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Leistungs-Erschleichung
Fahndung nach Kindergeld-Betrügern

Babystrampler trocknen auf einer Wäscheleine. In dieser Familie leben ganz offensichtlich Kinder. Die Familienkassen fürchten allerdings, dass es einige Fälle gibt, in denen die Existenz des Nachwuchses nur vorgetäuscht wird, um Kindergeld zu kassieren.
Babystrampler trocknen auf einer Wäscheleine. In dieser Familie leben ganz offensichtlich Kinder. Die Familienkassen fürchten allerdings, dass es einige Fälle gibt, in denen die Existenz des Nachwuchses nur vorgetäuscht wird, um Kindergeld zu kassieren. FOTO: dpa / Jan Woitas
Berlin. Mit spezieller Software wollen die Familienkassen Personen auf die Schliche kommen, die Leistungen für nicht existente Kinder kassieren.

Die Familienkassen wollen vom kommenden Jahr an in allen deutschen Großstädten nach Betrugsfällen mit Kindergeld fahnden. Mithilfe spezieller Computerprogramme und in Kooperation mit dem Zoll, Schulämtern, den Einwohnermeldeämtern, Steuerbehörden sowie ausländischen Sozialämtern sollten Familien aufgespürt werden, die etwa mit gefälschten ausländischen Geburtsurkunden oder Pässen staatliche Leistungen für nicht existente Kinder kassieren, berichtete der „Spiegel“ am Freitag.


In Wuppertal und Düsseldorf seien kürzlich bei der Kontrolle von 100 Verdachtsfällen 40 ungerechtfertigte Anträge gefunden worden, sagte Karsten Bunk, Leiter der Familienkasse bei der Bundesagentur für Arbeit, dem Magazin. So seien rund 400 000 Euro Kindergeld zu Unrecht ausgezahlt worden.

Hintergrund der Diskussion ist, dass die Zahl von ausländischen Kindergeldempfängern ein Rekordniveau erreicht hat. Zudem haben die Behörden vermehrt Hinweise auf Betrugsfälle. Deutschland zahlt nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ für 15,29 Millionen Kinder ein Kindergeld, davon sind rund drei Millionen Ausländer. Die meisten dieser ausländischen Kinder wohnen in Deutschland. 268 336 Kinder beziehen im europäischen Ausland Kindergeld vom deutschen Staat.



Der CDU-Politiker und Abgeordnete im Europäischen Parlament, Sven Schulze, verlangte im SWR eine Gesetzesänderung. „Deshalb fordern wir die Anpassung an die Lebenshaltungskosten, die nun mal in Deutschland anders als in Rumänen, Polen oder Ungarn sind.“ Im Europäischen Parlament blockierten die Sozialdemokraten eine Änderung. Deshalb äußerte sich der CDU-Politiker verwundert darüber, dass in Deutschland die Diskussion von SPD-Oberbürgermeistern losgetreten worden sei. „Da sollten sie vielleicht mal mit ihren Kollegen in Brüssel sprechen, bevor sie in Deutschland Änderungen fordern.“ Zugleich warnte er davor, alle Zuwanderer zu kriminalisieren.

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock erklärte dagegen, die Debatte über die Auszahlung von Kindergeld für EU-Bürger sei unredlich und untergrabe das soziale Europa. 98 Prozent aller Kinder, für die Kindergeld gezahlt werde, lebten in Deutschland. Und dass bei den anderen die Eltern, die hierzulande im Bau oder in der Pflege sozialversicherungspflichtig arbeiteten, Unterstützung für ihre Kinder bekämen, auch ohne Wohnsitz in Deutschland, sei fair und folge europäischem Recht.

Auch die Abgeordneten der SPD im Europaparlament sehen die laufende Diskussion kritisch: „Wir sollten aufpassen, dass wir EU-Bürger, die in Deutschland arbeiten und Steuern zahlen, nicht in Kollektivhaft nehmen, weil eine kleine Gruppe von Menschen das deutsche Sozialsystem missbraucht“, sagte SPD-Gruppenchef Jens Geier.