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Aachener Karlspreis für Andrea Riccardi

Aachen. Der diesjährige Internationale Karlspreis ist gestern in Aachen an den Gründer der katholischen Laienbewegung Sant'Egidio, den Italiener Andrea Riccardi, verliehen worden. In seiner Laudatio würdigte der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments und Karlspreisträger 2004, Pat Cox, Riccardi als "Mann mit ganz besonderen Verdiensten"

Aachen. Der diesjährige Internationale Karlspreis ist gestern in Aachen an den Gründer der katholischen Laienbewegung Sant'Egidio, den Italiener Andrea Riccardi, verliehen worden. In seiner Laudatio würdigte der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments und Karlspreisträger 2004, Pat Cox, Riccardi als "Mann mit ganz besonderen Verdiensten". Der Preisträger stehe für die "Hoffnung auf Frieden und Versöhnung" in der Weltgesellschaft. In seiner Dankesrede rief Riccardi zum politischen und gesellschaftlichen Engagement der Europäer auf. Der Kontinent dürfe keine "Eigentümergemeinschaft" sein. Die Bürger und Regierungen Europas müssten in ihrer gemeinsamen Demokratie für eine bessere Welt streiten, sagte Riccardi und rief zur Teilnahme an der Europawahl am 7. Juni auf. Ohne ein starkes Europa drohten die "europäischen Werte der Freiheit, des Friedens und der Menschlichkeit" verloren zu gehen, betonte Riccardi. Europa müsse beim Kampf gegen das Leid auf der Welt vorangehen, forderte Riccardi. Europa dürfe sich gerade wegen seiner historischen Verantwortung nicht aus Afrika zurückziehen. Die Unterstützung des Kontinents sei auch deshalb geboten, da Europa selbst immer stärker zum Fluchtziel zahlreicher verzweifelter Menschen aus Afrika werde. Aachens Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD) bezeichnete Riccardi als "großen Europäer". Für den Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Michel Camdessus, sind Riccardi und seine Mitstreiter eine Gegenbewegung zu einem "Weltsystem der Gier", das mit der Krise zusammengebrochen sei. Riccardi ist gebürtiger Römer und hat 1968 als Gymnasiast mit einigen Freunden die Gemeinschaft von Sant'Egidio im römischen Stadtteil Trastevere gegründet. Die Laienbewegung, die sich die Freundschaft mit den Armen, die Ökumene, Nächstenliebe und den Dienst am Frieden zum Ziel gesetzt hat, zählt mittlerweile über 50 000 Mitglieder in mehr als 70 Ländern. ddp