Jurcher ist der Mann des Tages bei Pokal-Sensation gegen Regensburg

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußball : Jurchers Versöhnung mit den FCS-Fans

Der 1. FC Saarbrücken wirft Zweitligist Jahn Regensburg dank zweier Tore des einst wechselwilligen Stürmers aus dem DFB-Pokal.

Es gibt Geschichten, die schreibt nur der Fußball. Beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken ist am Sonntag beim 3:2 (0:0)-Erfolg gegen den Zweitligisten Jahn Regensburg die Geschichte vom schon verloren geglaubten Stürmer, der zum DFB-Pokal-Helden wurde, dazugekommen. In der dritten Minute der Nachspielzeit schickte Kianz Froese Angreifer Gillian Jurcher in die Gasse. Der Stürmer, der im Sommer mit Wechselgedanken für viel Unmut bei Verein und Fans gesorgt hatte, tunnelte Jahn-Torwart Alexander Meyer – und noch bevor der Ball zum 3:2 über die Torlinie gerollt war, war „Gilli“ unterwegs zu den Fans. Mit seinem zweiten Tor versöhnte er den Anhang endgültig.

„Es ist nicht meine Aufgabe, einen Spieler hervorzuheben“, sagte FCS-Trainer Dirk Lottner über den Doppeltorschützen: „Aber es wäre sicher verdient.“ Die Fans forderten „Jurcher auf den Zaun“, der feierte bescheiden. „Jeder hat mal einen guten Tag“, sagte Jurcher zu seinem Galaauftritt.

Der verletzte Sebastian Jacob (links) nimmt Matchwinner Gillian Jurcher, der den Verein im Sommer verlassen wollte, in den Arm. Foto: Andreas Schlichter

5025 Zuschauer hatten ein packendes Pokalspiel erlebt. Der FCS begann mit Daniel Batz im Tor, Christopher Schorsch ersetzte in der Dreierkette Anthony Barylla neben Steven Zellner und Boné Uaferro. Den defensiven Part im Mittelfeld übernahm Manuel Zeitz, der überragende Fanol Perdedaj und Kianz Froese bildeten eine Art „Doppel-Acht“. Auf den Flügeln arbeiteten Mario Müller und Tobias Jänicke, vorne spielten Jurcher und Markus Mendler. Lottner verzichtete auf Topstürmer Sebastian Jacob, der noch nicht 100 Prozent fit ist, Fabian Eisele saß auf der Bank.

Die ersten Minuten war aufgrund von Pyrotechnik noch ziemlich verraucht. Dann ging das Pokal-Spektakel los: Mendler hatte im Zusammenspiel mit Perdedaj die beiden besten FCS-Chancen vor der Pause. Einmal ging der Ball am langen Pfosten vorbei (24.), dann touchierte das Spielgerät den Außenpfosten (45.). Viel Bewegung gab es auch neben dem Platz. Da musste Nino Miotke während des Spiels von der Bank zu seinem Auto – er hatte einen Rettungsweg zugeparkt.

Die Gäste hatten früh ins Tor getroffen – doch setzte Markus Palonis bei seinem Kopfballtreffer (7.) nach Ansicht von Schiedsrichter Sven Waschitzki (Essen) zu sehr den Ellenbogen ein. Der Unparteiische hatte so seine Probleme mit der intensiven Partie, die bis zur Pause torlos blieb.

„Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, dass ich nachher keine Schulterklopfer für ein gutes Spiel haben möchte, sondern für den Sieg“, erzählte Lottner nach dem Abpfiff. Seine Mannschaft begann in der 53. Minute mit der Umsetzung. Mendler bediente Jurcher, der schoss aus spitzem Winkel ein – das 1:0 zu diesem Zeitpunkt war durchaus verdient. „Wir waren in keiner Phase schlechter als die“, sagte Kapitän Zeitz. Doch der Zweitligist zeigte dann seine Klasse. Max Besuschkow ging zunächst an Uaferro vorbei, „dann hat er das clever gemacht und bei Steven Zellner eingefädelt“, schilderte Uaferro nach seinem DFB-Pokaldebüt die Entstehung des Elfmeters, den der Gefoulte selbst zum 1:1 verwandelte. „Ich kann mich nicht auflösen“, sagte Zellner achselzuckend.

Die Spieler des 1. FC Saarbrücken freuen sich mit den Zuschauern in Völklingen über den Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals. Foto: dpa/Oliver Dietze

Dem 2:1 für Regensburg ging einer der ganz wenigen Fehler der FCS-Abwehr voraus. Benedikt Saller konnte zu einfach flanken, dann war Schorch nur in der Nähe von Marco Grüttner, der die Gäste in Führung brachte (63.). „Dann passiert, was nie passieren darf, aber im Fußball immer wieder passiert“, sagte Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic: „Wir bekommen einen Platzverweis, und die Geschichte kippt wieder.“ Besuschkov musste nach wiederholtem Foulspiel raus, und Saarbrücken nutzte das sofort. Der Freistoß von Perdedaj fiel Zeitz vor die Füße. „Es ist nicht meine Kernaufgabe, Tore zu schießen, aber da habe ich eine Ausnahme gemacht“, sagte der Schütze zum 2:2-Ausgleich schelmisch.

In der Nachspielzeit kam dann der zweite große Auftritt von Jurcher. „Gegen Saarbrücken kann man mal verlieren“, sang der Mann des Tages mit den Fans, und Kapitän Zeitz dachte an mögliche Gegner in Runde zwei: „Der SC Freiburg wäre doch schön.“ Ein Wiedersehen mit dem Ex-Saarbrücker Mike Frantz also soll es sein. „Ich habe morgen Geburtstag, ein schöneres Geschenk hätten mir die Jungs nicht machen können“, jubelte Frank Hälsig, der Aufsichtsratsvorsitzende des FCS.

Der Regensburger Torhüter Alexander Meyer muss zu Beginn des Spiels schon genau hinschauen, wo er den Ball hinschießt. Foto: dpa/Oliver Dietze

Trainer Lottner selbst war gedanklich schon wieder Richtung Tagesgeschäft unterwegs. „Wir dürfen uns heute freuen und auch feiern. Ich will da keine Spaßbremse sein“, sagte Lottner: „Aber wir haben am Mittwoch schon wieder ein Liga-Spiel gegen den FSV Frankfurt. Und wenn wir das nicht ziehen, dann haben wir heute nichts gewonnen.“

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