Feuer in Flüchtlingsheim: Syrer wegen versuchten Mordes verurteilt

Kostenpflichtiger Inhalt: Härtere Strafe für Brandstifter : Feuer in Flüchtlingsunterkunft in Losheim: Junger Syrer wegen versuchten Mordes verurteilt

Nach dem Feuer in einem Flüchtlingsheim in Losheim hat das Landgericht im zweiten Anlauf einen jungen Syrer auch wegen versuchten Mordes verurteilt. In einem ersten Prozess hatten andere Richter die Tat nicht als versuchtes Tötungsdelikt gewertet.

Wegen versuchten Mordes, schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Saarbrücken in einem Revisionsprozess einen Syrer zu sechs Jahren und zehn Monaten Jugendstrafe verurteilt. Der damals 19 Jahre alte Flüchtling hatte im Januar 2018 die Wolldecke auf dem Bett in seinem Zimmer mit einem Feuerzeug angezündet und war gegangen. Die Flammen erfassten nach und nach das Bett, die Holzdecke und die Fensterrahmen. Es entwickelte sich starker Rauch, der das hölzerne Treppenhaus des mehrstöckigen und als Flüchtlingsheim genutzten Hauses innerhalb weniger Minuten unpassierbar machte. Die drei zur Tatzeit anwesenden Mitbewohner des Angeklagten bemerkten das Feuer jedoch rechtzeitig und konnten sich in Sicherheit bringen. Zwei von ihnen erlitten Rauchvergiftungen. Es entstand ein Sachschaden von rund 80.000 Euro.

Das Motiv der Tat ist unklar. Der Angeklagte lieferte dazu wechselnde Erklärungen. Mal sprach er von einer Krise wegen persönlicher Probleme, mal von Erinnerungslücken, mal von von einer Art Befreiungsschlag, weil sein Zimmer ihn in dem Moment an schlimme Erlebnisse aus Syrien erinnert habe. Eine psychiatrische Gutachterin beschrieb den jungen Mann als vielgestaltige, wechselhafte und flirrende Persönlichkeit. Er sei jemand, der das eigene Empfinden überhöhe und gleichzeitig im Umgang mit anderen disoziale Züge aufweise. Sein Verhalten wirke dann komisch und seltsam. Es folge seinen eigenen Regeln. Vor diesem Hintergrund erscheine das Tun des jungen Mannes zwar als schwer einzuschätzen. Er selbst sei aber in seiner Fähigkeit zur Einsicht in konkrete Situationen und zur Steuerung seines Verhaltens nicht eingeschränkt. Im strafrechtlichen Sinn sei er also voll verantwortlich für sein Tun.

Ähnlich hatte die Gutachterin im ersten Anlauf des Strafprozesses vor dem Landgericht argumentiert. Damals, im Sommer 2018, hatten die Richter den Angeklagten wegen Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt. Ihrer Ansicht nach hatte der junge Mann zwar die Verletzung von Mitbewohnern billigend in Kauf genommen aber nicht deren Tod. Der zuständige Oberstaatsanwalt sieht das anders. Für ihn war die Brandstiftung auch ein versuchter Mord. Er legte deshalb Revision zum Bundesgerichtshof ein. Mit Erfolg. Die Karlsruher Richter schickten die Akten zurück zu den Kollegen vom Landgericht Saarbrücken, damit diese einen möglichen Mord erneut prüfen.

Eine andere Jugendkammer übernahm diese Aufgabe und wiederholte große Teile der früheren Beweisaufnahme. Diese Richter folgten am Ende der Argumentation des Oberstaatsanwalts und verurteilten den Angeklagte auch wegen versuchten Mordes und zu einer höheren Strafe. Begründung: Als der junge Mann das Feuer legte, habe er gewusst, dass mindestens zwei weitere Personen im Haus waren. Diese habe er kurz zuvor im Flur getroffen. Trotzdem habe er Feuer gelegt, also im Sinne des Strafrechts ein gemeingefährliches Mittel eingesetzt. Dessen mögliche Folgen seien immens. Es hänge oft nur vom Zufall ab, ob betroffene Menschen noch rechtzeitig fliehen können und überleben oder nicht. Dieses Risiko sei dem Angeklagten bewusst gewesen. Trotzdem habe er die Wolldecke angezündet und sei gegangen. Damit habe er einen versuchten Mord verübt. So weit die Richter des Landgerichts. Ihr Urteil ist nicht rechtskräftig.

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