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Kommentar
Gabriel wirbt – und Schulz bebt

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Wahre Freunde dürften Sigmar Gabriel und Martin Schulz in ihrem politischen Leben nicht mehr werden. Dazu ist Gabriel zu sehr auf dem Ego-Trip. Erst jüngst suchte der vormalige SPD-Chef seiner Partei eine Debatte über „Heimat“ und „Leitkultur“ aufzudrängen.

Und nun verkündete Gabriel auch noch Skepsis über eine Minderheitsregierung in Deutschland, weil die wegen ihrer Instabilität „zum Beben“ in Europa führen könne. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird allerdings erst einmal Martin Schulz gebebt haben. Widerspricht die Einlassung von Gabriel doch fundamental der Linie seines Nachfolgers, mit der Union „ergebnisoffen“ über eine Regierungsbildung zu sondieren. Im Kern ist Gabriels Skepsis ein Werben für die große Koalition – und damit auch ein Werben in ganz eigener Sache. Denn er möchte gern Außenminister bleiben. Genau dieser Umstand dürfte vielen Genossen besonders sauer aufstoßen. Dabei wäre es die ureigene Aufgabe von Schulz, den verunsicherten Sozialdemokraten die Skepsis über die Neuauflage einer schwarz-roten Koalition zu nehmen. Denn aktuell ist das immer noch die bessere Möglichkeit unter allen schlechten. Dazu muss Schulz allerdings auch führen. Gegenwärtig, so scheint es, lässt er sich eher treiben. Womöglich bis zur Weißglut.