Ausbildungsberuf: Der richtige Job für Frühaufsteher

Ausbildungsberuf : Der richtige Job für Frühaufsteher

Bäckerlehrlinge kneten, formen, spritzen und glasieren den ganzen Tag. Auch heute noch stellen sie oft in Handarbeit nicht nur das täglich Brot für den Familientisch her, sondern sie bereiten zu Feiertagen auch besondere Köstlichkeiten zu.

Schon am frühen Abend neigt sich der Tag für Tobi Gennrich dem Ende zu. Der 17-Jährige aus dem brandenburgischen Velten macht eine Ausbildung zum Bäcker und steht daher immer früh auf. Schon während der Schulzeit hat er in der Bäckerei und Konditorei Plentz in Oberkrämer ausgeholfen. Ihn fasziniere, dass der 1877 gegründete Familienbetrieb Wert auf Handarbeit lege. Besonders viel Spaß bereite es ihm, Brötchen zu wirken, also den Teig in die gewünschte Form zu bringen.

Zurzeit steht er morgens um drei Uhr auf und fängt um vier an zu arbeiten. „Nachts aufzustehen macht mir nichts aus“, betont er. Wer Bäcker werden wolle, dürfe davor keine Scheu haben. Und rechnen zu können sei wichtig – zum Beispiel um die Mischungsverhältnisse der Zutaten zu kalkulieren.

Karl-Dietmar Plentz, Bäckermeister und Geschäftsführer von Gennrichs Ausbildungsbetrieb, ist es wichtig, in seiner Backstube unterschiedliche Charaktere zu fördern. Es erhielten auch junge Menschen eine Perspektive, „die eine zweite Chance im Leben brauchen.“ Wer eine Lese- und Schreibschwäche habe, könne trotzdem ein guter Handwerker werden.

Am Wochenende sei in der Backstube besonders viel los, erzählt Azubi Tobi Gennrich. Ebenso an Feiertagen, wenn in vielen Familien gutes Brot und Gebäck auf den Tisch komme. Der Gründonnerstag zum Beispiel zähle zu den fünf besten Tagen im Jahr, erzählt Plentz. Speziell zur Osterzeit werde in seiner Bäckerei Osterbrot zubereitet, Aus Quarkteig würden zudem Hasen geformt, die Schokoladenohren und -füße erhielten. Weitere Spezialitäten seien eine Torte in Eiform und Kekse, verziert mit kleinen Ostereiern in einem Nest aus Kokos.

Plentz will auch künftige Führungskräfte fördern, beispielsweise Franz Moritz Vater. Der 21-Jährige macht im Sommer seinen Meister. Seit vergangenem Jahr nimmt er an einem Führungskräfte-Programm teil, bei dem er lernt, mit Mitarbeitern umzugehen und Konflikte zu lösen. Das ist wichtig, denn er möchte später den Betrieb seines Vaters übernehmen. An seinem Beruf liebe er, dass er jeden Tag Dinge produziere, die sofort verkauft und gegessen würden.

Während seiner Ausbildung hatte er die Chance, ein Auslandspraktikum in der Nähe von Lyon in Frankreich absolvieren. Er arbeitete dort in einer offenen Bäckerei, in der die Kunden den gesamten Vorgang der Zubereitung beobachten konnten. „Das war genial“, sagt Vater. Er habe viel gelernt und sogar das Croissant-Rezept seines Meisters erfahren.

In den Betrieben ist viel zu tun, Nachwuchs wird im Bäckerhandwerk dringend gesucht. „Im Jahr 2017 konnten 20 Prozent der Ausbildungsplätze nicht besetzt werden“, sagt Nils Vogt, Referent für Berufsbildung und Fachkräftesicherung beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Zuletzt seien die Ausbildungszahlen jedoch wieder leicht gestiegen.

Nach ihrer Ausbildung können sich Bäcker auf unterschiedlichen Wegen weiterbilden. Thomas Muschelknautz, stellvertretender Direktor der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Weinheim, empfiehlt jedem Gesellen, mit dem Meister weiterzumachen, weil dieser Schritt weitere Türen öffne. Geprüfter Betriebswirt, Techniker, ein Studium oder eine Fortbildung zum Brot-Sommelier seien weitere Möglichkeiten.

(dpa)
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