Schiedsrichter-Prozess: Gericht verurteilt Fußballer wegen Beleidigung

Kostenpflichtiger Inhalt: Schiedsrichter-Prozess in St. Ingbert : Gericht verurteilt Fußballer wegen Beleidigung

Der Spielertrainer war angeklagt, weil er einen Schiedsrichter beschimpft hat. Der Vorwurf der Morddrohung konnte nicht bewiesen werden.

Eigentlich sollten sich die Spieler der Kreisligisten TuS Wörschweiler und TuS Mimbach auf dem Fußballplatz sportlich messen. Die Begegnung am 12. Mai im Homburger Stadtteil Wörschweiler soll aber mit Schimpftiraden und Handgreiflichkeiten geendet haben. Am Donnerstag musste sich der Spielertrainer (45) des TuS Mimbach nun vor dem Amtsgericht St. Ingbert verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, den Schiedsrichter (34) beleidigt und bedroht zu haben.

Schon zu Spielbeginn habe der Spielertrainer gepöbelt, sagte der Schiedsrichter als Zeuge vor Gericht. So soll er unter anderem der gegnerischen Mannschaft Betrug vorgeworfen haben. Einige der Spieler des TuS Wörschweiler hätten keine Spielerlaubnis. Weitere Beleidigungen des Angeklagten seien gefolgt. „Jede Situation, jeder Pfiff wurde mit nicht gerade sportlich fairen Aussagen kommentiert“, sagte der Schiedsrichter. Kurz vor dem Ende der Partie – Mimbach unterlag Wörschweiler 2:9 – gab’s für den Spielertrainer Gelb-Rot, weil er mit seinen Beschimpfungen auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht aufgehört habe. Er musste vom Platz.

Anschließend sei die Situation dann völlig eskaliert. Der Schiedsrichter soll in Begleitung zweier Ordner ins Sportheim gegangen sein. Der Angeklagte soll ihm gefolgt sein, ihn unter anderem als „Hurensohn“ und „Wichser“ beleidigt haben. Außerdem soll er den Unparteiischen am Trikot festgehalten und an der Schulter nach hinten gezerrt haben. Im Lokal soll der Spieler dann geschrien haben: „Ich bring’ dich um. Du kommst hier nicht lebend raus.“ Der Schiedsrichter habe dann nach eigener Aussage in die Küche flüchten und die Polizei informieren müssen. Die Beamten begleiteten den Schiedsrichter letztlich zu seinem Auto.

Der Angeklagte räumte vor Gericht ein, den Schiedsrichter beleidigt zu haben. Er habe ihn aber nicht an der Schulter gezerrt, sondern „nur am Trikot und nicht einmal am Arm“ berührt. Vielmehr sei es der Unparteiische gewesen, der ihm gedroht habe: „Wenn du mich noch einmal anfasst, erlebst du dein blaues Wunder.“ Im Sportheim soll es zwar Wortgefechte gegeben haben, der Spielertrainer beteuerte aber, niemanden bedroht zu haben. Außerdem sollen sich, entgegen der Aussage des Schiedsrichters, zu diesem Zeitpunkt mehrere Personen – andere Spieler und Zuschauer – im Lokal befunden haben. Der Spielertrainer will gehört haben, dass jemand aus der Menge hinter ihm die Drohung gegen den Schiedsrichter ausgesprochen habe.

Von Drohungen hätten die zwei Ordner, die am Donnerstag als Zeugen geladen waren, nichts mitbekommen. Widersprüchliche Aussagen machten sie zu der Frage, ob der Spielertrainer tatsächlich den Schiedsrichter an der Schulter gezerrt hat. Beide aber hatten das Gefühl, dass ein Einsatz der Polizei nicht notwendig gewesen wäre.

Wegen der unterschiedlichen Aussagen der Prozessbeteiligten wurde die Anklage wegen Bedrohung eingestellt. Wegen Beleidigung forderte die Staatsanwaltschaft aber eine Geld­strafe für den Anklagten in Höhe von 1000 Euro – auch, weil der Spielertrainer unter anderem wegen Körperverletzung einschlägig vorbestraft ist. Die Richterin verurteilte den Spielertrainer am Ende wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 750 Euro.

Der Schiedsrichter meldete kurz nach dem Spiel im Mai den Vorfall dem Saarländischen Fußballverband (SFV). Das Sportgericht entschied: vier Wochen Sperre. Außerdem musste der Spielertrainer 30 Euro Strafe zahlen. Die Sperre allerdings sei in die Sommerpause gefallen, kritisierte der Schiedsrichter am Donnerstag. Er deutete an, dass der Vorfall beim Verband nochmal neu aufgerollt werden könnte.

Volkmar Fischer, Obmann des Verbands-Schiedsrichter-Ausschusses im SFV, erklärte auf Nachfrage, dass man zunächst bei der Sportgerichtsbarkeit nachfragen müsse, „ob man da noch was machen kann“. Vorrangig zu behandeln wäre der Vorwurf der Bedrohung, den das Amtsgericht aber einstellte. Trotzdem erachte er die damalige Strafe des Verbands nach jetzigem Stand als „zu wenig“, selbst für eine Beleidigung. Der Verband müsse gerade, nachdem in den vergangenen Wochen vermehrt tätliche Attacken auf Schiedsrichter verübt wurden, solchen „Dingen konsequenter begegnen“. Gleichzeitig warnt Fischer aber vor einer „inflationären strafrechtlichen Verfolgung“. Die Entscheidungen eines ordentlichen Gerichtes immer als Maßstab zu nehmen, hält er für falsch.

Monika Wannemacher von der Rechtsabteilung des SFV erklärt, dass das abgeschlossene Verfahren erst nach einem schriftlichen Antrag wieder aufgenommen werden könne. Sollte ein Antrag eingehen, werden alle „Unterlagen der Verbandsspruchkammer nochmals vorgelegt“. Die entscheidet über eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

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