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Vorstand des Saarfußball-Verbandes geht von Pause bis zum 31. August aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Saison im Saarfußball : Abbrechen oder Aussetzen – das ist die Frage

Videokonferenz des Saarländischen Fußball-Verbandes mit Vereinen kommt gut an. SFV-Vorstand geht von Pause bis zum 31. August aus.

Es war irgendwo ein historischer Moment, als Adrian Zöhler am Donnerstagabend kurz nach 18 Uhr das Wort ergriff. Der Vize-Präsident des Saarländischen Fußball-Verbandes (SFV) eröffnete die erste Videokonferenz des Verbandsvorstandes mit Vertretern der Vereine in der rund 70-jährigen Geschichte des SFV. 103 Interessierte hatten sich über ein vom Verband eingerichtetes Kommunikationsportal angemeldet. Den vielleicht wichtigsten, aber auch ernüchterndsten Satz hörten sie knapp eine halbe Stunde später. „Der SFV geht davon aus, dass bis zum 31. August nicht mehr gespielt wird“, sagte Zöhler, „das ist der Termin, der auch von der Kanzlerin genannt wurde.“

Bis dahin sind Großveranstaltungen in Deutschland untersagt. Ob der Amateurfußball dazugehört, ist nicht explizit erklärt. Nicht geklärt ist, wie es nun weitergeht. Und auch darum hat der Verband diese Art der Kommunikation gewählt. „Wir können nicht abstimmen, aber wir bekommen ein Meinungsbild“, hatte Zöhler vor Beginn der Konferenz gesagt, in deren Verlauf er erneut beide möglichen Szenarien skizzierte.

Ein Abbruch, wie ihn Österreich für seine Amateurklassen ohne und Frankreich unterhalb der 3. Liga mit Auf- und Absteigern beschlossen hat, werfe große Probleme im Bereich der Haftung auf. Außerdem bräuchte man wohl einen außerordentlichen Verbandstag, um eine solche Entscheidung zu treffen. Diesen durchzuführen, ist vor dem Hintergrund des Großveranstaltungsverbots illusorisch. Den Einwurf, dass der Vorstand des Handballverbandes Saar dies einfach entschieden hat, wurde mit Hinweis auf die fehlende Satzungsgrundlage beim SFV zurückgewiesen.

Die zweite Möglichkeit – das Aussetzen der Saison – habe den Vorteil, dass man die Spielzeit sportlich fair zu Ende bringen könnte, „sobald das rechtlich möglich ist“. Ob der Wiederbeginn im September, Oktober oder erst im nächsten Mai stattfinden könnte, wäre dabei nicht wichtig. Doch auch dies wirft Fragen auf. Ulli Möhler, Präsident des Saarlandligisten SV Saar 05 Saarbrücken, wollte wissen, ob die Spielerverträge weiterlaufen. „Verträge und Spielberechtigungen laufen dann weiter. Bei einer Aussetzung sind keine Wechsel möglich“, erklärte SFV-Geschäftsführer Andreas Schwinn, „der DFB ist bemüht, ein einheitliches Wechselfenster hinzubekommen.“ Auch Altersklassenwechsel im Jugendbereich fänden nicht nicht statt. Thomas de Fazio, der sportliche Leiter des Bezirksligisten ASC Dudweiler, befürchtet Wettbewerbsverzerrungen, wenn sich ältere Spieler in der Zwangspause dafür entscheiden, ihre Karriere zu beenden.

Andreas Montag, Sportvorstand des Oberligisten FV Diefflen, wollte wissen, wie es mit den überregionalen Klassen weitergeht. „Die Bundesligen wollen weiterspielen. Die 3. Liga unter dem Dach des DFB braucht eine eigene Lösung“, antwortete Zöhler, „irgendwo wird dann ein Schnitt zu machen sein.“ Die Regionalligisten hatten am Freitag eine Konferenz, bei der sie sich austauschten. Ein Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Für die Dieffler auch wichtig ist der Umgang mit dem Saarlandpokal. Das anstehende Viertelfinale gegen Regionaliga-Spitzenreiter 1. FC Saarbrücken wäre allerdings sicher eine Großveranstaltung. „Der DFB-Pokal soll zu Ende gespielt werden und im August eine neue Runde starten“, erklärte Zöhler, „wir müssen uns Gedanken machen, wie wir zu einem saarländischen Teilnehmer kommen. Die schlechteste Lösung wäre es, ihn auszulosen.“

Einige Teilnehmer hatten während der SFV-Videokonferenz am Donnerstag Probleme mit ihren Mikrofonen, bei anderen funktionierte die Bildübertragung nicht komplett. Dennoch gelang der erste Austausch. In einer über die Chatfunktion durchgeführten Umfrage wurde Geisterspielen einhellig eine Absage erteilt. Training in Kleingruppen – so wie bei den Bundesliga-Profis – sei im Amateurbereich nicht möglich, betonte Zöhler.

Neben den sportlichen Folgen beschäftigen die Vereine auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. „Die Leistung des Sports für die Gesellschaft ist nicht hoch genug einzuschätzen“, sagte Zöhler, „von daher wäre es verdammt schade, wenn auch nur ein einziger Verein auf der Strecke bleibt.“ Zöhler empfahl den Clubs nochmals, ihre finanziellen Einbußen auch durch den Wegfall von Sportfesten und anderen Veranstaltungen bis zum Ende des Jahres hochzurechnen und an den Landessportverband für das Saarland (LSVS) zu melden.

Inwieweit ein Rettungsschirm gespannt werden kann, ist noch offen. Schleswig-Holstein will seinen Vereinen wohl mit einen Geldbetrag pro Mitglied helfen. Der „Druck“ sei auch hierzulande „bei der Politik angekommen“ sagte Zöhler. Wenn Vereine tatsächlich existenziell bedroht seien, sollen sie auch das beim LSVS melden. Der SFV aber darf laut Satzung keine direkten Unterstützungszahlungen vornehmen.