Tattoo-Entfernung mit Laser und Ultraschall

Kostenpflichtiger Inhalt: Beauty : „Es ist heute cooler, kein Tattoo zu haben“

Eine Tätowierung loszuwerden, ist belastend und teuer. Eine neue Methode kombiniert Laser und Ultraschall.

Sich ein Tattoo stechen zu lassen, dauert manchmal nur eine Stunde. Es wieder loszuwerden, kann sich über Monate hinziehen. Grund dafür ist die aufwendige Laser-Behandlung, die notwendig ist, um Farbpigmente wieder aus der Haut zu entfernen. „Die Gründe, warum Menschen ihr Tattoo loswerden wollen, sind vielfältig“, berichtet der Karlsruher Hautarzt und Laser-Experte Professor Dr. Christian Raulin, „manchmal ist das Tattoo nicht so geworden, wie sie sich das vorgestellt haben. Da sieht der Adler zum Beispiel aus wie eine Taube. Manchmal wurde der Name des Partners eintätowiert und der ist wieder weg. Manchmal wollen Tattoo-Träger auch einfach auf der gleichen Stelle etwas Neues stechen lassen und brauchen Platz.“

Mehr als jeder fünfte Deutsche ist tätowiert, 21 Prozent, hat das Ipsos-Institut in einer Umfrage 2019 herausgefunden. Der Anteil der Tätowierten hat sich in den letzten sieben Jahren verdoppelt. Ein Tattoo oder mehrere als Körperschmuck zu tragen, ist nichts Besonderes mehr. Doch ein Gegentrend deutet sich an: Es sei heute „cooler und schöner“, kein Tattoo zu haben, sagte Fußballprofi Kevin-Prince Boateng kürzlich in einem Interview. Dabei ist sein Körper selbst großflächig verziert. Würde er sich dazu entscheiden, seine Tattoos zu entfernen, könnte das nach Einschätzung von Experten problematisch werden, denn nicht jedes Tattoo lässt sich beseitigen.

Christian Raulin bespricht mit jedem seiner Patienten, ob es überhaupt sinnvoll ist, zum Laser zu greifen. „Manchmal schaue ich mir die Fläche an und sehe schon, dass das Tattoo trotz ausgereifter Technik nicht ganz verschwinden wird. Mit einer Behandlung anzufangen, hat in dem Fall gar keinen Sinn. Das wäre nicht seriös.“ Das gelte insbesondere, wenn sehr große Hautflächen tätowiert seien. „Da braucht man gar nicht erst loszulegen.“

Ein weiteres Problem können die verwendeten Farben sein. Bei einer Laser-Behandlung werden die Farb-Pigmente des Tattoos in viele kleine Einzelteile zerschossen.

Das Hautarztzentrum Kiel klärt Interessierte im Internet auf, dass sich schwarze Farben mit dem Laser am besten entfernen lassen. „Besonders hartnäckig“ dagegen seien Tätowierungen, deren Farben Eisenoxid oder Titanoxid beigemischt ist, damit sie auf der Haut besonders leuchten. „Trifft Laserlicht auf diese Tattoos, besteht die Gefahr, dass sie nicht verblassen, sondern sogar dunkler werden“, stellen die Kieler Hautexperten klar. Grüne Farben im Tattoo benötigen wiederum einen anderen Laser als rote.

Ab Ende 2020 dürfen nur noch Hautärzte Laser-Behandlungen vornehmen. So sieht es ein neues Strahlenschutzgesetz vor. Wer sein Tattoo bis dahin dennoch von einem zertifizierten Studio entfernen lassen will, dem rät Dermatologe Christian Raulin, dort genau auf die Ausstattung zu achten. „Profis haben immer ein Spektrum unterschiedlicher Laser-Geräte im Einsatz. Die sollte man sich genau zeigen und erklären lassen.“

An der Technischen Hochschule Köln machen sich Experten momentan Gedanken darüber, wie die Verfahren zur Tattoo-Entfernung verbessert werden können. Axel Wellendorf arbeitet an einem Gerät, das Laser und Ultraschall miteinander verbindet. Ein solches Gerät, das beide Techniken vereint, gebe es bisher noch nicht, sagt der Professor für Maschinenbau am Campus Gummersbach. „Wir kennen jedenfalls keine Patente.“ Das habe ihn zu dem Forschungsprojekt angeregt. „Mit dem Ultraschall wird das Gewebe aufgelockert. Das hat den Vorteil, dass sich die Farbpigmente leichter lösen, der Lymphfluss angeregt wird und die Pigmente besser abtransportiert werden. Zudem bekomme ich eine schnellere Heilung.“ Am Projekt arbeitet auch die Uniklinik Essen mit, die das neue Gerät später an Probanden testen soll.

Das alles soll schonender für die Haut werden als die herkömmliche Laser-Behandlung. Bislang sind schnell zehn bis 15 Sitzungen nötig, um ein Tattoo zu entfernen. Die Krankenkassen zahlen die Prozedur nicht und die kann unter Umständen mehrere tausend Euro kosten. Durch die neue Technik könnte die Behandlung schneller gehen, hofft Projektleiter Axel Wellendorf.

„Viele Menschen, die zu uns kommen, schämen sich für ihr Tattoo“, berichtet Niko Dodic, Geschäftsführer des Kosmetikinstituts Epimedic in Köln, das seit Jahren mit der Lasertechnik arbeitet und Wellendorfs Projekt unterstützt. „Häufig sind es Jugendsünden, die wir entfernen, oft laienhafte Tätowierungen, gerade im unteren Rückenbereich.“

Hautarzt Christian Raulin wünscht sich dagegen, dass die Menschen im Vorfeld umsichtiger sind. „Ich würde jedem raten, lange und sorgfältig darüber nachzudenken, bevor ich ein Tattoo stechen lasse. Ein Tattoo ist kein Abziehbild.“ Selbst ein kleines Tattoo zu entfernen, sei eine Belastung für die Haut und den Körper. „Es zu entfernen, ist nicht schmerzfrei. Es können Narben entstehen und manchmal blutet es leicht“, erklärt Raulin. Aber grundsätzlich sei die Laserbehandlung gut verträglich.