Völklingen setzt Sicherheitsdienst ein - Übergriffe auf Beamte

Kostenpflichtiger Inhalt: Übergriffe auf Mitarbeiter : Saar-Behörde schützt Beamte mit Wachdienst

Die Stadt Völklingen will Mitarbeiter künftig besser vor Übergriffen schützen. Diese nehmen zu, warnt der Beamtenbund nach einer aktuellen Studie.

Während Beamtenvertreter bundesweit vor zunehmenden Übergriffen auf Behördenvertreter warnen, greift im Saarland die Stadt Völklingen durch. Die Kommune will im kommenden Jahr einen Sicherheitsdienst im Bürgerbüro einsetzen, nachdem mehrfach Bürger mit aggressivem Verhalten aufgefallen sind. „Fast täglich, manchmal auch mehrmals am Tag gibt es diese Vorfälle“, sagte Bürgerbüro-Leiter Kevin Hewer der SZ. Auslöser seien etwa Sprachprobleme oder Ärger, wenn Dokumente vergessen wurden. Diese Aggressivität sorge für ein mulmiges Gefühl bei Mitarbeitern, vor allem bei Frauen. Nach einem Test im Juni will die Stadtverwaltung das Projekt 2020 starten. Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma soll dann Konflikte möglichst früh schlichten und besonders aggressive Bürger nach draußen begleiten. In besonders kritischen Fällen soll er die Polizei rufen, heißt es aus der Stadtverwaltung. Zu Polizeieinsätzen wegen aggressiver Bürger sei es durchaus schon gekommen.

Auch die Stadt Saarbrücken hat bereits einen Sicherheitsdienst engagiert, der aber nicht ausschließlich im Bürgeramt tätig sei. Seit einigen Jahren begegneten Bürger den Mitarbeitern mit weniger Respekt, hieß es aus der Stadtpressestelle.

Vor einem gravierenden Problem mit „Übergriffen auf Beschäftigte im öffentlichen Dienst“ warnte der Beamtenbund dbb. Fast jeder zweite Beschäftigte des öffentlichen Dienstes ist laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des dbb schon einmal Opfer eines Übergriffs geworden. Beleidigungen seien dabei am häufigsten vorgekommen – bei 89 Prozent der Betroffenen. Es folgen Anschreien (68 Prozent), körperliches Bedrängen (31 Prozent) und Schläge (17 Prozent).

Dass neben Polizisten und Feuerwehrleuten auch Jobcenter-Mitarbeiter zu Opfern von Bedrohungen werden, zeigte sich am Dienstag auch in Saarbrücken. Im dortigen Jobcenter kam es am Morgen zu einem Großeinsatz der Polizei, nachdem ein 61-Jähriger einer Mitarbeiterin angedroht hatte, eine Explosion auszulösen, bevor er das Haus verließ – aus Ärger über eine Geldforderung. Am Nachmittag gab es Entwarnung; der Mann wurde festgenommen, berichtete die Polizei.

Von einer „Brutalisierung der Gesellschaft“ sprach der dbb-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach in Berlin und forderte „ein umfassendes Investitionsprogramm“ zum Schutz vor Attacken. Nötig sei mehr Sicherheit im öffentlichen Dienst, etwa durch mehr Personal, sowie ein Register zur Erfassung von Übergriffen. Auch müssten Angriffe schärfer geahndet werden. Ein Gesetz von 2017, das vorsieht, Angriffe auf Polizisten, Rettungskräfte und Feuerwehrleute höher zu bestrafen, müsse auf alle Staatsdiener ausgeweitet werden. Auch dbb-Landeschef Ewald Linn forderte Investitionen in die Sicherheit.

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