Timm Golley freut sich auf Neuanfang beim 1. FC Saarbrücken unter Kwasniok

Kostenpflichtiger Inhalt: Regionalliga Südwest : Golley freut sich auf Neuanfang beim FCS

Der vor der Saison hochgelobte Offensivspieler will sich unter dem neuen Trainer Lukas Kwasniok wieder ins Blickfeld spielen.

Günter Netzer, Mario Basler, Oliver Kahn – Typen wie sie sind im Fußball selten geworden. Menschen, die auch einmal anecken mit ihrer Meinung, sind auf vielen Ebenen rar geworden, nicht nur im Sport. „Das ist durchaus ein gesellschaftliches Problem“, sagt Timm Golley, Offensivspieler beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, der selbst als „schwieriger Typ“ gilt: „Mit so einem Stempel ist man ja oft schnell. Ich bin jemand, der seine Meinung offen vertritt und sie seinem Gegenüber auch ins Gesicht sagt. Leider gilt man dann heutzutage schnell als schwierig.“

Schwierig war auch Golleys erstes halbes Jahr beim FCS. Dabei schien der Wechsel vom Rhein an die Saar für beide Seiten ein Glücksfall zu sein. Bei Drittliga-Aufsteiger Viktoria Köln wurde Golleys Vertrag nicht verlängert, der FCS konnte einen „Unterschiedsspieler“ beim „Unternehmen Aufstieg“ gut gebrauchen. „Ich hatte gute Gespräche mit Marcus Mann und anfänglich auch mit Trainer Dirk Lottner“, erinnert sich Golley, der in der Vorbereitung einen starken Eindruck machte: „Ich habe ja dann die ersten Spiele gemacht – nicht überragend, aber auch nicht so schlecht. Dann war ich im Pokalspiel gegen Regensburg nicht mehr dabei und auch danach plötzlich kaum mehr im Kader.“ Selbst in den Saarlandpokalspielen stand er nicht in der Startelf. Die Begründung sei für ihn „nicht nachvollziebar“ gewesen, „aber ich will nichts Negatives über den Trainer sagen, der sich hier viele Sympathien erworben hat. Aber für mich war klar, dass ich mir ohne den Trainerwechsel jetzt etwas Neues hätte suchen müssen. Ich hätte in Saarbrücken keine Chance mehr bekommen.“

Unter dem neuen Trainer Lukas Kwasniok werden die Karten neu gemischt. „Dass er an Heiligabend angerufen hat, fand ich sehr positiv“, sagt der 28-Jährige über den neuen Chef: „Die ersten Wochen im Training sind deutlich intensiver als zuvor. Die taktische Arbeit steht im Mittelpunkt, da muss man in jedem Training auch mit dem Kopf dabei sein. Die Kommunikation zwischen Trainer und Spielern ist deutlich mehr geworden. Wir haben auch schon gesehen, dass wenn es nicht so läuft, es schon mal knallen kann.“ Kwasnioks Ansprache ist angekommen, seine Spielidee gefällt Golley: „Sie kommt meiner Spielweise entgegen. Wir laufen früh an, pressen hoch und versuchen, schnell zum Torabschluss zu kommen.“

Dass nicht immer nur der Trainer schuld ist, wenn man nicht spielt, weiß auch der Angreifer. „Ich bin manchmal zu negativ. Auch zu meinen Mitspielern. Daran arbeite ich seit Jahren, aber es ist auch ein Wesenszug. Ich meine das nie persönlich“, sagt der Ex-Kölner, dem einige Fans eine allzu lässige Spielweise vorwerfen: „Darum zahlen sie Eintritt. Aber wenn der 40-Meter-Pass ankommt, jubeln dir alle zu. Wenn nicht, bist du halt der Depp. Aber auch damit kann ich umgehen.“

Damit, dass auch Lukas Kwasniok letztlich nur elf Spieler von Anfang an aufs Feld schicken kann, muss Golley auch umgehen. „Es wird sich irgendwann eine Startformation herauskristallisieren. Dann kommt es auf die Kommunikation an. Jeder muss das Gefühl haben dazuzugehören“, sagt Golley: „Die fußballerische Klasse haben wir allemal. Wenn wir alle zusammenhalten, werden wir das Ziel erreichen. Nur darum geht es letztlich – mit dem 1. FC Saarbrücken den Aufstieg zu schaffen.“ An diesem Mittwoch um 14 Uhr geht es im FC-Sportfeld im Testspiel gegen Drittligist SG Sonnenhof Großaspach zunächst um den nächsten Schritt in der Vorbereitung auf dieses Ziel.