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Die Coronakrise trifft auch die saarländischen Olympia-Hoffnungen

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarsportler vor Olympia : Zwischen Ungewissheit und Untätigkeit

Die Corona-Krise trifft auch die Saarsportler, die auf einen Start bei Olympia in Tokio hoffen – vor allem wegen der Trainingssituation.

Patrick Franziska hat seine Fahrkarte nach Tokio schon lange in der Tasche. Der Tischtennis-Profi des 1. FC Saarbrücken ist der erste und bislang einzige Sportler aus dem Saarland, der sicher bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei ist. Wenn, ja wenn sie denn stattfinden. Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus hat längst den Sportbetrieb auf allen Kontinenten zum Erliegen gebracht. Wettbewerbe wurden verschoben oder abgesagt – nur das Internationale Olympische Komitee (IOC) um Präsident Thomas Bach weigert sich beharrlich, Klartext zu sprechen und spielt weiter auf Zeit.

„Das IOC setzt weiterhin voll und ganz auf die Spiele in Tokio 2020. Mehr als vier Monate vor den Spielen sind derzeit keine einschneidenden Entscheidungen zu treffen“, teilte das IOC in dieser Woche nach einer Sitzung mit allen Fachverbänden der 33 Sommersportarten mit und erklärte, „dass jede Spekulation derzeit kontraproduktiv“ sei.

Kontraproduktiv ist die aktuelle Situation auch für die Form von Patrick Franziska, der nach seinem letzten Turnier, den Katar Open, nach Schweden zu seiner Lebensgefährtin gereist ist und sich dort fit hält, so gut es eben geht. „Hier ist die Lage noch etwas entspannter als in Deutschland“, sagt Franziska: „Ich kann sogar noch ab und zu in die Trainingshalle.“

Außerdem hat sich „Kaiser Franz“ einen Tischtennis-Roboter als „Gegner“ schicken lassen. „Mit dem kann ich ganz gut trainieren“, sagt der 27-Jährige und schiebt lachend nach: „Der ist auf jeden Fall gesund.“ Franziska versucht, das Beste draus zu machen, weiß aber gerade mit Blick auf Tokio: „Da kann sich jeden Tag etwas Neues ergeben. Es wäre natürlich schade, wenn es nicht stattfinden würde, aber dann ist es eben so. So alt bin ich ja auch wieder nicht und hoffe dann einfach, dass ich bei den nächsten Spielen dabei wäre. Aber so sehr ich mich auf Tokio freue – die Gesundheit geht vor.“

An richtiges Training auf dem Feld mit Schläger und Federball ist auch bei den Badmintonspielern vom Olympiastützpunkt Saarbrücken derzeit nicht zu denken. Isabel Herttrich, Marvin Seidel (beide 1. BC Bischmisheim) und Co. waren mit die letzten, die noch auf Turnieren in der Welt unterwegs waren, ehe die Coronakrise auch den Badmintonsport in die Knie zwang. Bei den All England in London sammelten Herttrich und Seidel vergangene Woche noch Punkte für die Olympia-Qualifikation.

Mittlerweile hat der Badminton-Weltverband (BWF) alle Weltranglistenturniere bis zum 12. April abgesagt. Die Olympia-Qualifikation läuft bis zum 30. April. Die Weltrangliste an diesem Stichtag entscheidet über die Olympia-Teilnahme. „Man sollte die Quali einfach jetzt beenden“ , sagt Seidel, der aktuell im Herrendoppel mit Mark Lamsfuß (BC Wipperfeld) dabei wäre, mit einem Anflug von Humor, „aber ernsthaft: Ich gehe davon aus, dass die Qualifikation nach der EM normal beendet wird.“ Die sollte eigentlich von 21. bis 26. April in Kiew/Ukraine stattfinden – wurde aber am Freitag abgesagt.

Ringer Etienne Kinsinger hatte seine Koffer für das Qualifikations-Turnier in Budapest, das in dieser Woche hätte stattfinden sollen, schon gepackt, ehe es abgesagt wurde. Der 23-Jährige befindet sich noch bis zu diesem Samstag in sogenannter „häuslicher Absonderung“, sprich Quarantäne. Der Griechisch-römisch-Spezialist hatte vor zwei Wochen an einem Trainingslager in Ungarn teilgenommen. „Mir geht es gut, aber erst am Samstag können wir sicher sein“, sagt Kinsinger. Das Training auf der Matte am Olympiastützpunkt (OSP) in Saarbrücken ruht seit Montag. Kinsinger hat sich zwei Hanteln aus dem Kraftraum geliehen, dazu ein Sprungseil. „Ringen ist ein Zweikampfsport. Wenn das Mattentraining wegfällt, kannst du halt nur noch die allgemeine Fitness hochalten“, sagt der Student der Universität des Saarlandes.

Sein Zimmer am OSP hat Kinsinger vorläufig geräumt, wohnt wieder bei seinen Eltern. Der Traum von Tokio ist aber noch nicht ausgeträumt. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt der Ringer des KSV Köllerbach: „Ich denke, jeder Sportler wird weitertrainieren, bis eine Entscheidung gefallen ist.“ Die könnte sich an der Entscheidung der Uefa orientieren, die die Fußball-EM um ein Jahr verschoben hat. „Olympia ausfallen zu lassen, wäre eine Katastrophe“, sagt Kinsinger: „Eine Verschiebung wäre auch nicht schön. Gerade für Sportler, für die Tokio der letzte Höhepunkt der Karriere sein sollte. Aber eines ist klar: Die Gesundheit aller ist das höchste Gut.“ Die rasante Entwicklung der Pandemie hat auch den Saarländer überrascht: „Vor zwei Wochen war unser größtes Problem in Deutschland ja noch die junge Freundin von Michael Wendler.“

Die heißt Laura Müller – genau wie die derzeit schnellste Saarländerin. Die Namensgleichheit hat zu Verwechslungen geführt, auf die die Sportlerin humorvoll, aber auch konsequent über die sozialen Medien reagiert hat. Sowie auf die aktuelle Situation. „Wir haben die Trainingsgruppe vorläufig aufgelöst und jedem Sportler einen individuellen Trainingsplan mitgegeben“, sagt Uli Knapp, der Trainer von Laura Müller.

Die Bischmisheimer Olympia-Kandidaten Marvin Seidel (links) und Isabel Herttrich können derzeit nicht mit Schläger und Federball trainieren. Foto: Sven Heise
Laura Müller will sich in Kienbaum weiter vorbereiten. Foto: dpa/Bernd Thissen

Eigentlich wollte der Deutsche Leichtathletik-Verband für Müller und andere in Kienbaum bei Berlin ein besonderes Trainingslager einrichten Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie auch das Trainerteam sollten auf eine mögliche Infektion getestet werden und – bei negativem Befund – unter Quarantäne-Bedingungen die Vorbereitungen für Tokio fortsetzen. Müller war schon auf dem Weg, ehe die Trainingsmaßnahme abgesagt wurde – das Risiko war doch zu groß. Laut Knapp bemühe man sich nun, eine Sondergenehmigung für einzelne Sportler zu erreichen, die dann bestimmte Sportanlagen nutzen dürfen. Ob die kommt, hänge auch vom Fortgang der Gesamtentwicklung ab. Ansonsten trainiere man individuell und im Wald. „Die Zeit spielt gegen uns. Wenn in den nächsten zwei Wochen nichts massiv Positives passiert, dürfte es mit Olympia schwer werden“, sagt Knapp.