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| 21:19 Uhr

Säbelrassel in Pjöngjang
Nordkorea provoziert mit Militärparade

Bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentierte das nordkoreanische Regime auch Raketen aus seinem Arsenal.
Bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentierte das nordkoreanische Regime auch Raketen aus seinem Arsenal. FOTO: Uncredited / dpa
Pjöngjang/Seoul. Ein neues Säbelrasseln in Pjöngjang widerspricht der versöhnlichen Sportdiplomatie des Regimes am Rande der Winterspiele in Südkorea.

Vor der heutigen Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Südkorea hat Nordkorea mit einer großen Militärparade wieder die Spannungen angeheizt. Mit der martialischen Waffenschau gestern in Pjöngjang wollte Machthaber Kim Jong Un trotz seiner jüngsten Annäherung an Seoul noch mal militärische Stärke demonstrieren. Als Signal an US-Präsident Donald Trump wurden nach Berichten südkoreanischer Fernsehsender auch Langstreckenraketen vom neuen Typ Hwasong-15 präsentiert, die nach amerikanischen Befürchtungen das Festland der USA erreichen können.

Bei einem Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence in Seoul bekräftigte Südkoreas Präsident Moon Jae In, dass seine Regierung fest zur Allianz mit Washington stehe. Das Bündnis sei die Säule für die Bemühungen, Nordkorea zum Verzicht auf sein Atomprogramm zu bringen, sagte Moon laut Yonhap. Pence wollte an der heutigen Eröffnungsfeier der Winterspiele in Pyeong­chang teilnehmen. Dann sollte auch eine hohe nordkoreanische Delegation im Stadion sein.

Möglichen Gesprächen mit der US-Delegation am Rande der Spiele erteilte Nordkorea jedoch eine Absage. Beide Koreas werden gleichwohl Spitzengespräche führen. Moon wird morgen Kim Jong Uns einflussreiche Schwester Kim Yo Jong und andere Mitglieder der nordkoreanischen Delegation empfangen. Es ist das erste Mal, dass ein Mitglied der Kim-Familie das Nachbarland besucht. Die Delegation unter Leitung des protokollarischen Staatsoberhauptes von Nordkorea, Kim Yong Nam, sollte heute mit einem Privatjet anreisen.

Die versöhnliche Sportdiplomatie stand allerdings im krassen Gegensatz zu dem Säbelrasseln in Pjöngjang kurz vor ihrer Ankunft. Von einem Balkon aus nahm Kim Jong Un mit schwarzem Mantel und Hut gemeinsam mit seiner Frau die Waffenschau ab. Raketen, Panzer, Artilleriegeschütze und andere Militärfahrzeuge rollten über den nach seinem Großvater Kim Il Sung genannten Platz in der Hauptstadt. Im Stechschritt marschierten Tausende Soldaten an dem jungen Führer und zahlreichen Militär- und Parteivertretern vorbei.

Die Militärparade schien nach Ansicht von südkoreanischen Beobachtern zwar zurückhaltender, kürzer und weniger waffenstarrend als zuletzt im April gewesen zu sein, aber die Langstreckenraketen unterstrichen die Drohung, auch die USA treffen zu können. „Wir müssen die Aggressoren am Versuch hindern, unsere Würde und Souveränität auch nur um 0,001 Millimeter zu verletzten oder zu verhöhnen“, sagte Kim Jong Un zu den Truppen.

Experten meinten, dass mit der Hwasong-15 und dem Vorgängermodell Hwasong-14 mehr Interkontinentalraketen als je zuvor gezeigt wurden. Es demonstriere auch Nordkoreas Fähigkeit, diese Raketen im größeren Stil produzieren zu können. Wie immer ließ sich aber nicht sagen, ob die gezeigten Langstreckenraketen auch wirklich einsatzfähig waren. Kim Jong Un beschrieb die „strategischen Streitkräfte“ als ein mächtiges und wertvolles „Schwert“, um das Land gegen die feindliche Politik der USA zu verteidigen. Die Militärparade unterstreiche den Status Nordkoreas als Militärmacht der Weltklasse.

Nordkorea hatte den gestrigen Donnerstag erst vor wenigen Wochen und offenbar mit Blick auf die Winterspiele für die Militärparade ausgesucht, um den 70. Jahrestag der Gründung der Armee des Landes zu feiern. Das Muskelspiel überschattet den Auftritt der nordkoreanischen Sportler an der Seite ihrer südkoreanischen Kollegen bei den Winterspielen. Kritiker sahen eine Provokation, die die versöhnlichen Gesten der vergangenen Wochen wieder in Frage stellten.