FCS-Kapitän Zeitz: Haben nicht gegen Trainer Lottner gespielt

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach Trainer-Rauswurf beim FCS : „Wir haben nicht gegen den Trainer gespielt“

Die Spieler des 1. FC Saarbrücken sollen sich gegen den suspendierten Dirk Lottner gestellt haben. Kapitän Zeitz widerspricht dem.

Als Schiedsrichter Luca Schlosser am Samstag um 15.55 Uhr das Spiel zwischen dem TSV Steinbach und dem 1. FC Saarbrücken abpfiff, rechneten wohl die wenigsten damit, dass dies auch gleichzeitig der Abpfiff für Dirk Lottner als Trainer des Tabellenführers sein sollte. Am Montag kurz nach 17 Uhr wurde dem Kölner auf der Geschäftsstelle seine Freistellung mitgeteilt. „Es kam sehr überraschend, und ich bin sehr enttäuscht“, sagte Lottner, nachdem er am Dienstag kurz nach 8 Uhr sein Büro räumte und sich anschließend von der Mannschaft verabschiedete. Seine Frau Sarah hatte sich schon zuvor via Facebook bei den Anhängern für die Unterstützung bedankt: „Uns wurde unsere zweite Heimat genommen. Wir drücken der Mannschaft weiter die Daumen.“

Die Entscheidung des Vereins und deren Zeitpunkt sorgt nicht nur bei Teilen der Fans für Kopfschütteln. Auch der Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) kritisiert den FCS deutlich. „Wir kennen die internen Dinge natürlich nicht. Aber rein aus der Distanz fehlt mir da jegliches Verständnis“, sagte BDFL­-Präsident Lutz Hangartner.

„Ich habe Verständnis, wenn man sich als Außenstehender erst mal schüttelt. Wir haben die Informationen aus erster Hand, direkt vom Platz“, erwiderte FCS-Sportdirektor Marcus Mann, der am Dienstag gemeinsam mit Frauen-Trainer Taifour Diane das Training leitete. „Wir haben Erkenntnisse gesammelt, aus den Spielen, den Trainingseinheiten und auch aus etlichen Gesprächen. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir einen neuen Impuls benötigen“, sagte Mann. Die Mannschaft brauche eine neue Ansprache. „Ich bin ein großer Freund von ergebnisorientiertem Spiel. Wir hatten in dieser Saison öfter das notwendige Glück, aber das wird auf Dauer nicht reichen“, sagte Mann: „Man muss auch überzeugende Spiele machen. Die haben gefehlt.“

Lottner war 2016 mit dem klaren Auftrag geholt worden, den FCS in die 3. Liga zu führen. Situationen, bei denen eine Trennung naheliegender war als aktuell, gab es einige. Nach den verpatzten Aufstiegsspielen gegen 1860 München, nach der schlechten Vorrunde und der Niederlage in Balingen 2018 oder nach seiner unglücklichen Äußerung, dass er in der Halbzeit des Spitzenspiels bei Waldhof Mannheim 2019 die Mannschaft nicht erreicht habe. Warum also jetzt, erklärte am Dienstag auch FCS-Vizepräsident Dieter Ferner: „Wenn man zu der Entscheidung kommt, einen neuen Reizpunkt zu setzen, muss man das sofort tun. Wir haben keine Weiterentwicklung der Mannschaft gesehen. Wir konnten in dieser Saison nie die Dominanz auf den Platz bringen, die die Qualität des Kaders eigentlich hergibt.“

Eben diese Mannschaft habe erst kurz vor den Medien über die Entlassung des Trainers erfahren. Aber es soll zuletzt immer wieder aus Mannschaftskreisen Kritik an Lottners Arbeit und Taktik gegeben haben. „Das muss man sich anhören und filtern. Wir waren mit der Dreierkette verwundbar, der Gegner wusste, wie man uns anlaufen muss“, sagte Mann: „Aber man darf den Spielern nicht die Entscheidung überlassen.“ Kapitän Manuel Zeitz stellte klar, dass das Verhältnis zu Lottner intakt war: „Jeder hatte die Chance, mit ihm zu reden. Wir sind keine Dreckstruppe, die gegen den Trainer spielt. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.“

Dirk Lottner verlässt das FC-Sportfeld. Den Rauswurf beim FCS kurz vor der Winterpause bezeichnete er als „sehr überraschend“. Foto: Andreas Schlichter

Aber: Lottner ist weg, ein Neuer soll kommen. Spätestens beim Trainingstart am 3. Januar soll er da sein. Man habe zu keinem Trainer bislang Kontakt gehabt, seit Montag aber schon fast zwei Dutzend Anfragen von Interessenten. „Es wird keine kurzfristige Entscheidung fallen. Da werden wir uns Zeit lassen“, sagte Ferner. Auch ein klares Anforderungsprofil habe man noch nicht erstellt. „Ob er jung oder alt ist, ist egal. Es geht viel über Ansprache und Taktik und das Zwischenmenschliche zu den Spielern“, sagte Mann. Während Kapitän Manuel Zeitz betonte: „Es ist sicher nicht der schlechteste Job, uns zu trainieren.“ Solange man eben im Amt ist.