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Pflegeeinrichtungen
Kästchen statt Noten beim neuen Pflege-Tüv

Welches Pflegeheim ist das beste für einen Angehörigen? Diese Frage soll der sogenannte Pflege-Tüv künftig noch besser beantworten. Die Qualitätsbewertung wurde überarbeitet.
Welches Pflegeheim ist das beste für einen Angehörigen? Diese Frage soll der sogenannte Pflege-Tüv künftig noch besser beantworten. Die Qualitätsbewertung wurde überarbeitet. FOTO: dpa / Christian Charisius
Berlin. Wissenschaftler legen ein umstrittenes Konzept mit überarbeiteten Bewertungs-Kriterien vor. Die Reform soll im Herbst 2019 starten. Von Stefan Vetter

Wer ein passendes Pflegeheim für sich oder seine Angehörigen finden will, hat es schwer. Denn den Einrichtungen sieht man nicht gleich an, ob sie gut oder schlecht sind. Eine neue Qualitätsbewertung soll nun für Abhilfe sorgen. Dass Echo auf den von Wissenschaftlern unterbreiteten Vorschlag ist allerdings verhalten.


Den sogenannten Pflege-Tüv gibt es schon seit rund zehn Jahren. Doch das System ist in Verruf geraten. Selbst Einrichtungen mit mäßiger oder gar schlechter Versorgungqualität erhalten gute Noten. Denn Defizite bei den pflegerischen Leistungen können zum Beispiel durch einen vorbildlichen Speiseplan oder sinnvolle Freizeitmöglichkeiten für die Heimbewohner teilweise wettgemacht werden. So kommt es, dass die Heime in Deutschland aktuell auf eine sehr gute Durchschnittsnote von 1,2 kommen. Letztlich ist das ein irreführender Wert, dessen Zustandekommen von Experten immer wieder kritisiert wurde.

Vor zwei Jahren nahm deshalb der „Qualitätsausschuss Pflege“ aus Vertretern der Pflegekassen und Pflegeeinrichtungen seine Arbeit auf. Die von dem Gremium beauftragten Wissenschaftler unter Federführung der Uni Bielefeld legten nun ein Konzept vor, wonach die bisherigen Benotungen durch ein Fünf-Punkte-Symbol sowie vier quadratische Kästchen abgelöst werden sollen. Im Mittelpunkt steht dabei die Pflegequalität. Konkret zum Beispiel, wie es um die Selbständigkeit im Alltag der Heimbewohner bestellt ist. Oder ob sich Pflegbedürftige im Bett durch mangelnde Fürsorge wundliegen. Kriterien wie etwa gutes Essen spielen dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle. Das Punkte-Symbol beruht auf Daten, die von den Heimen selbst erfasst werden. Die quadratischen Kästen wiederum sind das Ergebnis externer Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Die Kästchen stehen für vier Bewertungskategorien, die von „keinen oder geringen Qualitätsdefiziten“ über „moderate“ und „erhebliche“ bis hin zu „schwerwiegenden“ Defizite reichen.



Fachleute befürchten, dass interessierte Laien durch die Fülle dieser Daten und Details überfordert sein könnten, um zu einem eigenen Urteil für die richtige Auswahl eines Heims zu kommen. „Das vorgeschlagene Punktesystem der Wissenschaftler ist nicht benutzerfreundlich“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Vielmehr brauche es eine Gesamtnote und pflegerelevante K.o.-Kriterien, so Brysch. „Dazu gehören die Schmerz­therapie und die Verhinderung von Wundgeschwüren, die Gabe von Medikamenten sowie die Behandlungspflege“. Ein neuer Pflege-Tüv müsse leicht verständlich sein, die Praxis abbilden und eine schnelle Vergleichbarkeit ermöglichen. Der Gesundheitsexperte und SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach äußerte sich ebenfalls kritisch. Zwar seien die Vorschläge geeignet, „die Unterschiede zwischen den einzelnen Pflegeeinrichtungen klarer zu machen, weil nicht alle Einrichtungen automatisch gut bewertet werden“. Die Informationen könnten aber sicher noch vereinfacht werden. „Es muss noch an besseren Zusammenfassungen der Ergebnisse gearbeitet werden“, erklärte Lauterbach. Die Pflegeexpertin der Grünen, Kordula Schulz-Asche, nannte es grundsätzlich richtig, im neuen Prüfungsverfahren den Blick mehr auf fachliche Aspekte zu richten.

Das weitere Vorgehen ist nun Verhandlungssache der Selbstverwaltung von Pflegekassen und Pflegeanbietern. Nach Angaben Lauterbach soll der neue Pflege-Tüv spätestens im Herbst 2019 starten.