1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Massive Umsatzeinbußen beim Technikunternehmen Knecht in St. Wendel

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Von 100 auf null an nur einem Tag

Das Unterhaltungs- und Technikunternehmen Knecht in St. Wendel verbucht wegen der Corona-Pandemie massive Umsatzeinbußen.

Seefest am Bostalsee, Musikfestspiele Saar, Festival Perspetives in Saarbrücken, der Marathon, das Stadtfest oder das Schüler-Ferien-Open-Air in St. Wendel, die ADAC-Rallye Deutschland: Die Liste der Events im Terminbuch der Firma Knecht Veranstaltungstechnik ist lang. Und umfasste zahlreiche Großveranstaltungen in der Region. Die Auftragsbücher waren Anfang des Jahres schon wieder gut gefüllt. Dann kam Corona. Zwar habe sich schon früher abgezeichnet, dass Großveranstaltungen ausfallen würden, aber ab dem 27. März ging es dann für das St. Wendeler Unternehmen, das komplette Veranstaltungen von der Planung über die Technik bis hin zum Catering der Künstler abwickelt, quasi von einem Tag auf den anderen von 100 auf null. „Wir haben de facto nichts zu tun“, beschreibt Anja Omlor, die fürs Marketing zuständig ist, die derzeitige Situation. Die Telefone sind auf die Homeoffice-Plätze umgeleitet. Aber es rufe ohnehin kaum jemand an. „Vielleicht zwei Anrufe am Tag“, schätzt Omlor, „normalerweise sind es mindestens zehn in der Stunde“. Sie sowie ihre Kollegen seien nur selten im Büro, Kurzarbeit ist für alle neun Mitarbeiter angeordnet. Auch für die fünf Auszubildenden, die aber mindestens an einem Tag in der Woche geschult würden. Für sie muss es ja weitergehen. Unter anderem werden sie an den Pulten ausgebildet. Sie sollen sehen: „Das Leben existiert noch“, so Omlor. Dennoch fehle die Praxis: „Wir können ja keine Großveranstaltungen simulieren.“

Bis Oktober, davon geht Omlor aus, kann die Firma keinerlei Einnamen verbuchen. Dazu die Marketing-Fachfrau: „Tatsächlich haben wir zurzeit 100 Prozent Umsatzeinbußen. Das bedeutet bis jetzt, einen Umsatzeinbruch von rund 500 000 Euro in diesem Geschäftsjahr.“ Denn nicht nur die Großveranstaltungen fallen aus, auch kleinere Feste sind abgesagt – Hochzeiten, runde Geburtstage. Hier stellt Knecht nicht nur die Technik, sondern kümmert sich auch um Dinge wie Dekoration oder Bestuhlung. Aber auch dafür bestehe derzeit kein Bedarf.

Was aber weiter existiert, das sind die laufenden Kosten. „Zum Glück ist unsere Immobilie und alles, was im Lager ist, bezahlt“, lobt Omlor das solide Wirtschaften. Dennoch spricht sie von laufenden Kosten in Höhe von etwa 10 000 Euro im Monat. Für die angemeldeten Fahrzeuge oder Versicherungen. Fördermittel vom Land stehen Knecht nicht zu, so Omlor. Weil die Firma keine Schulden und außerdem Rücklagen habe. Aber beim Bund hat das St. Wendeler Unternehmen bereits Soforthilfe beantragt: „Bisher haben wir aber noch keine Antwort.“

Bei Knecht Veranstaltungstechnik im St. Wendeler Gewerbegebiet gibt es derzeit nichts zu tun. Foto: Melanie Mai

Omlor ist trotz aller Probleme zuversichtlich. „Die Firma ist so gesund, dass wir über diese Zeit hinwegkommen.“ Dennoch denken die Verantwortlichen derzeit über eine Neuorientierung nach. „Wir überlegen, wo wir derzeit unser Geld besser verdienen können.“ So vermarkten sie bereits ihr Grundstück, bieten Stellplätze an. „Das wird gut angenommen“, ist Omlor überzeugt. Allerdings ist das kein Vergleich zum normalen Geschäft. Omlor verrät, dass Knecht im vergangenen Jahr 20 000 Arbeitsstunden geleistet habe, davon allein 14 000 vom eigenen Personal. Die restlichen 6000 Stunden leisteten Selbstständige – die nun eben auch keine Aufträge von Knecht erhalten.