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Saarländische Olympia-Hoffnungen können wieder an Sportschule trainieren

Kostenpflichtiger Inhalt: Trainingsverbot für Olympia-Hoffnungen aufgehoben : Grünes Trainings-Licht für Top-Athleten

Saarländische Olympia-Hoffnungen können ab sofort wieder an der Hermann-Neuberger-Sportschule trainieren – unter Auflagen.

Plötzlich ging es alles ganz schnell. Noch in der vergangenen Woche waren die Spitzensportler vom Olympiastützpunkt Saarbrücken, die an der Hermann-Neuberger-Sportschule trainieren, zur Untätigkeit verurteilt. Die Umstände der Corona-Krise machte ihnen ein Training unmöglich. So schilderten die Schwimmer Christoph Fildebrandt und Andreas Waschburger, beides Olympia-Teilnehmer, in der Saarbrücker Zeitung ihre derzeit ungewisse Situation angesichts der seit zweieinhalb Wochen geschlossenen Albert-Wagner-Schwimmhalle. Anderen Topathleten ging es ähnlich.

Seit Montagmittag ist klar: Die Untätigkeit hat ein Ende. Denn der Landessportverband für das Saarland (LSVS) teilte mit, ab sofort dürften „saarländische Spitzensportler wieder auf dem Gelände der Hermann-Neuberger-Sportschule trainieren“ – zumindest in einem gewissen Maß. „Als Voraussetzung und Bedingung gelten für sie die bekannten Kriterien und das Einhalten der von der saarländischen Landesregierung verfügten und darüber hinaus bundesweit verordneten Beschränkungen“, schrieb der LSVS.

Dass es plötzlich Grünes Licht für Berufssportler im Saarbrücker Stadtwald gibt, geht vor allem mit Raphael Schäfer nach Hause. Der 39-Jährige weiß, wie sich ein Leistungssportler fühlt. Schließlich war er lang genug selbst einer. Der heutige Berufspolitiker und Abgeordnete der CDU im saarländischen Landtag gehörte im Dress des LC Rehlingen zu Deutschlands besten 3000-Meter-Hindernisläufern, nahm an internationalen Meisterschaften teil, war deutscher Meister, ist heute noch Mitglied im Präsidium des Saarländischen Leichtathletik-Bundes. Und er ist mit seiner „alten Szene“ immer noch bestens vernetzt.

Lange Jahre war Schäfer an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken zuhause. Und so war es kein Wunder, dass in den letzten Tagen sein Telefon kaum still stand. Sportler oder alte Weggefährten von früher, die mittlerweile als Trainer in den verschiedensten Sportarten aktiv sind, meldeten sich bei ihm, klagten ihr trainingsloses Leid. Neben den Schwimmern galt das auch für die Olympia-Hoffnungen der Deutschen Triathlon-Union, die am Olympiastützpunkt in Saarbrücken unter Stützpunkttrainer Christian Weimer, selbst früher Top-Triathlet, trainieren, und für die deutsche Badminton-Nationalmannschaft um Isabel Herttrich und Marvin Seidel vom 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim.

Weil Schäfer im Corona-Ausschuss des saarländischen Landtags sitzt, wurde er nun zum „Rettungsanker“. Denn Schäfer bohrte in den letzten Tagen im Ausschuss permanent, hob immer wieder das Thema Trainingsverbot für Berufssportler auf die Agenda. Mit Erfolg. „Ich bin froh, dass ich als ehemaliger Leistungssportler in meiner Funktion als sportpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion die Initiative gestartet habe, um den Spitzensportlern hier unter die Arme zu greifen“, sagte Schäfer.

Ex-Leichtathlet Raphael Schäfer machte im Corona-Ausschuss Druck für die saarländischen Topsportler. Foto: BeckerBredel

Und die sind erleichtert, wieder trainieren zu dürfen. „Ich kann es kaum erwarten“, sagte Seidel. Bundestrainer Uli Knapp, der Leichtathletik-Hoffnung Laura Müller (LC Rehlingen) betreut, sagte: „Wir sind sehr froh, dass diese Regelung jetzt in Kraft tritt. Die Situation war sehr, sehr schwierig für uns.“ Sprinterin Müller hatte das Saarland sogar vorübergehend verlassen und dank einer Ausnahmegenehmigung eine Woche in Wattenscheid trainiert. Müller ist mittlerweile wieder zurück im Land und wird nun die Vorbereitung auf die EM Ende August in Paris in Angriff nehmen. „Das wäre noch ein schönes internationales Highlight, wenn die EM stattfinden sollte“, sagte Knapp, der nun gespannt ist, wo genau die Trennlinie gesetzt wird, wer trainieren darf und wer nicht. Schwimmer Waschburger darf auf jeden Fall. „Ich bin echt erleichtert. Die Zwangspause war schon lang genug“, sagte er.