Verbraucherzentrale NRW: Bei Amazon ist es immer am teuersten

Kostenpflichtiger Inhalt: Verbraucherzentrale NRW stellt fest : Amazon treibt die Preise nach oben

Die Verbraucherzentrale hat eine Stichprobe gemacht. Wer günstig kaufen wolle, sei bei dem Onlinehändler falsch.

Das Einkaufen im Internet wird immer beliebter. Es ist ja auch viel einfacher, Waren in einen virtuellen Einkaufskorb zu packen, als sie im Wagen durch einen Laden zu schieben. Zwei von drei Nutzern starten ihren virtuellen Einkauf auf der Onlineplattform Amazon und weit über die Hälfte beendet ihn dort auch, hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen festgestellt. Dafür sorge vor allem die Fülle an Artikeln und Händlern auf dem Marketplace, Amazons virtuellem Marktplatz. Hier verkauft der Konzern seine eigenen Artikel und bietet auch anderen Händlern an, ihre Waren auszustellen. Doch die Bequemlichkeit, die dieser Marktplatz verspreche, komme die Nutzer teuer zu stehen, erklären die Verbraucherschützer weiter. Denn viele der gewerblichen Verkäufer besitzen auch eine eigene Online-Verkaufsplattform, wo sie dieselben Waren zu weitaus besseren Preisen verkaufen. Fast ein Fünftel seien die Angebote auf Amazon im Durchschnitt teurer gewesen, belegt die Stichprobe der Verbraucherzentrale.

Durch die Auswahl auf Amazons Verkaufsplattform entstehe der Eindruck, dass ein Besuch der Seite einen hervorragenden Überblick über die Vielfalt des gesamten Angebots im Internet biete. Das sei eine Fehleinschätzung, sagen die Verbraucherschützer. Viele Kunden wüssten nicht, dass in Großteil der Anbieter auf dem Amazon-Marktplatz seine Waren auch in einem eigenen Internetladen anbiete.

Das die gleichen Waren dort zu ganz anderen Preisen gehandelt werden, hat die Verbraucherzentrale mit einer Stichprobe bei 20 Händlern überprüft, die ihre Waren sowohl über Amazon als auch über eine eigene Internetseite verkaufen. Für jeweils fünf Produkte, die die Händler parallel anbieten, verglichen die Tester zeitgleich die Preise. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um von Amazon hervorgehobene Produkte. Diese werden bei dem Onlinehändler meist als Bestseller Nr. 1 oder als Amazon’s Choice (frei übersetzt „Amazons beste Auswahl“), versehen. So solle angedeutet werden, dass diese Artikel besonders preisgünstig seien.

Das Ergebnis verblüffte selbst die Tester: Bei 98 der 100 Produkte fand sich der niedrigste Preis auf der Internetseite des jeweiligen Händlers, nicht auf Amazons Marktplatz. Der Gesamtpreis inklusive Lieferung habe für alle 100 Artikel auf dem virtuellen Marktplatz des Internetriesen fast ein Fünftel über dem Preis im Online-Händlerladen gelegen, so die Verbraucherzentrale.

Einzelbeispiele zeigen noch drastischere Ausmaße. „Ein Kaffeeautomat etwa wurde im eigenen Onlineshop für 673 Euro verkauft. Bei Amazon waren dagegen 840 Euro fällig – satte 167 Euro mehr“, so die Verbraucherzentrale. Ein Kranwagen eines Lego-Händlers wurde statt für rund 181 Euro im eigenen Internetladen für 251 Euro bei Amazon angeboten. Die Verbraucherschützer nennen auch den Grund für die Preisunterschiede. Damit andere Händler Amazons Marktplatz nutzen dürfen, kassiere der US-Konzern Stand- und Verkaufsgebühren von oft 15 Prozent und mehr. Diese Kosten entfallen, wenn ein Händler über seine eigene Internetseite verkaufe.

Die Verbraucherzentrale nennt ein weiteres Beispiel. Eine Espressomaschine gab es bei Amazon zum „Bestpreis“ von rund 151 Euro, im eigenen Onlineladen des Händlers kostete das gleiche Gerät nur 124 Euro. Insgesamt zwölfmal im Test schlug der Preis im Händlershop sogar den Bestpreis bei Amazon.

Doch auch wenn der Preis auf der Internetseite des jeweiligen Händlers günstiger ist als bei Amazon, sei er noch lange nicht der beste, mahnen die Verbraucherschützer. Schnäppchenjägern raten sie daher, bevor sie ein Produkt im Internet kaufen, einen letzten Vergleich mittels mindestens einer Preissuchmaschine anzustellen.

So haben die Tester den Kaffeeautomaten, der auf Amazon für 840 Euro und im Händler-Shop für 673 Euro verkauft wurde, um 60 Euro günstiger entdeckt. Der Bestpreis eines Konkurrenten aus der Suchmaschine betrug 613 Euro.

Mehr von Saarbrücker Zeitung