Krankenpfleger Hartmut Lorenz (67) arbeitet auch als Rentner weiter

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Menschen im Regionalverband : Pfleger Lorenz (67) liebt seinen Beruf

Der St. Arnualer ist seit zwei Jahren in Rente. Aber dreimal im Monat arbeitet er immer noch in der Caritasklinik.

Wenn Hartmut Lorenz davon erzählt, wie er früher die Sauerstoffflaschen in den Operationssaal schleppte, wie er auf die Pupillenerweiterung der Patienten achten musste oder während der Operationen von Hand den Puls maß, dann ist das wie eine Reise in eine weit zurückliegende Zeit. Was ja stimmt. Denn Lorenz arbeitet seit 50 Jahren als Anästhesie-Pfleger im Caritasklinikum St. Theresia auf dem Rastpfuhl in Saarbrücken.

„Heute kommt der Sauerstoff direkt aus der Wand, und der Patient wird automatisch von Computern überwacht. Die Monitore und den Patienten muss man dennoch zu jeder Zeit im Blick haben“, sagt der St. Arnualer.

Seine Mutter war Krankenschwester, die Tante ebenfalls. Sein Vater war Installateur. „Der Beruf meines Vaters hat mich nicht richtig interessiert, also bin ich beruflich in die Richtung meiner Mutter gegangen. „Es war die richtige Entscheidung. Ich würde heute alles noch einmal so machen“, sagt der 67-Jährige.

Er hat fast sein gesamtes Arbeitsleben in Operationssälen verbracht, hat in den 50 Jahren bei mehr als 60 000 Menschen erlebt, wie sie durch die Narkose einschliefen und nach der OP wieder wach wurden. „Die Menschen reagieren vor den Operationen sehr unterschiedlich. Manche sind total cool und andere sehr nervös. Wir hatten auch schon jemanden, der vom Operationstisch aufgesprungen und weggelaufen ist“, erinnert sich der Anästhesie-Pfleger.

Kinder nimmt er mit lustigen Geschichten die Angst vor der Operation, und mit der ein oder anderen älteren Patienten hat Hartmut Kochrezepte ausgetauscht, bis die Narkose wirkte. Spannend und lustig kann es auch im Aufwachraum zugehen. „Die meisten möchten direkt wissen, wie spät es ist. Andere wollten gleich aufstehen oder fragen jede Minute dasselbe. Wir hatten mal einen japanischen Kampfsportler, dem man im Aufwachraum nicht zu nahe kommen durften, da er sofort seine Kampftechniken anwandte“, berichtet der Pfleger aus dem zurückliegenden halben Jahrhundert.

Ja, es gab Schockmomente. „Ein Mann verlor bei einem Zugunglück beide Beine. Im OP floss das Blut genauso schnell unten heraus, wie wir oben nachfüllten. Wir konnten ihn nicht retten. Es gibt in diesem Beruf schon tragische Momente, die einen nicht kaltlassen und die man mit nach Hause nimmt“, sagt Lorenz.

Und dann waren da die medizinischen Erfolge. „Es gibt auch diese andere Seite. Wir haben schon klinisch tote Menschen mit Herzstillstand in unserem OP gerettet. Das ist natürlich ein tolles Gefühle, wenn man den Menschen ihr Leben zurückgeben kann.“

Der St. Arnualer ist eigentlich schon zwei Jahre in Rente. Um sich den Abschied von seinem geliebten Beruf und den vielen netten Kollegen leichter zu machen, arbeitet er noch dreimal im Monat voll mit. Sein Vertrag läuft noch bis Ende Januar nächsten Jahres. „Vielleicht verlängere ich noch um ein Jahr. Ich bin mir noch nicht sicher, aber es macht mir immer nach wie vor Spaß“, sagt Hartmut Lorenz.

Die Decke würde ihm zu Hause sicher nicht auf den Kopf fallen. Seine Kinder, die Enkel und seine Steckenpferde halten den 67-Jährigen auf Trab. Er sammelt Fotoapparate, liebt seine Modelleisenbahnen und seinen Garten.

Sein Herz hängt aber immer noch an der Arbeit im Krankenhaus und an den Patienten, denen er mit seiner unvergleichlichen Art die Angst nehmen kann.

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