Saarwellingen feiert dieses Jahr 396 Jahre Fastnacht

Kostenpflichtiger Inhalt: 6 hoch 2 x 11 Jahre : Närrisches Jubiläum der besonderen Art

Die Saarwellinger Narren feiern im Quadrat: Die Faasend ist 6 hoch 2  x 11 Jahre alt – also 396 Jahre. Mindestens.

Dass die Saarwellinger Karnevalsgesellschaft Gold-Blaue-Funken in diesem Jahr ihr 6 x 11. Geburtstag feiert, darüber haben wir bereits ausführlich berichtet. Dass aber auch die Saarwellinger Fastnacht auf ein ganz besonderes Jubiläum zurückblicken kann, das hat Norbert Müller-Adams, der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Saarwellingen und langjährige Präsident der Gold-Blauen-Funken, im Rahmen seiner Recherchen zu den Jubiläumsfeierlichkeiten herausgefunden.

Vor allem Freunde der Mathematik, aber natürlich auch Historiker, dürften ihren Spaß an dem ganz besonderen Jubiläum haben. Denn hinter 396 Jahren, auf die die Wellinger Fastnacht zurückblicken kann, verbirgt sich ein ganz besonderes Zahlenspiel: 62 x 11 Jahre (sechs zum Quadrat, also 36, mal 11 Jahre) gleich 396 Jahre ist das Wellinger Fastnachtstreiben in dieser Session alt geworden.

Mindestens 396 Jahre, es könnten auch mehr sein. Aber die bei Geschichtsgelehrten wichtige Jahreszahl ist die der ersten urkundlichen Erwähnung. Und die genannte Rechenaufgabe weist auf die wohl erste urkundliche Erwähnung der Saarwellinger Fastnacht im Jahr 1624 hin. Während in manchen Teilen Deutschlands in dieser Zeit bereits der 30-jährige Krieg wütete, gab es in Saarwellingen noch keine spürbaren Auswirkungen.

„Daß auf Fastnacht und Mattiä gedanst worden sei“ stellt der Visitationsbericht eines evangelischen Pfarrers aus dem Jahr 1624 empört fest. Damit gibt es sozusagen die urkundliche Bestätigung für 6 x 6 x 11 Jahre Wellinger Fastnacht – mehr närrisches Jubiläum geht ja fast nicht. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel

Ein schriftlicher Beleg zum Fastnachtstreiben lässt sich in den Berichten zu den Kirchen-Visitationen aus dem Jahr 1756 finden. Dort heißt es mit Datum vom 20.10.1624: „Daß auf Fastnacht und Matthiä (Trier Bistumspatron) gedanst worden sei.“ Dies zeigte der Pfarrer der Synode an. Die Rädelsführer konnten damals laut Schriftstück nicht ermittelt werden.

Alte Bräuche und Tanzfeste waren dem neuen, puritanischen Glauben nach ein Gräuel – und strengstens untersagt. Saarwellingen war im Jahr 1575 durch eine Verordnung des Grafen Philipp III von Nassau-Saarbrücken, der eifrig bemüht war, die Reformation durchzusetzen, evangelisch geworden. So lässt sich im ersten Bericht zur Kirchen-Visitation im Jahr 1613 nachlesen, dass das Tanzen im Dorf abgeschafft worden sei.

Die alteingesessenen, ehemals katholischen Bewohner wurden schnell zum Sorgenkind der protestantischen Pfarrer. Sie ordneten sich nicht unter, hielten an den Traditionen fest und feierten – nicht zuletzt zum Glück der Gold-Blauen-Funken – ihre Fastnacht.

Heute, knapp 400 Jahre später, laden der Gresentag am Fetten Donnerstag und der Rosenmontag mit großem Umzug zum Feiern in den Saarwellinger Straßen ein. Neben den Gold-Blauen Funken bieten auch die Rot-Weißen Funken, die 2014 bereits ihre 8 x 11 Jahre gefeiert haben und der Karnevalsverein Rot-Weiß Reisbach, der im Jahr 2011 auf 4 x 11 Jahre zurückblicken konnte, die Möglichkeit, Kappensitzungen mit Tänzen, Reden und viel Musik zu besuchen. Besonders macht die Wellinger Fastnacht aber auch das Brauchtum der Gresen, das seine Wurzeln wohl in der alemannischen Fastnacht hat.

Schöne Traditionen und immer gern genommenen närrische Jubiläen sind das. Aber Sechs zum Quadrat mal elf: Das muss der Wellinger Fastnacht erstmal jemand nachmachen.