnisse feststanden. In den Wochen vor dem Votum hatte es Trump tunlichst vermieden, den Streit mit Sessions hochkochen zu lassen. Es hätte schwankenden Wählern womöglich Anlass gegeben, auf Distanz zu den Republikanern zu gehen. Nach der Wahl glaubt der Präsident, solche Rücksichten nicht mehr nehmen zu müssen.

Mit der kommissarischen Besetzung des Amts macht er deutlich, was vor allem er vom Chef des Justizressorts erwartet: bedingungslose Loyalität. Ergebene Treue in einer Phase, da Trump offensichtlich mit dem Gedanken spielt, die Nachforschungen des Sonderermittlers Robert ­Mueller abzuwürgen.



Matthew Whitaker, vom Stabschef des Ressorts zum amtierenden Justizminister befördert, hat im Sommer vor einem Jahr in einer Art Handlungsanleitung skizziert, wie man Mueller ausbremsen könnte, ohne ihn feuern zu müssen. In einem Interview mit CNN beschrieb er ein Szenario, in dem Sessions geht, eine Interimsregelung greift und der dann vorübergehend Agierende Mueller zwar weitermachen lässt, sein Budget aber „auf ein so niedriges Niveau reduziert, dass die Untersuchung fast komplett zum Stillstand kommt“. Mueller, schrieb Whitaker zudem in einem Meinungsbeitrag, sei gefährlich nah daran, eine rote Linie zu überschreiten, wenn er die Finanzen des Präsidenten unter die Lupe nehme. Derartige Recherchen seien nicht gedeckt durch den Auftrag, den er erhalten habe. Die meisten Rechtsexperten sehen das anders, im Oval Office indes dürfte man einmal mehr sehr zufrieden mit Whitaker gewesen sein. Er sei das Auge und Ohr des Weißen Hauses im Justizministerium, hat John Kelly, der Stabschef der Regierungszentrale, die Rolle des einstigen Staatsanwalts aus Iowa einmal charakterisiert.

Kein Wunder, dass Whitakers Berufung Spekulationen befeuert, nach denen Trump einen Showdown mit Mueller anstrebt, eine Machtprobe, die dem ehemaligen FBI-Direktor die Flügel stutzen soll. Schließlich hätte er auch Rod Rosenstein, Sessions‘ Stellvertreter, vorübergehend mit der Leitung des Ressorts beauftragen können. Rosenstein aber steht im Ruf eines unbestechlichen Beamten, der sich weigert, politischem Druck nachzugeben. Es war Rosenstein, der Mueller als Sonderermittler einsetzte, um dem Verdacht geheimer Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und dem Kreml nachzugehen. Sessions hatte sich seinerzeit für befangen erklärt, da er sich als Kampagnenberater Trumps mehrfach mit dem damaligen russischen Botschafter Sergej Kisljak getroffen und dies zunächst unterschlagen hatte. Der Präsident hat es ihm nie verziehen. „SEHR schwach“, urteilte er vor Monaten via Twitter über Sessions.